Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1893)
- Date
- 1893-06-15
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Die Kolonisation Palästina’s. Palästina oder Amerika? (II. Fortsetzung.*) --»--- Das Hinterland ist nämlich, und das zeigt schon ein Blick auf die Karte, durchaus abgeschlossen von all' den Adern des Verkehrs; das „Reich Israel“, das sich dort etabliren würde, müsste, um den Absatz seiner Landesproducte zu bewirken, und andererseits, um nothwendige Erzeugnisse des Auslandes einzuführen, sich der Vermittelung der günstiger an gesiedelten Nicht- Juden bedienen, d. h. es würde wirthschaftlich alsbald in Abhängigkeit gerathen. Und all' diese Bedingungen für eine wirtschaftliche 8elbstständigkeit gewährt hinwiederum vollauf Palästina. Zwischen Europa, Asien und Afrika gelegen, ist es für den internationalen Verkehr wie geschaffen; nach allen Richtungen hin erschlossen sich natürliche Heeresstrassen, und mit gutem Grunde nannte der Prophet (Ez. 38, 12.) in seiner bilderreichen Sprache das „Heilige Land“, eben wegen dieser seiner bevorzugten Lage, den ,.Na b el der Erde“. Und diese Erkenntnis», wie hervorragend sich Palästina für einen Handelsverkehr mit dem Auslande eignet, hat sich denn auch schon frühzeitig den Völkern des Alterthums erschlossen, und schon in grauer Vorzeit war jene weite Ebene an dem Gestade des Mittelmeeres eine viel benutzte Heeresstrasse für ganz Ostasien, ein unentbehrlicher Handelsweg für Phönizien. Erwägt man nun, wie sehr mit einer solchen geographischen Lage nun auch das den Juden innewohnende Handelsgenie harmoniren würde, so lässt sich an der Thalsache nicht mehr zweifeln, dass ihnen, wenn sie Palästina besetzen, bald die Vermittelung des Handels zwischen dem kaufkräftigen Europa auf der einen Seite und China, Indien, Persien und Egypten auf der anderen Seite zufallen müsste. Die bisherigen Darlegungen haben folgende Sätze ergeben: a) Die Ansammlung von einer grossen Menge von Juden in Ländern, welche von Ariern besetzt sind, kann nur dazu führen, den Antisemitismus zu kräftigen, resp. ihn in’s Leben zu rufen. b) Eine Ansiedelung in Palästina lässt der artige Gefahren wegen der Stammverwandtschaft zwischen den Juden und den dort ansässigen Völkerschaften nicht befürchten. c) Die Kolonisation Palästinas durch Juden entspricht einem religiösen Bedürfnisse dieser letzteren selbst und ist geeignet, all’ die moralischen Schäden zu beseitigen, welche der Druck der Verhältnisse bei den Juden erzeugt hat. d) Auch in wirthschaftlicher Hinsicht bietet Palästina allein die erforderlichen Garantien für die Fortentwickelung und d«s Gedeihen nicht minder, wie für den dauernden Bestand jüdischer Kolonien. e) Das ganze für das heilige Land in Aussicht genommene Kolonisation» werk lässt bestimmt eine Kräftigung des Judentums selbst und zugleich auch eine kulturelle Hebung Palästinas erwarten. f) Aus allen diesen Gründen ist es Pflicht eines jeden Juden, der für das Geschick seiner Glaubensgenossen ein Herz hat, mit allen Kräften einzutreten für die Besiedelung Palästinas durch jüdische Kolonisten. Nachdem wir im Vorstehenden die Frage nach dem „Wohin?“ beantwortet und den Nachweis beigebracnt zu haben glauben, dass Palästina das einzige Land sei, wohin der Strom der Auswanderer mit Erfolg geleitet werden könnte, wollen wir im Nachfolgenden die den Juden zu Gebote stehenden Mittel darlegen, um eine Kolonisation Palästinas im grossen Stile einleiten und durchführen zu können. Unsere Leser werden erfahren, wie mit den ersten in Palästina entstandenen Kolonien zugleich eine das gesammte russische Judenthum umfassende Palästinabewegung entstanden ist, wie diese Bewegung immer weiter um sich gegriffen und zur Reorganisation der alten, sowie zur Entstehung neuer Kolonien auf palästinensischem Boden geführt hat. Auf eine ganze Reihe von industriellen Unternehmungen, die nebst der Landwirtschaft den jüdischen Kapitalisten reichlichen Gewinn bringen könnten, ist bereits in den „Spen den-Verzeichnissen“ Nr. 454 bis 478 hingewiesen und damit zugleich der Weg bezeichnet worden, welchen die Juden fortan zu wandeln haben, um die Idee der Ansiedelung ihrer verfolgten Glaubensgenossen im heiligen Lande zum endgiltigen Siege zu führen. ') S. 480.