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Der Israelit · 1893-05-15 · Heft 39 (15.5.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 39 (15.5.1893)
Date
1893-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. ~ jfe gA Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den LS. Mai SSSS (18SS). Leitender Artikel. Sprüche der Water Viertes Buch. LXVII. Mainz, 14. Mai. “iro ,rrnn iro nn ünna rwbw idin yiyoff 'm .jrpaj by n^y mu du? inai note mai rmna Rabbi Schimeon lehrte: „Drei Kronen gibt es: die Krone der Thora, die Krone des Priestertbums und die Krone des Köntgthums. Aber die Krone des guten Namens steigt über sie empor." Die Aussprüche der beiden vorangehenden Mischnajoth hatten die Pflichten der Rücksicht zum Gegenstand, welche die Hingebung an die Thora im Verkehr auferlegt, sowie die Achtsamkeit, welche sie von jedem fordert, der an ihr Studium herantritt und die Verantworlichkert, mit welcher ihre Pflege verknüpft ist. Die vorliegende Mischna handelt von der Gegenleistung, mit welcher die Thora ihre treuen, selbstlosen Jünger lohnt, mit den Kronen und Ehren, die mit ihr verbunden sind. Indem hier gelehrt wird, daß es drei Kronen gibt, thatsächlich aber noch eine vierte aufgezählt wird, gibt diese Fassung den Erklärern zu der Bemerkung Anlaß, daß die Thora«, die Priester- und Königskrone nur diesen Namen verdienen, wenn ihre Träger sich auch der Krone erfreuen, die ein guter Ruf gewährt. Der Ausdruck „Kronen" ist eine Bezeichnung für den Einfluß und die Macht, die Jemand über seine Umgebung besitzt, und es wird somit hier gelehrt, es könne Jemand eine herrschende, einflußreiche Stellung einnehmen, durch die Wissenschaft der Thora, die er besitzt, durch seine Zugehörigkeit zum Priesterstamme und durch die ihm verliehene Königswürde. Alle diese Auszeichnungen müßten von den so Ausgezeichneten aber in einer Weise verwendet und verwerthet werden, daß ihnen aus ihrer Verwendung ein guter Ruf erblüht. Die Krone des guten Namens übersteigt alle anderen Vorzüge der Wissenschaft und der Geburt. Ohne guten Ruf sind die drei übrigen Kronen werthlos. Der gute Ruf des mit der Wissenschaft der Thora Ausgezeichneten, erwächst aber nur aus der gewissenhaften Erfüllung alles dessen, was die Thora, über die er verfugt, vorschreibt. Der gute Ruf des durch die Priesterwürde Bevorzugten beruht auf der Verwirklichung des Ideals, dem der Priesterstand dient, also durch das ganze Thun und Lassen des Priesters. Ebenso beruht der gute Ruf des durch die Königskrone Geadelten auf der treuen selbstlosen Hingebung an alle Pflichten, für deren Erfüllung der König dasteht. Damit ist von vornherein die Scheidung zwischen Lehre und Leben verurtheilt, die in der Theorie auf dem Boden der Thora steht, sie studirt, erklärt und lehrt, sie in der Praxis aber nicht anerkennt und noch weniger ausübt. Damit ist der Stab gebrochen über den Priester, der seinen Talar, und den Fürsten, der seinen Hermelin für egoistische, nur dem Selbstinteresse dienenden Zwecke trägt. Sie mögen die Priester- und die Königskrone tragen, die ihnen das Vorrecht von Geburt und Abstammung aufs Haupt jetzt, die Krone des guten Namens, welche von der Umgebung und nur von ihr gereicht wird, besitzen sie nicht. Wie aber jede dieser drei Kronen, falls sie als solche gelten sollen, die Krone des guten Namens als selbstverständlich in sich schließt, so begreift im Grunde genommen die Krone der Thora, die des Priesterthnms und Köntgthums in sich. Als Gott Israel die Krone der Thora zu reichen im Begriffe stand, ernannte er auch ihre Träger zu einem Reich von Königen und Priestern, mit den Worten: doki annp cnna roteö H vnn „Ihr aber, ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein." (2. B. M., 19. 6.)

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