Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 52 (29.6.1893)
- Date
- 1893-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448365--36625-2484661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/< XXXJV. Jahrgang. /yg 52. Der Israelit. Sin Genlrat-Hrgan für das orthodore Zudenlhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« SS. Juni S«SS (1893). Da mit dem 1. Juli 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitende Artikel. Sprüche der Wäter. Viertes Buch. LXXIX. Mainz, 28. Juni. .pT^> ü”nm ,nvnr& D'nem niab orbn Die Geboreuen sind zu Kerben bestimmt, die Gestorbenen zur Wiederbelebung und die Lebenden gerichtet zu werden. Daß alle Geborenen zu sterben bestimmt sind, ist eine Allen geläufige Wahrheit, die aber nur von Wenigen in ihrer ganzen Bedeutsamkeit gewürdigt wird. Die meisten Menschen leben und handeln so, als ob sie nie diese Welt verlassen würden. Viele ziehen den Gedanken an den Tod gar nicht in den Kreis ihrer Erwägungen. Das Leben und seine Ansprüche jochen den heutigen Culturmenschen so unablässig und schonungslos in ihren Dienst, daß ihm keine Zeit und Muße für den Gedanken an sein Ende bleibt. Und es stünde doch besser um das individuelle Wohl, sowie um alle allgemeinen öffentlichen Anliegen, wenn man mehr und vernünftiger das Ende bedenken würde. W3’ n«T ibvvr iODn H, „o, daß sie weise wären, die Einsicht hätten, die Gedanken auf ihr Ende zu lenken." (V. B. M., Cap. 32, V. 29.) Daß die große Menge der Leichtsinnigen diesen Gedanken von sich weist, obwohl ihn Alles in unserer Umgebung predigt, das kommt eben davon her, daß wir den Augenblick, der uns umfängt, als ein abgeschlossenes Ganzes betrachten. So tummeln sich die zahllosen, wegen ihrer Winzigkeit mit dem Auge nicht wahrnehmbaren Lebewesen, die den Wassertropfen bevölkern, als ob in ihm das ganze Universum aufgehe. Lebten wir ewig in dieser Welt, dann wäre es leicht begreiflich, daß Leichtsinn und Gemächlichkeit ihre Triumphe feiern, dann hätte es vielleicht eine Entschuldigung, wenn wir es mit ihr nicht verderben wollen und auf alle die Täuschungen und Verlockungen eingehen, mit welchen Leidenschaft und Sünde den Sinn bethören. Aber alle Sophismen der Welt vermögen doch nicht die Thatsache zu verschleiern oder gar zu beseitigen, roo^ nm^n, daß alle Geborenen zu sterben bestimmt find, ja, daß thatsächlich der Tod mit der Geburt beginnt, und jeder Tag uns einen Tag näher zum Tode führt. Jede Falte, welche das Alter in unsere Stirne furcht, jedes graue Haar, welches es in unsere Jugendkrone streut, ist ein stiller, aber unabweisbarer Mahner an das Ende, ist ein Vorbote jener Stunde, die uns aus der süßen Gewohnheit des Daseins reißt. Jede Abnahme der Körperkraft, jede Regung unseres befferen Selbst, das sich aufbäumt gegen die Lockrufe der Sinnlichkeit, alle rufen sie laut und leise, jedem, der sich nicht geflissentlich dagegen betäubt: Die Stunde kommt, d'e Stunde kommt, im Hinblick auf welche der Weise sagt (Koheleth, Cap. 12 V. 1—7): „Freue dich, Jüngling, deiner Kindheit, sei frohen Herzens in den Tagen deiner Jugend und wandte nach den Wegen deines Herzens und nach dem Anschauen deiner Augen, aber wisse, daß ob allem diesem dich Gott führen wird ins Gericht. Damit reißest du den Gram aus deinem Herzen und beseitigst das Leiden von deinem Leibe, denn Kindheit und Jugendzeit sind eitel. — Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend, ehe denn herankommen die Tage des Leidens und Jahre herannahen, von denen du sprechen wirst: Ich habe