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Der Israelit · 1893-06-29 · Heft 52 (29.6.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 52 (29.6.1893)
Date
1893-06-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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999 von einer inneren Organisation der Gesellschaft oder von einem Plane für praktische Ausführung noch nichts vorhanden. Dr. Loewenthal war z. Z. (Juli 1891) in Buenos Aires und stand sowohl mit der argentinischen Regierung als auch mit diversen Großgrundbesitzern in Unterhandlung behufs Ankaufes größerer Güter. Die Presse der Hauptstadt (Buenos Aires) brachte die Nachricht, daß Dr. Loewenthal für Rechnung des Baron Hirsch große Terrainkäufe zu machen beordert sei und die Folge davon war eine Belagerung — kann wörtlich genommen werden — des Bureaux der „Empressa Colonizadora bei Hirsch". Dies war z. Z. der provisorische und nicht officielle „officielle" Titel des Unternehmens; nicht officiell, weil dieser Name nicht vom Verwaltungsrathe bestimmt war und insofern officiel, als die Unterhandlungen mit der Regierung der argentinischen Republik unter diesem Titel geführt wurden. Baron Hirsch kauft gegen baar! lautete die Parole; das war zu einer Zeit, wo Geld in Argentinien ein seltener und sehr gesuchter Artikel war — so selten und so gesucht, daß es gar nicht auffiel, daß die »Großen" und die »Größten" des Landes stundenlang beim Vertreter des Baron Hirsch antichambrirten, um persönlich ihre Besitzungen zum Ankauf zu offeriren. (Fortsetzung folgt.) Wahlen der Antisemiten. (Siehe in voriger Nr. S. 975.) 11. Böckel in Marburg. 12. Werner in Rinteln. 13. Werner in Hersfeld. 14. Hirsche! in Erbach. 15. Zimmermann in Alsfeld-Lauterbach. 16. Hänichen in Dresden (Amtshauptmannschaft.) 17. Lotze in Pirna. 18. Langen in Stralsund. 19. Ahlwardt in Neustettin. Unter diesen 19 Antisemiten sind 3, die sich noch einer andern Partei zuzählen. (Im vorigen Reichstag hatten die Antisemiten 6 Sitze.) Doppelt gewählt sind Ahlwardt, Werner und Zimmermann. Ahlwardt will in Arnswalde annehmen. In Neustettin soll der Antis. Prof. Dr. Förster- Friedenau ausgestellt werden. Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuzen. Deutschland. Berlin. Der bekannte Prozeß gegen den Rektor a. D. Ahlwardt wegen Beleidigung der Gesammtheit der preußischen Beamten, insbesondere auch der Behörden und Beamten des Juftizressorts, beschäftigte nach mehrmaliger Vertagung heute abermals die zweite Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Die Verhandlung endete mit der Verurtheilung Ahlwardt's zu drei Monaten Gefängniß. Rußland. Kiev. Die Zahl der Juden in unserer Stadt beträgt 30,000 Seelen. Sämmtliche Einwohner sind zu dem Aufenthalte in der heiligen Stadt, die so viele Kirchen und Kapellen hat, berechtigt und dürfen, wenn auch nur in bestimmten Straßen, Handel und Gewerbe treiben. Die meisten von den Einwohnern gehören zu den Invaliden, die. noch unter der Fahne von Nikolai gedient haben, ein Theil von ihnen beschäftigen sich mit verschiedenen Handwerken und andere gehören zu den Kaufleuten der ersten Gilde. Auch sind nicht wenig Juden da, die academische Bildung besitzen, wie Aerzte, Rechtsanwälte, Chemiker und Techniker rc. Die Gemeinde- Angelegenheiten sind musterhaft geordnet; die Synagogen, welche unter Aufsicht des ausgezeichneten Rabbiners Zuckermann stehen, sind schön und andachtsvoll eingerichtet. Das jüdische Krankenhaus, welches der unermüdliche Spender Brodskt erbaut hat, ist in seinem Prachtbau und seiner Einrichtung einzig in seiner Art. Die Wohlthaten des letztgenannten Spenders beschränken sich nicht auf das Krankenhaus allein, in jedem wohltätigen Vereine prangt sein Name an der Spitze und auch viele Jünglinge, welche verschiedene Universitäten besuchen, haben nur ihm ihre Existenz zu verdanken. Außer Herrn Brodski besitzt unsere Gemeinde noch viele Mitglieder, welche ein lebhaftes Interesse an dem Wohl unserer Glaubensgenossen zeigen. Es genügt, wenn wir die unermüdlichen Wohlthäter, Herren Laizon und Privat-Docenten Dr. Mandelstamm ansühren. Der einzige Mangel, welcher sich bei uns fühlbar macht, ist der Mangel an jüdischen Religionslehrern, welche leider zum hiesigen Aufenthalte keine Berechtigung haben. Ungefähr 3000 Schüler und Schülerinnen, welche in den Gymnasien, Real- und andern Schulen ihre Erziehung genießen, müssen auf Religionsunterricht verzichten. Um diesem Uebel abzuhelfen, unternahmen es jetzt unsere Glaubensgenossen, Herren Kazenelensohn und Aschkenasi, ein Gesuch im Namen ihrer Mitbrüder nach Petersburg zu richten, in welchem sie auf die schlechten Folgen, welche aus einer solchen Erziehung erstehen könne, die Regierung aufmerksam machten. Die Einwohner von Kiev geben sich der Hoffnung hin, daß diese Bitte gewährt werden wird, zumal die Religionslehrer ebenso wie Rabbiner, denen der Aufenthalt gestattet ist, unentbehrlich sind. In diesem Monate muß der Rest der ausländischen Juden, welche in Odessa wohnen, die Stadt verlassen. Die Lage der Ausgewiesenen spottet jeder Beschreibung; viele von ihnen haben ihr Hab

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