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Der Israelit · 1893-05-15 · Heft 39 (15.5.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 39 (15.5.1893)
Date
1893-05-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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748 um sich wegen Beleidigung einer Anzahl jüdischer Einwohner in Zerbst zu verantworten. Der genannte Herr glaubte seinem Gefühle dadurch kräftigen Ausdruck geben zu müssen, daß er in einer öffentlichen Zeitungsanzeige eine Anzahl jüdischer Einwohner gelegentlich der letzten Stadtverordnetenwahlen als Kandidaten empfahl. Es gelang der Herzoglichen Anklagebehörde unschwer, dem Angeklagten nachzuweisen, daß jener Empfehlung lediglich eine ironische Absicht zu Grunde lag, denn eine Reihe von Zeugen — der Kreisdirektor Dr. Witting, Oberbürgermeister Hünefeld, Oberlehrer Professor Krause, Stadtrath Cassirer, der Landtagsabgeordnete Hernig n- A. — bekundeten übereinstimmend, daß jene Empehlnng Niemand für Ernst genommen, sondern dieselbe allgemein als ein „dummer Scherz", um die Zerbster Juden der Lächerlichkeit preiszugeben, angesehen wurde. Nachdem der erste Staatsanwalt, Geheimer Justizrath Siegfried, in einer glänzenden Rede das Beleidigende solchen Vorgehens nachgewiesen und das antisemitische Treiben als tiefunsittlich und höchst verwerflich bezeichnet — er sagte auch, daß man in der Gegenwart wohl auf die bloße Nennung von Namen schon Rücksicht zn nehmen habe, da die Inden sich im Kampfe befinden, — beantragte er eine Geldstrafe von 200 Mk.. die der Gerichtshof ans 50 Mk. event. 5 Tage Gefängniß und Tragung der Kosten festsetzte. Schwerwiegender als die gerichtliche ist die moralische Berurtheilung, welche sich der Antisemit zugezogen, denn letzere war eine vollständige. - Der Angeklagte hatte auch Herrn Landgerichtsrath Kraus als Beisitzer wegen Verdachts der Befangenheit abgelehnt, da genannter Herr den Aufruf zur Bekämpfung des Antisemitismus unterschrieben hat. Wien. Der Kranken-Unterstützungsverein „Liwias Ehen" hatte seine Thätigkeit im Jahre 1802 auf die Eonsolidirung, Förderung, Stärkung und Kräftigung des Vereinsvermögens im Allgemeinen gelenkt. Trotz der in überaus reichem Maße an ihn herangetretenen Anforderungen um Gewährung von Krankengeldern, Unterstützungen zum Gebrauche von Bädern re., sowie um Darlehen ist derselbe doch in der angenehmen Lage gewesen, das Jahr mit einem Mehrbeträge von 232 fl. zu schließen. Das öffentliche Bethaus des Vereins erhält sich ohne jede anderweitige Subventionen, so daß dem eigentlichen Zwecke, dem Kranken-Vereine, die aus den Mitgliederbeiträgen und Spenden resultirenden Summen zugewendet werden konnten. Bödighcim, 7. Mai. Am verflosienen Montag fand dahier und dem Filialort Eberstadt die Prüfung der isr. Religionsschule durch unseren Rabbiner Herrn Dr. Löwenstein aus Mosbach statt. Das Resultat war ein sehr günstiges. Herr Dr. Löwenstein that am Ende derselben den Ausspruch: Ich wünsche, daß alle Schulen meines großen Bezirks so wären wie hier und Eberstadt, dann stände es gut um die jüdische Jugend. Bemerken will ich noch, daß unser Lehrer schon wiederholtenmale von der obersten Schulbehörde öffentlich belobt wurde. M . . x. Harburg i. Schwaben. Am 26. ]D’J trugen wir den Patriarchen unserer Gemeinde, Herrn Bernhard Stein n"y, in einem Alter von 87 Jahren zur ewigen Ruhe. Den Entschlafenen zierte nicht nur die Krone des Alters, sondern! auch vor allem die des HD nw, wodurch er eS verdient, 1 daß seiner in diesen gesch. Blättern gedacht werde. Ein ’lirr mit Herz und Hand, in Gesinnung, Wort und That, lebte er stets ntJHpn tt'nNQdO, geliebt, geachtet und geehrt von Jedermann, ob Israelit oder Nichtisraelit. Er gehörte mit einem Worte zu den n^yv den Männern der That, die in unserer Zeit der hohlen Phrase leider immer seltener werden.