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Der Israelit · 1893-05-18 · Heft 40-41 (18.5.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 40-41 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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762 Antisemitismus aussprach. Rabbiner Dr. Frankl begrüßte den Fürst Erzbischof im Namen der Religion, deren Prophet Maleachi den menschenverbrüdernden erhabenen Gedanken ausgesprochen: „Fürwahr! Wir Alle haben Einen Vater, Ein Golt hat uns erschaffen!", und fuhr dann fort: „Diesen Grundsatz haben alle Vorgänger auf Ihrem Throne zur Richtschnur ihres Wirkens gemacht, und Dank diesem Wohlwollen war das einträchtige Zusammenleben in dieser Stadt nie getrübt. Nur die Glaubensbrüder in den Nachbargemeinden Holleschau und Kojetein (wo jüngst antisemitische Exceffe stattfanden) werden zeitweilig durch grundlose Beschuldigungen in ihrer Ruhe gestört. Ich habe die zuversichtliche Hoffnung, daß eine aufktärende Kundgebung aus dem Munde des ersten Priesters der Diöcese die wohlthuendsten Folgen haben wird. Ihr edles, erlösendes Wort würde uns ein treues Bild eines würdigen Priesters vergegenwärtigen, der nur die Lehre der Wahrheit im Munde führt und Viele von der Sünde abhält." — Fürst-Erzbischof Dr. Cohn erwtederte, er mißbillige selbst die bedauerlichen Vorgänge in den Nachbargemeinden auf das entschiedenste, weil er stets von dem Grundsätze ausgehe: 8nuw euigue! Noch lassen sich die gegenwärtigen Zustände nicht mit Etnemmale beheben, das Vorurtheil nicht mit Einem Worte bannen. Es bestehe ein krankhafter Zustand, der nur mit der Zeit geheilt werden kann; allein er werde Alles — soweit es in seiner Kraft stehe — anwenden, um dieses Uebel nach und nach in seiner Diöcese zu beheben, damit der Geist des Friedens wieder etnkehre. Er hoffe, daß auch die Priester seiner Diöcese in diesem Sinne wirken werden. Schließlich dankte Fürst-Erzbischof Dr. Cohn für den Empfang, der ihm auch seitens der Cultusgemeinde zu theil geworden, und versicherte die israelitischen Bewohner seiner steten Huld und Gnade, sowie sie dieselbe immer von seinen Vorgängern erfahren haben. > vermischtes. Emde«, 14. Mar. In der gestern stattgehabten Sitzung der Dreierkommission wurde beschlossen, die Herren Rabbiner Dr. Löb-Rawitsch, Dr. Bär-Brenzlau und Dr. Wreschner- Samter zur Probepredigt zu berufen. Herr Dr. Löb wird den Reigen eröffnen. Zerbst. Am 25. und 26. April cr. fand an der Anhaltischen Bauschule hier der mündliche Theil der Reifeprüfung vor der dazu bestellten Prüfungskommission unter dem Vorsitz des Herzog!. Anh. Regierungskommissars, Herrn Reg.- und Oberbaurath Himmel aus Deffau statt. Die Prüfung hatte ein sehr günstiges Resultat, da diesmal sämmtliche Candidaten, 40 an der Zahl, die Prüfung bestanden, nachdem ein Kandidat wegen Krankheit von der Prüfung zurücktreten mutzte. Die stets günstigen Lehrresultate und die von Jahr zu Jahr zunehmende Frequenz der Anstalt haben sowohl die Herzog!. Regierung, wie auch die städtischen Behörden wiederholt veranlaßt die betr. Subventionen der Anstalt zu erhöhen und die Lehrräume zu vergrößern. Trotzdem waren auch im letzten Wintersemester die erweiterten Räume der Anstalt wieder voll besetzt und konnten viele Anmeldungen keine Berücksichtigung mehr finden. Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Die Kunde von dem bei dem Juden verübten Einbruch und Diebstahl hatte sich rasch im ganzen Dorfe verbreitet und die Dorfbewohner standen in Gruppen aufgeregt beieinander und besprachen das unerhörte Ereigniß. „Das hat kein Hiesiger gethan!" rief hier einer aus und von allen Seiten stimmte man ihm lebhaft bei. „Die Welt wird immer schlechter, seitdem die Socialdemokraten sich überall breit machen," sprach der Hirt, indem er seine Peitsche schwang. „Die Socialdemokraten sollen auch die Sündenböcke für alles sein." entgegnete der Schmied. „Bist wohl selber einer?" klang die Gegenfrage. „Ach was, denk nicht daran," antwortete der Gefragte, „die Socialdemokraten und die Juden thun sich gegenseitig nichts. Gerade weils beim Juden geschah, wars kein Socialist." „Es wird ein Antisemit gewesen sein." rief der Barbier dazwischen; „die wollen ja mit allen Mitteln die Juden vernichten." „Kannst recht haben, Gevatter," stimmte der Schmied bei; „ein Antisemit wars jedenfalls, der dem Juden eins versetzt hat. Nun der alte Benjamin kanns vertragen; er wird davon nicht arm." „Aber weh wird's ihm thun, dem Wucherer." rief ein anderer, „und es geschieht im jchon recht, daß er auch einmal gerupft worden ist. Nun weiß er, wie es thut." „Pfui, schäm Dich, Du Schadenfroher!" rief nun der Wirth. „Der Jude hat's um Dich nicht verdient. Hat er Dir im vorigen Jahr nicht aus einer bösen Klemme geholfen." „Ja, ja, aber gegen hohe, hohe Zinsen, gegen Wucherzinsen." „Die Du ihm wohl jetzt noch, schuldig bist. Weißt noch, wie Du fast verzweifelt warft, als Niemand, gar Niemand Dir Geld leihen wollte? Wie liefst Du herum! Von Pontius zu Pilatus ranntest Du. Niemand wollte oder konnte Dir helfen. Da, als der Gerichtsvollzieher Deine Kuh schon am Strick hatte, um sie fortzuführen, erbarmte sich der Jude Deiner und streckte Dir das Geld vor, ohne daß Du ihm Sicherheit bieten konntest. Da-

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