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Der Israelit · 1893-05-18 · Heft 40-41 (18.5.1893) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 40-41 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
– (sequence 22)
Language
German
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kehrenden, reichen und weltklugen Mannes, der sich ebenfalls bei dieser Hoffestlichkeit und in unmittelbarer Nähe des Kaisers und seines Gastes befand. Als man den letzteren auf die Virtuosität der Tänzerin und ihre jüdische Abstammung aufmerksam machte, bemerkte er: „Die Juden können schon lange tanzen, dies haben sie beim goldenen Kalbe bewiesen." „Besonders, wenn wie damals, der Führer zu spät kommt," bemerkte dazu der Vater. Der Kaiser, welcher sofort verstand, aber befürchtete, seiner Umgebung sei der Sinn dieser Zurechtweisung entgangen, sagte dem Juden, er finde diese Bemerkung nicht mit dem Gastmahl vereinbar, das der fürstliche Gast bei ihm genieße. Durch diese Bemerkung wurde der Zweck des Kaisers erreicht! Die ganze Umgebung war nun in der That erst auf die wohlverdiente Abfertigung aufmerksam geworden, welche die unpassende Bemerkung des Prinzen erfahren hatte. Aehnlich verhält es sich hier. Von den Träumen Josephs hatte der mit den Garben, die materielle, der mit den Himmelskörpern, die geistige Ueberlegenheit Josephs zum Gegenstände, wie der Vers, eingehend nachweist. Die Brüder hatten diesem letzten Traum und der geistigen Bevorzugung Josephs von Hause aus, keine besondere Bedeutung beigelegt. Jakob hätte aber sehr gerne gesehen, wenn seine sämmtlichen Söhne durch geistige Begabung ausgezeichnet wären. Ein mächtiges Mittel dafür ist gerade der Neid noan nmn b^öid nwp, den deßhalb der Vater gern geweckt hätte. Dieses versuchte er dadurch, daß er den Träumen eine hohe Bedeutung beilegte, wodurch die Söhne erst darauf aufmerksam wurden. Daß dieses Ziel erreicht wurde, bestätigt der Umstand, daß der Bericht von dem Neide der Brüder, erst nach der väterlichen Zurechtweisung folgte. Wir wünschen dem Buche eine recht weite Verbreitung. Die schöne äußere Ausstattung desselben wird gewiß auch zur Erfüllung des Wunsches beitragen. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaclion dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Vergebens durcheilten meine Augen die Spalten Ihres werthgeschätzten Blattes „einen Nachruf" suchend, auf einen der Edelsten in Israel! — Salomon Feinberg, russischerCommerzienrath und Kollegenrath, 68 Jahre alt. gest. am 26. April d. I., aus Georgenburg in Rußland stammend, hatte seinen Wohnsitz in Königsberg. Schon im Hause seiner Eltern wurde „Wohlthun" im wahren Sinne des Wortes geübt. Zu früh wurde der Verblichene den armen russischen Glaubensgenossen entrissen. Was er ihnen ward Auf den vom zweitausendjährigen Elend verwitterten Angesichtern der Glaubensgenossen, zauberte der Name „Schlaume Feinberg" einen Freudenschein hervor. Persönlich kannte ich ihn nicht; doch von den Unzähligen, die alljährlich zu ihm pilgerten, kehrte keiner ungetröftet in Rath und That von seiner Schwelle. Lindernder Balsam war er ihrer ewig blutenden Wunde. Edel war er, hilfreich und gut: — Steht kein Mann in Israel auf, um einen der Edelsten ihres Stammes einen Nachruf zu widmen: so thut es eine Frau aus dem Volke! vermischtes. Hannover. Der Jahresbericht über die Religionsschule der Spnagogen-Gemeinde zu Hannover, welchem eine Abhandlung iber: „Der jüdische Religionsunterricht und die Vaterlandsliebe" vorangeht, weist für das Schuljahr 1892/93 eine Schülerzahl von 159 Schülern und zwar 80 Knaben und 79 Mädchen aus; außerdem besuchten 4 Knaben und 2 Mädchen die Selecta. Mülhausen i. E. Nach dem Bericht des Verwaltungsrathes des israelitischen Krankenhauses in Mülhausen i. E. (Jahrgang 1892) hat die Stadt Mülhausen dem Krankenhause 2000 Mark votirt. Die Anstalt beherbergt 26 gebrechliche Zöglinge, und zwar 9 Männer und 17 Frauen; deren Durchschnittsalter ist 75 Jahre. 11 Kranke sind behandelt worden 5 Männer und 0 Frauen, und alle sind geheilt entlassen worden. Es starben 7 Zöglinge, 3 Männer und 4 Frauen. Die gewöhnlichen Ausgaben (Zöglinge und Bedienungspersonal der Anstalt) waren Mk. 19,101.22, was pro Tag Mk. 1.55 ausmacht. Die außergewöhnlichen Ausgaben für Unterhalt der Gebäude und Garten beliefen sich auf Mk. 2,132.44. Die gewöhnlichen Einnahmen des Jahres betrugen Mk. 19,723.96. Die außerordentlichen Einnahmen, bestehend in unangreifbaren Gaben, beliefen sich auf Mk. 7,000/—. Coblenz, im Mai. Ein Zeugnis; über den gesunden Geist, der im hiesigen Vereinsleben herrscht, legte der hiesige Turnverein in seiner letzten außerordentlichen Generalversammlung ab, in welcher Herr Nathan Morgenthau zum 2. Vorsitzenden ernannt und Herr Hermann Cahn, Schochet der hiesigen Spnagogen-Gemeinde, welcher das Ehren-Amt des Schriftführers schon über ein Jahrzehnt bekleidet, in der sehr stark besuchten Versammlung nach geheimer Wahl mit sämmtlichen Stimmen wiedergewählt wurde. B. B. In Striegair (Schl.) starb am 13. Nissan das älteste und allgemein geachtete Mitglied, Herr Heimann Brinitzer, ein O'pdN nt, der stets bestrebt war, daß rrwy pjo in unserer kleinen Gemeinde erhalten blieb. Als Soldat hielt er trotz Anstrengung und Entbehrung streng die Speisegesetze. Der Krieger- und Schützenverein mit ihren Fahnen, der Vorschußverein, dessen Gründer und Vorstandsmitglied er war, erwiesen ihm die letzte Ehre. M. Rosenau, Cultusbeamter.

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