Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 40-41 (18.5.1893)
- Date
- 1893-05-18
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. Dritte Beringe ju M 40 & 41 des „Israelit". Literarische Werichte. Die anatomisch-physiologischen Grundlagen der verschiedenen Tchlachtmethoden von Dr. Dembo. Sr. Petersburg 1893. Wir haben bereits in Nr. 2 dieses Jahrganges des unter Leitung des Dr. Dembo veranstalte, ten Probeschächtens gedacht und des Umschwungs der öffentlichen Meinung zu Gunsten des Schächtens, welche hierdurch veranlaßt wurde. Herr Dr. Dembo hat nun den Gegenstand seiner Untersuchung wissenschaftlich begründet und das Ganze in einer in russ. Sprache vorliegenden Schrift veröffentlicht. Diesetbe enthält neue, interessante Experimente mit sehr instruktiven Abbildungen. Als Quintessenz der ganzen Arbeit möge hier folgendes Seite 34—36 niedergelegte Expose folgen: „Die Beobachtungen, die ich im Schlachthause über das jüdische Schächten angestellt habe, bestätigten im vollsten Umfange diejenigen Schlüsse, die aus den Lehren der Physiologie und der klinischen Praxis gezogen werben müssen. Während das Thier, das nach der sogenannten russischen Methode (Genickstich) geschlachtet worden, aus die vor seinen Augen ausgeführten Bewegungen heftig reagirte, es verfolgte z. B. aufmerksam die drohende Bewegungen meiner Faust — fand ich bei dem jüdischen Schlachtverfahren schon nach 7 Sekunden keine Reflexbewegungen. Ich sage: „nach 7 Sekunden", weil es, wegen des Raummaugels im Schlachthause, schwierig war, vor dieser Frist an die Experimente heranzutreten. Nach der zuverlässigen Schätzung aber des Prof. C. Vogt beträgt diese Frist nur 3 —4 Sekunden. Und in der That haben die verifizierenden Experimente, die Professor Pawlow in seinem Laboratorium an Hunden vornahm, gezeigt, daß die Lichtreflexe schon nach 4—5 Sekunden gänzlich verschwinden. Die jüdische Schlachtmethode verdientdemnachschon wegen ihrerSchmerzlosigkeit und ihrer hieraus resultirenden Humanitär en Form d en ersten und wichtigsten Platz unter allen Schlachtmethoden." Bei dem lebhaften Interesse, das gegenwärtig dem jüdischen Schlachtverfahren entgegen gebracht wird, wäre eine Uebersetzung dieser Schrift ins Deutsche sehr zu wünschen. * * * Rabbiner I. Hirsch, Wien XIV. (Selbstverlag.) /m-niDn wim mtcmi itidkö wni TioniDD ."1^.-1 Tins spjr rrusn 'iw Wir haben den ersten Band dieses gediegenen Werks bereits eingehend sofort nach seinem Erscheinen an dieser Stelle gewürdigt und begrüßen daher das Erscheinen des zweiten Bandes mit lebhafter Befriedigung. Zur Würdigung der ganzen Anlage dieses Werkes, der Motive, denen es entstammt, und der Zwecke, denen cs dient, müssen wir auf jene Besprechung verweisen und bemerken hier nur, daß sich der uns vorliegende II. Band würdig dem ersten anreiht. Er bietet eine wahrhaft Fundgrube für gediegene, geistsprühende Erklärung dunkler Schriftsteller! und schwieriger Aussprüche unserer Weisen in Agada und Midrasch, webhalb das Werk Rabbinern und Predigern für ihre Vorträge warm zu empfehlen ist. Dabei ist das Ganze getragen von tiefer Gottesfurcht und getränkt mit einem Geiste, der überall die reiche, vielseitige Lebenserfahrung verräth, aus welcher er quillt. Was uns bei der Erklärungsweise, die uns vielfach hier begegnet, besonders anmuthet, ist die Verwerthung der eigenen täglichen Erlebnisse und Erfahrungen für die Hebung der Schwierigkeiten der heiligen Schrift und die durch dieses Verfahren bestätigte ThaNache, daß das frisch pulsirende Leben der beste Commentar unseres heiligen Schriftthums ist. Wir greisen zum Beleg für diese geniale Erklärungsweise des Verfassers hier eine beliebige Stelle heraus. Der Verfasser findet es auffallend, daß bei der Erzählung der Träume Josephs es erst nach der väterlichen Zurechtweisung an Joseph heißt: vnx n iwp»i, datz die Brüder ihn beneidet hatten, während man nach der gewöhnlichen Auffassung annehmen sollte, daß diese Zurechtweisung gerade diesem Neid entgegentreten uno ihn dämpfen wollte. Zur Erklärung erinnert der Verfasser an eine Erzählung, die er aus dem Munde seines Lehrers R. Moscheh Sofer Vst gehört. — Der Prinz eines europäischen Fürstenhauses hatte durch verspätetes Eintreffen mit seinen Truppen auf dem Schlachtfelde eine empfindliche Niederlage des väterlichen Heeres veranlaßt. Um den Vorwürfen und Zwistigkeiten, die darauf folgten, zu entgehen, suchte der Prinz den kaiserlichen Hof in Wien auf und verblieb dort längere Zeit als Gast des Kaisers. Dieser feierte den Gast durch Festlichkeiten, die er zu seiner Ehre veranstaltete. Bet einer solchen Festlichkeit zeichnete sich ein jüdisches Mädchen als Tänzerin aus; es war die Tochter eines bei Hof ver-