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Der Israelit · 1893-06-15 · Heft 48 (15.6.1893) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 48 (15.6.1893)
Date
1893-06-15
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Hatte, ward mir in schwierigen Fällen stets die Ehre zu Theil die Patrouille zu führen. Einer unbezwinglichen Lust, vielem Glück und einem wenig Haren Menschenverstand verdanke ich allezeit die erhoffte Lösung der vielen mir ertheilten intereffanten Aufträge, von welchen ich nur einen einzigen flüchtig berühren möchte. In der Schlacht vor le Maus hatte unsere Divston die Aufgabe die Höhen von Monfort zu nehmen. Da eine Erstürmung große Opfer erfordert haben würde, so entschloß sich das Generalkommando zu einer Umgehung der feindlichen Stellung. In der Nacht des 10. Januar 1871 wurde ich mit zwei Mann zu unserem Major befohlen. Es galt das linksseitige Terrain bis zum Eisenbahndamm abzusuchen, die Stellung des Feindes möglichst genau zu erforschen und auf die Straßen und Wege, welche durch die Schluchten führten, zu achten. Nach dreistündigem angestrengten Marsche traf ich mit meinen beiden leider verwundeten Kameraden wieder ein und wurde sofort zum Brigadegeneral v. K.... beordert. Vorschriftsmäßig wie wir es erlernt, machte ich kurze und bestimmte Meldung, die den General ersichtlich angenehm berührte. „Also mein Sohn," begann prüfend der Kommandeur, „wie weit seid Ihr angekommen?" „Wie befohlen, Herr General, bis zum Eisenbahndamm, das Wärterhäuschen am Walde ist stark besetzt." „Na dann trink erst mal einen Cognac, — den hast Du ehrlich verdient." Während mir der Bursche die willkommene Labung reichte, unterhielt sich der General mit seinem Stab und wandte sich dann wieder zu mir mit der Frage: „Kannst Du Karte lesen?" „Zu Befehl, Herr General." „Dann bezeichne mal mit diesem Bleistift Euren Marsch ganz genau." Nachdem das geschehen und alle weiteren Fragen ihre Erledigung gefunden hatten, wurde ich mit freundlichen Worten entlasten. Drei Tage nach der Einnahme von l6blau3 erschien der beliebte General vor unserem Bataillon mit der Weisung. „Bitte, Herr Major lassen Sie mal den schwarzbärtigen Gefreiten von der . . . Compagnie vortreten. Klopfenden Herzens stand ich vor der Front. „Es hat ganz genau gestimmt, mein Sohn", meinte der General vergnügt, „ich danke Dir nochmals" und zu dem Major gewendet, sprach er, mehrere Male den Kopf neigend, „wenn Die wollen, dann sind sie brillant zu gebrauchen." Im Felde, da gilt allein der Mann. Niemand srägt nach den kirchlichen Bekenntniffen des strammen Soldaten, hier entscheidet nur seine Leistung. In den ernsten Tagen des Krieges, wo es sich um das Wohl und Wehe des Vaterlandes handelt, da erkennt Jeder die Nichtigleit der konfessionellen Streitigkeiten. Welcher Kampfgenoffe hat wohl im verheerenden Feuer daran gedacht, ob sein Nebenmann Lutheraner, Katholik oder Jude sei. Der Anblick des Todes erweckt absolut gleiche, im Wesen der Menschen begründete Regungen. Ich habe während der sämmtlichen Kämpfe in unserm Bataillon niemals die leiseste Abweichung unter den verschiedenen Religionsangehörigen bemerken können, ebensowenig wie das feindliche Geschoß einen Unterschied macht, welche Brust es durchschlägt. In allen drei Kriegen haben sich jüdische Soldaten durch Hingabe, Pflichttreue und Tapferkeit die unauslöschbare Anerkennung unseres unsterblichen Kaisers Wilhelm I. — erworben, von manchem ehrenvollen Vorkommniffen im Felde könnten wir erzählen, die den Eingangs unserer Skizze angeführten Ausspruch unseres Hauptmanns voll bestätigen. In der Brust der jüdischen Kampfgenoffen, denen es vergönnt war, ihre unentwegte Liebe zum Vaterlande, auf dem Felde der Ehre bethätigen zu können, lebt nur der eine Wunsch, den wir den jungen zu den glorreichen Fahnen unseres geliebten Kaisers ziehenden Glaubensgenossen ans Herz legen: Seid allezeit eingedenk der größten Ehre, dem Vaterlande als tüchtige, pflichtgetreue Soldaten zu dienen. — Anzeigen. Kür den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. Bad Harzbnrg iÄ'L1®3 unter Aussicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadl. (3738 Großer eleganter Speisesaal, Lesezimmer, Synagoge, ertra gute Küche, solide Preise. Sensationell! Sensationell! 3626) KuttuvdetrM am ßnde des 19. Jahrhunderts. Von Dr. med. M Hirsch. Preis 80 Pfennig. Verlag von I. Kauffmann in Frankfnrt am Main. Diese Broschüre behandelt in drastischer, ernster Schilderung das Defizit unserer Kulturepoche. Sie gibt von neuen Gesichtspunkten ein übersichtliches Bild der gesammten antisemitischen Bewegung. _Durch alle Buchhandlungen zu beziehe«._ 12)3 Hotel l^aiidskron, Bad STenenabr. HE72 3425) Wtve. G. Borg, Besitzer. Prospekte des Bades gratis und franco. Referenzen des In- und Auslandes zu Diensten. vermittelt unter '&QfWu€tflU* strengster Diskretion Joseph Stern 2470) Nerostraße 10, Wiesbaden. Minder von 4 bis 13 Jahren werden 91 unentgeltlich ausgenommen im israelitischen Kinderkrankenhaus, Frankfurt a. M., Röderberg 109. werden unter strengster '&UJIVUUJUU Discretion vermittelt. Gefl. Anfragen beliebe man unter Nr. 3646 an die Exped. d. Bl. zu richten.

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