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Der Israelit · 1893-05-29 · Heft 43 (29.5.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 43 (29.5.1893)
Date
1893-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 48 Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthurn. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den TS. Mai (I8SS). Leitender Artikel. Sprüche der Wäler. Viertes Buch. LXX. Mainz, 28. Mai. Old« nnpD 'IN -idix Knn p «Tino '31 .otyniff? ’nn *p«i nn«!> ai? im „Rabbi Matithja, der Sohn Cheresch's lehrte: Komme mit dem Gruß jedem Menschen zuvor, sei Schweif bei den Löwen und sei nicht Haupt bei den Füchsen." Eine richtige Würdigung des unlösbaren Welträthsels, welches die vorhergehende Mischna zum Gegenstand hatte, muß sich zunächst in einer milderen, nachsichtigeren Beurtheilung unserer Umgebung äußern. Wenn wir von dem Glück der Schlechten und von den Leiden der Gerechten nicht das rechte Verständniß haben, so rührt dies ja nicht nur von unserer Unkenntniß der Art und Weise her, wie Gott das Gute lohnt und das Böse straft, sondern auch von der Unzulänglichkeit unseres Urtheils darüber, ob Jemand in Wirklichkeit unter die Schlechten oder Braven zählt, wenn ihn auch das allgemeine Urtheil unter die einen oder anderen rangirt. Der öffentlichen Meinung liegen im günstigsten Falle nur die an die Oeffentlichkeit tretenden guten und schlechten Handlungen zur Beurtheilung vor, nicht aber die Quelle von Gedanken, Empfindungen und Gesinnungen, aus welchen sie geflossen sind. Wie viele gute Thaten entspringen schlechten, ehrgeizigen, selbstsüchtigen und anderen unlauteren Beweggründen l Wie viele Fehltritte und selbst Verbrechen würden wir milder beurtheilen, wenn wir die Neigungen, Versuchungen und Seelenkämpfe kennen würden, die ihnen vorangegangen sind! «in nw ppi Wer wahrhaft groß und wahrhaft klein ist, das wird für uns erst dort im Jenseits entschieden sein. Hier aber, in unserer den klaren Blick und das richtige Urtheil so vielfach trübenden Zeitlichkeit sollten wir mit dem Ausdruck unserer Achtung und Ehrerbietung nicht knausern, weil uns derjenige, der uns gegenübersteht, vielleicht zu gering und unwürdig erscheint. Sondern freigebig und in zuvorkommender Weise sollten wir jedem Menschen mit dem Ausdruck unserer Hochachtung und Ehrerbietung, mit unserem Gruß entgegenkommen. Das lehrt nicht nur Rabbi Matithja ben Cheresch, das lehrten ausnahmslos unsere großen Weisen; das lehrten sie nicht nur, sondern dieser Lehre gemäß lebten und handelten sie, sie, die man nicht heftig genug wegen ihrer Exclusivität und ihres pharisäischen Hochmuths zu verlästern sich erdretsiet. — Aus der Fülle der hierher gehörenden Belege mögen hier einige folgen. Wenn ein Weiser unserer Tage die Ansicht vertritt, daß „mit der idealen Liebe für Alles, was Menschenantlitz trägt, man praktisch nicht auskommt", wie wir dies kürzlich von Professor Häckel berichteten, so ist es ungemein tröstlich, auf das Beispiel unserer alten Weisen verweisen zu können, welche hier keinen Zwiespalt zwischen Theorie und Praxis kannten, nxio nny din ntt D^iyb n'DiDa i’zmp ojn vrw oy ‘bv ididi non 3’ff’ T> niyc nbyD? am» »w na pwa o"oy Dy ib*D»i di« bi djn pnv pi ^>y vby nox ni'ian by bapnoi nomi .pwa Doy 1^»SN1 D^iyo 'VW 01» lD’ip.1 'X3T p „Abaji führte den Wahlspruch im Munde: Alle Klugheit wende man an zur Erlangung der Gottesfurcht. Milde Antwort beschwichtigt den Zorn. Man rede daher in Frieden mit seinen Brüdern, seinen Verwandten, mit jedem Menschen und sogar mit dem Heiden auf der Straße, damit man geliebt wird in der Höhe, angenehm .hier unten und bei den Menschen gern ausgenommen ist. Man berichtet von Rabbon Jochanan ben Sakkai,

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