Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 40-41 (18.5.1893)
- Date
- 1893-05-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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768 - -- -'^«WWWffWWWWWWM Bemerkenswerth ist doch die im Wahlkreise Frankenberg- Mittweida (bisheriger Abg. Buchdrucker Schmidt, sozdem.) seitens der Ordnungsparteien proklamirte Kandidatur des bekannten antisemitisch-konservativen Agitators Ed. Ullrich aus Chemnitz, für die auch der Führer des Kammerfortschritts Kommerzienrath Curt Starke eintritt, der Herrn Ullrich als einen „sehr geeigneten Kompromiß-Kandidaten" empfahl. Berlin. 14. Mai. Die erste gründliche Niederlage in diesem Wahlkampfe haben die Antisemiten zu verzeichnen. Ihr bekannter Wanderredner Dr. Danneil war nach Rendsburg gekommen, uw dort für den Antisemitismus zu agitiren; doch haben ihm die Rendsburger gründlich heimgeleuchtet. Die Versammlung hatte namentlich einen höchst merkwürdigen und heiteren Schluß. Am stürmischsten ging es zu, als schließlich der Versuch gemacht wurde, daß Herr Danneil als früherer Geistlicher und daher bester Vertreter der Nächstenliebe, auf sein einenommeneS Entriegelt) zu Gunsten der Armen Rendsburg erzichte. 30 Pfg< wäre sein Vortrag ohnehin nicht werth. Nun kam Herr Dr. Danneil in die Beine. Unter wüthendem Protest erklärte er, den Saal verlasst n zu wollen und sich unter den Schutz der Polizei zu beg den. Letztere wurde ihm durch den anwesenden Polizeikommiffar natürlich gewährt, und er untqr Schutzaffistenz von Polizisten nach seinem Hotel geleitet, während der Herr Kommissar die Kaffe mit dem Inhalt von ca. 64 Mark mit Beschlag belegte, nachdem die Versammlung zunächst obigem Vorschlag zugestimmt hatte. Späterhin wurde der vorgenannte Beschluß der Versammlung aufgehoben und dafür dem Anträge zugestimmt, das Geld Herrn Dr. Danneil zu belassen, jedoch mit einem ausdrücklichen Zusatz in dem Sinne, daß sein Vortrag nach Ansicht der Versammlung das Geld nicht werth sei Die Stellungnahme der Versammlung znm Antisemitismus äußerte sich in einstimmiger Annahme folgender Resolution: „Die am Dienstag, 9. Mai 1893, in der Tonhalle zu Rendsburg Versammelten haben den Vortrag des Geschäftsantisemiten Dr. Danneil aus Bielefeld mit steigender Entrüstung angehärt. Sie weisen den Antisemitismus Äs eine aller Kultur Hohn sprechende Verhetzung zurück und brandmarken ihn als e-ne Schmach des Jahrhunderts." Jedenfalls ist die Idee, den Antisemiten das Eintrittsgeld wieder abzuknöpfen, ganz vortrefflich und sie sollte überall Nachahmung finden. Berlin, 14 Mai. Die Antisemiten unter sich. Eine Verständigung, so schreibt die „Neue Deutsche Ztg." in Leipzig, zwischen dem sogenannten „Norddeutschen Agitations- Verbände" in Berlin unserer Partei wird versucht werden, um zu vermeiden, daß in Pommern und Brandenburg die Interessen verschiedener antisemitischer Richtungen sich kreuzen. Mißhelligkelten zwischen der antisemitischen Volkspartei der Herren Dr. Böckel und Zimmermann und der deutsch-sozialen Partei sind ausgeschloffen, weil genaue Gebiets-Abgrenzungen bestehen. Stuttgart, 16. Mai. Die Antisemiten wollen in den meisten Wahlkreisen Württemberg's eigene Kandidaten aufstellen. Marburg, 16. Mai. Der „Reichsherold" kündigt folgende weitere „Böckelkandidaturen" an: für Weilburg: Maler Bindewald in Marburg; für Darmstadt-Großgerau: dito; für Dillenburg: Landwirth Bär in Herrnhaag. Wien, 10. Mai. Die „Deutsche Zeitung" wird morgen ein Interview Herrmann BahrS mit Rickert über den Antisemitismus veröffentlichen. „Worte", sagte Rickert. „können gegen den Antisemitismus nichts helfen, wir brauchen dazu Arbeit. Leider fehlt uns jede Verbindung mit den freisinnigen Elementen Oesterreichs Der österreichische Liberalismus ist uns etwas Fremdes und Fernes." Rickert machte dann den Vorschlag, zwischen den Liberalen Deutschlands und Oesterreichs eine Verbindung derart herzustellen, daß hervorragende deutsche Abgeordnete in Wiener, hervorragende österreichische Abgeordnete in Berliner Versammlungen sprechen sollen. Briefkasten der Redaetion R. I. in Hamburg. Angefragtes ist uns nicht bekannt, vielleicht kann Ihnen Sr. Ehrw. Herr Dr. Plato in Köln die gewünschte Auskunft geben. Ch M. Michlin in Jerusalem: Uns ist nur ein Herr des genannten Namens in Frankfurt a. M., Guiollettstraße bekannt. Sollte derselbe mit dem gleichnamigem Herrn in New-Nork identisch sein? K. in B. Daß sich die sächsischen Antisemiten bei der Wah'bcwcgung stark in's Zeug legen werden, war vorauSzufehen, ebenso wie, daß dies nur auf Kosten der Konservativen geschehen kann. An den Verleger A. S. in S. — Für die Besprechung der Missions-Traktätlein des Apostaten Lichtenstein, der sich immer noch „Bezirksrabbiner" nennt, obwohl er es nur in partibus infideliam ist, haben wir keine Lust und keinen Platz in unserem Blatte. Wenden Sie sich an Herrn Rabbiner Dr. Rahmer in Magdeburg, der bereits im Jahre 1886 in seiner „Israelitischen Wochenschrift" vom 23. Dez. seine Spalten dem evangelischen Missionsprediger C A. Schönberger in Wien zur Vertheidigung des qu. Lichtenstein zur Verfügung stellte,und der gegenwärtig fast in jeder Nummer seines Blattes Artikel gegen jüdische und judenfreundliche Blätter losläßt, die von der christlich - sozialen Presse mit großer Wonne abgedruckt werden. _Anzeigen._ Für den folgende« Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. 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