Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 46 (8.6.1893)
- Date
- 1893-06-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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^v ~ ^"r; •' " ' ■ =T ' ' ' ~ >—•? ' . ‘ ..• " - ’ •‘•s- . 882 D r. D. Selber bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Groß-Gerau hielt, liegt jetzt gedruckt unter dem Titel „Die religionsgeschichtltche BedeutungderSynagoge" (Frankfurt a. M. 1892 I. Kauffmann) vor. „Jedes israelitische Gotteshaus ist ein Denkmal jener Gotteserkenntniß und Gottesverehrung, durch welche die Menschheit ihrer wahren Gottesgemeinschaft inne wurde." Für diese Heils- und segensreiche Gotteserkenntniß wurde in Israel zuerst gekämpft, gestritten und gelitten; in Israel hat sie zuerst ihre sieghafte Kraft und Stärke bewährt. Für diesen Sieg sind die Synagogen, die die ersten Stätten der Gottesverehrung waren, wo Gebet und Belehrung Inhalt und Träger einer höheren Andacht wurden, ernste Denkmale und unvergängliche Zeugnisse. Dieses die Kerngedanken der inhaltreichen und formvollendeten Predigt, deren Veröffentlichung wir aufrichtig begrüßen. — Von einer meisterhaften Beherrschung der hebräischen Sprache zeugt eine kleine Schrift von Isidor B r ü st t g e r: mn »me (Lemberg 1892. Ehrenpreis.) Es ist eine Sammlung kleiner Aufsätze, die der Verf. in seiner Jugend gearbeitet, und die zum Thetl auch in Zeitschriften erschienen sind. Wissenschaft und Novelle ist in ihnen vertreten, theilwetse Üebersetzungen aus dem Deutschen, theilweise Eigenes. Ein Brief, den der Verf. als 15jährtger Jüngling geschrieben, zeigt welche schwere Kämpfe er durchzumachen hatte, um seinem unwiderstehlichen Drange, auch in profanem Wissen sich auszubilden, zu genügen. Den Freunden eines gewandten und guten hebräischen Stils sei diese Schrift empfohlen. — Rabbiner Dr. Abr. Kisch, der sich um die Spezialgeschichte der jüdischen Gemeinde zu Prag schon mehrfach verdient gemacht hat, hat zum dreihundertjähr. Jubiläum der Meiselssynagoge zu Prag eine hochinteressante Monographie „Das Testament Mordechat Meysels" (Franks, a. M. 1893. I. Kauffmann) veröffentlicht. Zeugt das Testament dieses seltenen Mannes von dessen bewundernswerthen Hochherzigkeit, so liefert die Geschichte der Testamentsvollstreckung und die der Synagoge, welche jener Wohlthäter aus eigenen Mitteln errichtete ein trübes Bild von dem allgemeinen Rechtszustande Böhmens im 17. Jahrhundert und dem in der jüdischen Gemeinde zu Prag selbst. Kaum hatten sich die Augen Meysels geschlossen, als lügnerische Denunziationen die Konfiszirung des bedeutenden Vermögens des Verstorbenen veranlaßte und zwischen den Erbberechtigten (es waren Seitenverwandten, denn M. htnterließ keine leiblichen Erben) und der Gemeinde über die liegenden Güter und deren Erträgnisse ein fast hundert Jahre dauernder Prozeß entstand. Die Geschichte der Synagoge und des Prozesses, die Beziehungen Meysels zu den Großen der Gemeinde, namentlich zu dem berühmten Rabbiner der Gemeinde R. Bezallel Löwis, bekannt als der „hohe R. Löb" und dessen Einwirkung auf die Wohlthätigkeitshandlung Meysels wird uns hier an der Hand eines reichen Aktenmaterials und nach allen Seiten tief wissenschaftlich begründet, vorgeführt. Die Schrift ist eine schätzbare Bereicherung der Kulturgeschichte im allgemeinen und der jüdischen Geschichtsforschung im besonderen, so daß eine weite Verbreitung derselben zu wünschen und zu empfehlen ist. — Ebenfalls ein werthvoller Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Prag ist die Schrift von Moritz Popper „Die Inschriften des alten Prager Judenfried Hofs" (Braunschweig 1893.) Wer hat noch nicht vom alten Prager Judenfrtedhof gehört, welcher Fremde, weß Glaubens er auch sei, besuchte bei seiner Anwesenheit in der alten Hauptstadt Böhmens nicht die zu den „Sehenswürdigkeiten" zählende alte Grabstätte im Judenvtertel? Lange blieben jene alten Steinzeugen einer alten wechselvollen, aber hochbedeutsamen Geschichte stumm, bis erst die Mitte der 50er Jahre sie zum Reden brachte. Der Gal Ed, von Koppelmann Lieben im Jahre 1856, zu dem Rappoport eine Einleitung schrieb, gab Kunde von dem reichen geschichtlichen Schatz, den die Grabsteine des Prager Friedhofs bargen; diese 170 Inschriften regten die Lust zur Erforschung der übrigen Inschriften, soweit sie nicht schon zu sehr unter der zerstörenden Hand der Zetten gelitten hatten, au. Doch nur langsam rückten die Versuche für eine Weiterarbeit vorwärts, als im Jahre 1876 der Vater des Verfassers der vorliegendenSchrift von der Beeroigungs-Brüderschaft den Auftrag erhielt, die Arbettfortzusetzen. In einem Zeitraum von fünf Jahren entzifferte und kopirte dieser unermüdliche, fleißige Mann nicht weniger als 10134 Grabschriften, die jetzt der Sohn nach dem Tode des Vaters kulturhistorisch und historisch bearbeitet, uns vorlegt. Schon dieses erste Heft zeigt, was wir noch zu erwarten haben, eine Fülle kulturhistorischen und historischen Stoffes. Der Verf. ordnet die Inschriften, die allerdings fürs erste nicht alle ausführlich wiedergegeben werden, nach dem Beruf oder dem Gewerbe derer, deren Andenken sie bewahren. Was nun das hochwichtige kulturgeschichtliche Moment ist, das hier als besonders beachtenswerth erscheint, ist, daß jeder Handwerkerstand hier vertreten ist, eine frappante Widerlegung der Verleumdung, als ob die Juden das Handwerk scheueten; hier erzählen die Zeugen aus dem 16. und17.Jahrh. dasGegentheil. Da haben wir Schneider, Schuhmacher, Gerber, Färber, Kürschner, Handschuhmacher, Hutmacher, Riemer, Sattler, Zimmermann, Schlosser, Nagelschmied, Glaser, Töpfer, Tapezierer, ja sogar