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Der Israelit · 1893-05-18 · Heft 40-41 (18.5.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 40-41 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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760 hierzu nicht erst seit heute und gestern in ihrer ganzen Stärke sich geltend zu machen, das sieht man aus den Schlußworten, die Rabbi Nehorat seiner Mahnung angefügt hat. — Wenn es aber je eine Zeit gab, so ist es die unsere, der man nicht dasjenige warm genug ans Herz legen kann, womit unser Väterspruch ausklingt. ^22 '.1 nt» jyffn hu in)» ^>ni Vertraue auf Gott mit deinem ganzen Herzen, und auf deine Einsicht verlaß dich nicht. (Fortsetzung folgt.) ZeitnrrgSnachrichteu und Correfpoudenze«. Deutschland. Wiesbaden, Anfangs Mai. Aus dem jüdischen Gemeindeleben. (Unlieb verspätet.) Vergangenen Sonnabend wurde der neugewählte Chasan der hiesigen altisrael. Kultusgemeinde, Herr Cantor Bluhm aus Neu-Endingen (Schweiz) in sein neues Amt eingeführt. Herr Rabbiner Dr. Kahn nahm Gelegenheit, in kurzen markigen Worten die Mitglieder auf die Bedeutung hinzuweisen, welche die Gewinnung einer gottesdienstlichen Leitung für eine jüdische Gemeinde in sich faßt und speziell für die Gemeinde in sich faßt, die wie die Wiesbadner Altisraelittsche erst mit den größten Opfern aller Art schrittweise in die Höhe gelangen konnte. „Wir haben Leute, die trotz größter Inanspruchnahme für das Studium der h. Thora und für deren Verbreitung Zeit finden, wir haben G. l. auch Personen, die in edelster Weise keine Opfer scheuen, wo es die pekuniäre Unterstützung wohlthätiger Zwecke gilt und nun haben wir eine frische Kraft gewonnen, deren Lebensaufgabe die Pflege des Gottesdienstes bedeutet. Und da Thauroh Awodo u. Gemiluth-Chasadim die Grundsäulen des ganzen Weltalls bilden, so wird auch durch Wahrung dieser drei Faktoren unsere Gemeinde mit Gottes Hilfe immer weiter auf der betretenen Bahn fortschreiten. Was wir mit den zum größten Theil unter der Erde ruhenden Brüdern erkämpft haben, als heilige Sache wollen wir es Hochhalten und weiter kämpfen, daß es blühe und wachse." Herr Dr. Kahn sprach die feste Zuversicht aus, daß der Neugewählte, wie man es seinem Vorgänger und jetzigen College» Herrn Jaffa nachrühmen muß, in vollem Maße sich der hohen Pflichten bewußt sein wird, die der jüdische Lehrerberuf bedeute. „Verantwortungsvoll und groß ist unsere Aufgabe, herrlich aber der Lohn in dem Bewußtsein, die uns anvertrauten Seelen einem echten, unverfälschten Judenthum erzogen und zugeführt zu haben." — Schließen wir mit dem aufrichtigen Wunsche, daß der wackere Rabbiner, der Schulter an Schulter vor wenigen Jahrzehnten mit einem Hirsch und Lehmann für die Erhaltung und Wiedererweckung traditioneller Institutionen kämpfte, die Freude erlebe, seine Gemeinde immer mehr und mehr gedeihen zu sehen. L. Fr... Wiesbaden. Bei den am 14. stattgehabten Gemeindewahlen der hiesigen a tisraelitischen Kultusgemeinde wurden in den Vorstand gewählt die Herren Maier Baum als Präses, Hermann Strauß als Präses-Stellvertreter, Salomon Meyer als Schriftführer, L. Ackermann als stellvertretender Schriftführer. Mehrere, von Mitgliedern eingebrachte Anträge, betreffend Einsetzung einer Schul- und Friedhofskommisston, sowie betreffend festzustellender Preisnormen für die synagogalen Sitzplätze wurden auf eine demnächst stattfindende Spezialsitzung verlegt. Berlin, 9. Mai. (Umwandlung der Sirafe.) Wie die Staatsbürger-Zeitung mittheilt, wandelte der Kaiser die zweimonatliche Gefängnißstrafe Oberwinder's wegen Beleidigung der Clever Justizbehörden anläßlich des Buschhoff-Processes in 500 Mark Geldstrafe um. Berlin. Wir leben in einer Zeit der Uebergänge. Fort und fort rollt das Spiel. Alle Welt steht um die Spieltische und zählt mit gierigen Blicken die Augen der fallenden Würfel. Hier ein Freudenrus, dort ein Verzweiflungsschrei — en avant, faites votre jeu, messieurs, — weiter, immer Wetter im Spiele, bis der große Wurf fallen wird, dem keiner mehr folgt! Es ist die Dämmerung und jeder hofft auf den Tag und fürchtet, daß es Nacht werde. Wenn aber je, so tritt gerade dem heutigen Geschlecht der düstere Ernst der Zeit vor die Seele mit dem ungeheueren Entscheid über Sein oder Nichtsein. Unzählige Fragen harren der Antwort, die nicht mehr so lange ausbleiben kann! Fast alltäglich Nachrichten von Spannungen und Revolten im Ausland, und nun im eigenen Lande das große Ereigniß der jüngsten Tage. Die Kunde, daß das Machtgebot des Kaisers den Reichstag auflöste, weil er die Forderungen seiner Regierung ablehnte! Es geht eine gewaltige Bewegung durch die deutschen Lande, wie am Vorabend folgenschwerer Ereignisse. Wen aber wird sie am stärksten ergreifen? Uns Juden; darüber kann kein Zweifel herrschen. Denn, wenn nun die deutschen Wähler zur Urne schreiten, um auf Verlangen der Regierung den Willen des Volks zum Ausdruck zu bringen, steht die Ehre und Freiheit ja vielfach die materielle ExistenzderjüdtschenStaatsbürger dabei aufdemSpiele. So seltsam diese Erscheinung uns Vorkommen mag, so dürfen und werden wir

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