Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 42 (25.5.1893)
- Date
- 1893-05-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Zweite Seilagr M M 42 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfpondeuze«. Deutschland. Frankfurt a. M., 6. Mai. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am Mittwoch Abend seine Generalversammlung; in dem abqelaufenen zehnten Vereinsjahr wurden sieben öffentliche Vorträge gehalten, außerdem fanden eine größere Zahl von Mitgliederzusammenkünften statt. Die Bibliothek wurde vermehrt und auch in anderer Weise für die Vereinszwecke gewirkt. Die Mitgltederzahl ist 148, die Kassenverhältnisse günstig. Die Vorstandsmitglieder Dr. Heinemann, Alfred Geiger, Hugo Fränkel, Raph. Ettlinger, H. Rothschild, W. Posen wurden wieder- und Jacob Frenkel neugewählt. Cöln. Unter den Deputationen, die bei Gelegenheit der vor Kurzem stattgehabten Feier des 50jährigen Priester- und 25jährigen Bifchofsjubiläum des Kardinals Krementz zur Beglückwünschung bei demselben erschienen waren, befand sich der hiesige jüd. Vorstand mit dem Rabbiner Dr. F r a n k an der Spitze, welcher dem Kirchenfürsten eine kunstvoll ausgestatiete Adresse überreichte. Auf die Ansprache des Rabbiners erwiederte der Cardinal, daß er sich außerordelitlich freue, neben den vielen Ehrungen, die ihm, wie er sich bescheiden ausdrückte, unverdienter Weise erwiesen werden, auch eine solche seitens der Israeliten zu erhalten; er danke aufrichtig für die Glückwünsche und werde gewiß im Sinne der heiligen Schrift und Evangelien in versöhnlicher Milde seines Amtes walten und niemals die Freiheit der religiösen Ueberzeugung Anderer antastcn, er hoffe, daß der gütige Gott uns allen ein gnädiger Gott sein möge und wir alle dermaleinst der unsterblichen Seligkeit theilhaftig werden mögen. — Nach dem offiziellen Empfang unterhielt sich Se. Eminenz noch in leutseligster Weise mit der Deputation und reichte jedem Mitglied derselben die Hand zum Abschied. Karlsruhe. Donnerstag den 11. dss. Mts. ging die Schmerzenskunde, Meier Abraham Ettlinger y'a ist heute Nacht von seiner irdischen Laufbahn zur himmlischen abberufen worden, von Mund zu Munde. Denn der in noch nicht vollendetem 60. Lebensjahre uns Entrissene war bet der ganzen Gemeinde, bei beiden Richtungen, ja bei allen, die ihn kannten, gleich beliebt, gleich hochgeschätzt, gleich geachtet. Schon fast 30 Jahre kannte ich diesen edlen, im Hebräischen, wie im Profanen gebildeten Mann, die Krone und den Mitgründer der "^-Gemeinde, «rap «aarn vaj, Mitglied aller hiesigen und vieler auswärtigen Wohlthätigkeitsanftalten einen Thorabeflissenen, wie es nur wenige gibt; denn er hielt das Gebota^i n» la n\m im tiefsten Wortsinne, indem er jeden, dem Geschäfte abgerungenen freien Augenblick dem Thorastudtum nanai Hansa nx*va .niioxa zuwendete. Nie habe ich über ihn von nur irgend Jemandem im feindlichen Sinne sprechen hören. Aber auch er sprach über keinen Abwesenden, mochte er auch zu welcher Partei immer gehören, je etwas Böses, ja er haßte pan vik6 mit der ganzen Gluth seines wahrhaft religiösen Herzens, verließ sogar oft die Räume, in den Böses über irgend Jemand gesprochen wurde. Sein ganzer Lebenwandel entsprach in jeder Beziehung seiner hohen, edlen Abstammung und Gesinnung. Er war der würdige Enkel des in weiten Kreisen bekannten Vst azw^vvy pns T-nno; er war der Neffe und Schwiegersohn des Altonaer Rabb. ay^otsy app aaPao und noch vieler anderer Koryphäen und Zierden unseres Glaubens. — Schon im 22. Lebensjahre stand er seiner verwittweten, edlen Mutter r» bei der Erziehung der noch unmündigen 10 Geschwister treu, ausdauernd, gottvertrauend zur Seite, bis es ihm gelungen war, sie alle im Sinne seiner großen Ahnen und seiner hochgeschätzten Verwandten, nach der Vorschrift unserer heiligen Religion zu versorgen, dieselben folgten ihm auch wie einem Vater, da sie ihn als solchen verehrten. An den r> trug er unter Thränen der Rührung und der tiefsten Andacht mit lieblicher Stimme, alle Anwesenden zur Andacht stimmend, einen großen Theil der vorgeschriebenen Gebete so auch noch am jüngsten a"' vor. Um es den jüdischen deutsche Schulen besuchenden Schülern zu ermöglichen, am v"a nav dem ®otte8bienfte anzuwohnen, wurde unter seiner Leitung schon früh morgens in seiner Privatwohnung gebetet. Und wie oft bewirthete er noch nach beendigtem Gottesdienste die es eilig habenden Schüler! Man kann von ihm ohne Uebertreibung sagen: jp* ay ayjo hat an ihm verloren; denn sein HD' D\is> aaD gegen Jedermann ist unersetzlich, weil nur wenige die Herzensgüte und Menschenliebe in dem Maße besitzen, weil er durchdrungen war von der Heiligkeit unseres Glaubens, von seiner hohen Lebensaufgabe als Sprosse hoher Ahnen. Und bei all diesen himmlischen, von nur wenigen erreichten Tugenden zierte ihn eine fast beispiellose Bescheidenheit. — Nicht allein seine Heimathsstätte und sein Heimathsland mit seinen Armen und Bedrängten — auch nttnapn ya« mit seinen