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Der Israelit · 1893-06-26 · Heft 51 (26.6.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 51 (26.6.1893)
Date
1893-06-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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976 eine weit größere praktische und prinzipielle Bedeutung zu beanspruchen, als man derselben vielleicht für den ersten Augenbick zuzuschrelben geneigt sein könnte. War ja doch jenes famose Gesetz, welches den nicht mit Landwirthschaft sich beschäftigenden Fremden die Niederlassnng in den rumänischen Dorfgemeinden verbietet, ebenso wie das Gesetz, welches die Ausübung der Schankgerechtigkeit in den Landgemeinden als ein Privilegium der rumänischen Staatsbürger erklärt, von demselben chauvinistisch-antisemitischen Rassenhasse diktirt worden, welchem auch das Verbot des Hausirhandels seine Entstehung verdankte. Die Heuchelei der nationalliberalen Gesetzgeber wollte eben überall dort, wo sie Privilegien für die rumänischen Staatsbürger schuf, weniger die.eigentlichen Fremden, als vielleicht die tm Lande geborenen, einheimischen Israeliten treffen. Diesen sollte die Möglichkeit des Erwerbs in jeder Weise verkürzt, diese sollten ausgehungert und zur Auswanderung gezwungen werden, ohne daß man der nationalltberalen Partei den Vorwurf machen konnte, sie hätte den die Gleichberechtigung aller Konfessionen vor dem Gesetze verbürgenden Paragraph der Verfassung verletzt! So lange viele der in Rumänien geborenen Israeliten den Schutz einer fremden Macht als ein bequemes Mittel ansehen, sich jeglicher Militürdienstpflicht zu entziehen, mag denn auch die Behandlung solcher fremder Schützlinge als Fremde eine Berechtigung gehabt haben. Nachdem aber Oesterreich-Ungarn die fernere Ausübung seiner Schutzrechte auf seine eigenen Staatsbürger beschränkt hatte und alle übrigen Mächte diesem Beispiele gefolgt waren, war es unbillig und jedem Rechtsgefühle Hohn sprechend, die gleich jedem anderen Landeskinde zum Militärdienste und Militäreide „für König und Vaterland" herbeigezogenen rumänischen Israeliten noch immer als „Fremde" behandeln zu wollen. Der oben erwähnte Entschluß der Regierung ist jedenfalls als ein Fortschritt anzusehen. Allerdings lautet die Weisung an den Präfekten nur zu Gunsten derjenigen Juden, welche ihrer Militärpflicht in Rumänien Genüge geleistet haben, aber hierher gehört schon der gesammte jüngere Theil der israelitischen Bevölkerung Rumäniens. Zu denjenigen, welche obgleich nicht im Besitze des rumänischen Bürgerrechts doch bezüglich ihrer Freizügigkeit in den Landgemeinden nicht als Fremde behandelt werden können, werden also innerhalb weniger Jahrzehnte alle rumänischen Israeliten gehören. (Inzwischen wird berichtet, daß obige Weisung der Regierung vorläufig noch auf dem Papier geblieben ist, und daß cs sich eine Delegation von Reservisten jüdischen Glaubens noch in den letzten Tagen gefallen lassen mußte, im Vorzimmer des Ministerpräsidenten als „Blutsauger" titulirt zu werden.) > Vermischtes. — <1. — n. Harburg (Bayern). Am 24. Sivan ist Frau Karoline Stern, geb. Stein, in Fifchach, nach längerem Leiden, im hohen Alter von 86 Jahren, ihrem vor zwei Monaten zur ewigen Ruhe eingegangenen Bruder Herrn Bernhard Stein aus Harburg, welchem kürzlich ein ehrender Nachruf in diesen geschätzten Blättern gewidmet wurde, durch Abberufung vom irdischen Dasein, nachgefolgt. Wie treulich stand sie ihrem Gatten in seinen Arbeiten zur Seite! Sie war im strengsten Sinne des Wortes ein ^’nn&^N, ein wackeres Weib, eine Gehilfin, die nur von Liebe und frommer Pflichterfüllung durchdrungen war. Religiöse Pflichten zu erfüllen, bereitete ihr Genuß. Sie übte Wohlthätigkeit nach allen Richtungen aus. Galt es einen Dürftigen zu unterstützen, einem Kranken Trost und Muth einzuflößen, galt es endlich an einem Toten einen gottgefälligen Liebesdienst zu verrichten, so stand sie nicht fern. In diesem rühmenswerthen Sinne erzog sie auch ihre Kinder, eine Tochter und einen Sohn, welche durch aufopfernde Pflege und hingebender Sorgfalt alles was in menschlichen Kräften lag, gethan haben, um das kostbare Leben der Verblichenen zu verlängern. _jy* %>t|e t fl c n. "W> sssr Für den folgenden Theil ijji die Redaktion nidft verantwortlich. Bad Harzburg’ "TCO Billa Concordia ied Rest. Haus 1. Ranges am Walde unter Aufsicht Sr. Ehnvürden Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadr. (3738 Großer eleganter Speisesaal, Lesezimmer, Synagoge, rrtra gute Küche, solide Preise. $öei einer anständigen, religiösen Familie in Karlstadt a M., gesunde Lage, findet eine ältere Person, die ihr Leben ruhig beschließen will, gegen entsprechende einmalige oder monatliche Zahlung gute Verpflegung. Näheres unter F. 4089 durch die Exp. d. Bl. erbeten. (Vür einen 14jährigen Knaben mit guten O Schulkeimtnissen, aus achtbarer Familie, wird Lehrlingssielle in einem Samstags u. Feiertags geschlossenen Geschäfte — am liebsten Manufactur-Branche — gesucht. Gefl. Offerten nimmt unter Ehtssre 8. K. 4204 die Exped. d. Bl. entgegen. F^ine jüdische Köchin, welche eine bürgerliche Küche besorgen kann und nebstbei in der Wirthschaft noch etwas mithelfen muß, wird für ein streng jüd. Hans, in einer größern Stadt Belgiens gesucht. Reflectanten belieben ihre Offerten sub 4154 an die Exped. dss. Bl. zu senden.

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