*) Es ist nicht möglich, in dem kleinen Rahmen hier sein Bild genügend oder nur annähernd zu zeichnen. Wir betonen nur die Thatkraft, die er allezeit für mmy, min und n"J eingesetzt, die glühende Liebe zum Judenthum und sein Interesse an Allem, was dasselbe innerlich und äußerlich berührte, seine Opferfreudigkeit und liebende Hingabe an mo nnä ’D“)S. — Jahrelang war er ’NUJ der hiesigen «mutn ionn und der dhdpi nPDjn xmn, alles verwaltete er ODV Des Lebens herbe Kümmernisse ertrug er mit Gottvertrauen und hatte die Freude, Enkel und Urenkel zu schauen, die alle in seinen Wegen wandeln und ihn bis zum Tode in Liebe umgaben. Bei seineni Leichenbegängnisse zeigte sich, welche Theilna.ime sein Hinscheiden erweckte. Möge sein Beispiel ein belehrendes und anregendes Vorbild für uns alle bleiben und seine irdische Hülle in Frieden ruhen, masfjn N. N. Sulzburg (Oberpfalz), 9 Mai. Eine sehr große Ehre widerfuhr am nvipn J)"8 (4. Mai d. I.) unserem 80jährigen Herrn Districtsrabbiner Dr. Löwenmayer ’"J und mit ihm der gesummten jüd. Bevölkerung Bayerns, da derselbe von unserem allergn. Prinzregenten inin an' 'n mit dem Verdiensikreuze des Michaelsordens dekorirt wurde, und überreichte der Kgl. Kommissär diese allerhöchste Auszeichnung im Be sein der hiesigen hochwürdigen Geistlichkeit, Lehrer, sämmtlichen Vereine, Gemeindeve»Wartungen u, s. w, unter Widmung einer die Verdienste des Jubilars hervorhebenden Ansprache, in der sich der Kgl. Regierungsrath und Bezirksamtmann, Herr Red er aus Neumarkt, als Freund des Jubelgreises bezcichnete. Es war wirklich eine seltene, erhebende Feier, bei der es so recht zur Geltung kam, daß der konfessionelle Friede als unschätzbares Gut zu betrachten ist. Möge es dem ehrwürdigen Greise, der heute noch in seltener Rüstigkeit funktionirt und wahrhaft min in oy zu verbinden und segensreich zu verbreiten versteht, ad maltos annos vergönnt sein, zu wirken und zu streben minn nnni oipon iqd? Euskirchen. Am vorigen Mittwoch Abend noiya J"1?) hatte man hier zu Ehren des nach 12jähriger Thätigkeit von hier nach Diez a. d. Lahn als Waisenvater des Kinderheims übersiedelnden Lehrers**) Kad d en eine Abschiedsseier veranstaltet, an welcher der überwiegend größere Theil der Gemeinde Theil nahm. Die wohldurchdachte Festrede desWorstands-Mitgliedes Herrn David Wallach fand') wegen'jihrer kernigen Schilderung des Scheidenden lauten Widerhall im Herzen aller derer, die die trefflichen Eigenschaften des Herrn K. als Lehrer, als Mensch und als Israelit kennen .'und schätzen gelernt haben. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte man Herrn K. einen prächtigen Schreibtisch. S. Bachenheimer, Bornheim. Jerusalem. Das Central-Comitö der vereinigten Israelitischen Asch.-Gemeinden in Jerusalem sandte uns seinen Rechnungsabschluß vom Kislev 5652 bis Kislev 5653, wonach 665,394 Piaster eingingen und 755,483 P. verausgabt wurden. Es resultirte also ein Deficit von 90,089 P. *) Nie verletzte er im geschäftlichen Verkehr den Sabbat oder die Speisegesetze, sein Haus war ein jüdisches in jeder Hinsicht. Seine Freude war npnm men, selbst auf dem Krankenlager war er n)Dfü tt/yn TH7, sagte sogar täglich nNQpQi D'lnn. **) Herr K. erhielt seine Vorbildung im Seminar zu Cöln, dem er durch seinen frommen bescheidenen Wandel zur Ehre gereicht.

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