Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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1. Juni 1893.] INr 6, Antisemiten in tit Lamburg, der freien und Hansestadt, Da liegt ein Lindlein im Sterben: Das Äuge fo trüb und der Auls geht so matt. And näher schon schleicht das verderben. Lochaufgeschwollen die rechte Land, Gebissen vom wüthenden Lunde. Der Äater verzweifelnd ist fortgerannt, Er bringt einem Ärzte die Lunde. „Mein Lieber, da müssen Sie in's Spital, Dort allein ist das Lind zu Kurieren; Die einzige Hilfe, es ist zwar fatal, Aleibt doch nur: den Ärm operieren." - S Stammbuch. ' „Am's Limmels Millen, es stirbt mein Lind, Mein Lebensglück bricht ja in Scherben." Da wohnt noch ein Doktor, ein Jude?! Geschwind! Gs geht ja um Leben und Sterben. And der Jude, er kommt, er sieht den Ärm, And die Land — er führt sie zum Munde — And der Mutter wird es um's Lerz so warm, Der Ärzt saugt das Gift aus der Munde. And am anderen Morgen, da fliegt es hinaus, Die Aosheit sucht niemand zu hindern: Die Juden, die saugen das Akut uns aus, Ae sonders den christlichen Lindern. Leben und Treiben der Drehburger Ieschibah von Hermann Löwinger. (Schluß). 6. Groß-Verhören. Was ist das wöchentlich stattfindende „Klein- Verhören" im Vergleiche mit dem Groß-Verhören, der großen, am Ende des Wintersemesters stattfindenden Prüfung, in der alles während des Semesters Gelernte vom Rabbiner strenge geprüft wurde, und zu welcher ohne Unterschied des Alters und Ranges jeder Bachur die Temidim und Gaurolbachurim, stch einfinden mußten. Das zwei Tage dauernde Groß-Verhören fand und findet noch heute 2 Tage vor Taanith-Esther statt. Obwohl die Prüfungstage Jedem bekannt sind, da vier Wochen vorher die Schiur-Vorträge suspendirt werden, um Zeit zum *) Aus „Gedichte für jüdische Christen u. christliche Juden". Ein Blumenstrauß den Antisemiten gebunden von Otto Wich ers v. Gogh. — Wytikou-Zürich, G. Schilde's Verlagsanstalt. Wiederholen zu gewinnen, wird doch nach altem Gebrauch vom Bachur-Schamesch, am Tage vor der Prüfung in der Schiurstube nach dem Morgengebet in feierlicher Weise das Groß-Verhören mit den Worten: „Morgen ist Hantssojaun hagodaul wehanauroh" öffentlich ausgerufen und nochmals angekündigt. Für diesen und den folgenden Tag müssen alle Bachurtm gerüstet und vorbereitet sein. Diejenigen, welche die Zeit gut benützt, können die Prüfung kaum erwarten; die aber nichts gelernt haben, sehen ihr mit Bangen entgegen. Manche von den letzteren Categorte pflegten sich krank zu melden, um stch die Beschämung vor den Kollegen zu ersparen. Geprüft wurde gewöhnlich nach dem Alef-Beth, nach dem Anfangsbuchstaben des jüdischen Vornamens des betreffenden Bachurs. Es wurden zumeist vom