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Der Israelit · 1893-05-11 · Heft 38 (11.5.1893) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 38 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
– (sequence 28)
Language
German
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derung dorthin könnte nur die Lage dieser Million unserer Glaubensgenossen ganz erheblich verschlimmern, ohne den neuen Ankömmlingen zu helfen. Der Antisemitismus, von dem noch vor einem Decennium sicn im freien Amerika noch keine Spur fand, ist mit den russischen Juden zugleich auch in die Vereinigten Staaten von Nordamerika eingewandert. Man wählt dort seitdem keinen jüdischen Richter mehr, und das Gesetz gegen die Einwanderung des Paupers ist speciell auf die Juden gemünzt. Man will dort eben keine Juden mehr haben, und wir thäteu gut, wenn wir diese zarten Winke rechtzeitig beherzigen wollten. Es könnte sonst leicht passiren, dass die russischen Juden, welche vor der Wuth des russischen Pöbels sich nach Nordamerika geflüchtet hatten, in ihrer neuen Heimath mit den Fäusten des amerikanischen Pöbels Bekanntschaft machen. Die Behandlung, welche den fleissigen armen Chinesen in Californien zu Theil wird, beweist hinlänglich, dass der Yankee mit ungebetenen Gästen noch weniger rücksichtsvoll, ja vielleicht noch viel barbarischer umspringt, als selbst die brutalen Moskowiter. Ganz dasselbe, was wir von allen anderen Ländern mit arischer Bevölkerung sagen, lässt sich auch von Südamerika behaupten. Darauf zub&uen, dass in Brasilien, in denLaPlata- Staaten und in Argentinien gegenwärtig der Antisemitismus noch unbekannt ist, wäre leichtsinniger Optimismus. Der Antisemitismus $Vtfd sich dort schon mit mathematischer Gewissheit einfinden, sobald dort sich eine genügende Anzahl Juden eingefunden haben. Wir müssten denn annehmen, dass die Spanier und Portugiesen, einst die ärgsten Feinde und Bedrücker der Juden, drüben in der neuen Welt ihre angestammte Gesinnung eingebüsst hätten. Dagegen würden wir den Auswanderern viele Kämpfe und zahllose bittere Erfahrungen ersparen, wenn wir sie, statt den arischen und christlichen Japhiten, zu den mohamedanisch Z Semiten ziehen lassen würden, die nach Herkunft, Gebühren, Gewohnheiten und Gesichtszügen nicht minder wie in ihren Sitten und Gebräuchen den Juden ähnlich sind, und welche überdies keinen Heiland zu beklagen haben, dessen Märtyrertod sie den unglückseligen Juden in die Schuhe schieben könnten. Das Land ist überdies noch dünn bevölkert. Durch eine methodisch geleitete Einwanderung könnten in einem Vierteljahrhundert leicht 1,000,000 Juden dahin übersiedeln, und das Verhältniss der jüdischen Bevölkerung zur nichtjüdischen könnte sich so gestalten, dass erstere die überwiegende Majorität der gesammten Einwohnerschaft darstellte, wodurch sie gegen Angriffe für alle Zeiten geschützt bleiben muss. Wir müssen also den Gedanken aufgeben, den Strom der Auswanderer etwa nach Amerika lenken zu wollen. Die Requisiten, welche in politischer Hinsicht an die neue Heimath zu stellen sind, werden vielmehr nur allein in Palästina und Syrien erfüllt. II. Religiöse Gründe. Der zweite der oben angedeuteten Gesichtspunkte weist darauf hin, den religiösen Neigungen und Interessen unserer Glaubensgenossen Rechnung zu tragen. Welche Bedeutung aber Palästina gerade in dieser Beziehung in Anspruch nimmt, das ist ein Punkt, über den in den Zeiten jüdischer Orthodoxie zu sprechen ganz überflüssig wäre. Im heiligen Lande zu wohnen, in seiner heiligen Erde den Todesschlaf zu halten, — das lebt als sehnsüchtig empfundener Wunsch, als Ideal in eines jeden Juden Brust. Nicht Jeder mag der Begeisterung fähig sein, welche einen Gabirol, einen Jehuda Halevy erfüllte, den sein Gefühl so überwältigte, dass er beim Betreten des heiligen Landes vor Uebermass an Schmerz und Freude zugleich todt zu Boden sank. Hören wir, was der ruhig denkende Forscher Maimonides lehrt, er, der mit klarem, nüchternem Blicke eine Codification des^ jüdischen Gesetzes geschaffen hat. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. lt. Lt. in (J. Es hat mich sehr gefront, dass Sie die Hälfte Ihrer Sammlung für p"HN I1I5" bestimmt haben, die Sie aber nur in Rubrik XI. aufgeführt finden werden. 8. 8. in B. Verzeichnen Sie gütigst in Zukunft die Spenden ganz so, wie Sie Ihre jüngste Sammlung gedruckt finden werden. Sie ersparen mir dadurch das zeitraubende Ueberschreiben, wofür ich Ihnen sehr dankbar wäre. — Rabb. B BI. in L. Es war ein sehr bescheidener Anfang, aber doch immerhin ein Anfang; lassen Sie auf eine vielfach potenzirte Fortsetzung deseiben nicht lange warten! — 31. W. in Z. Ich werde den 13. 25 M. die von Ihnen als angemessen erachtete Verwendung zu geben suchen; ich habe auch nach dieser Seite hin eine stattliche Kundschaft. — J. J. in L<. Sie können noch mehr Exemplare als Sie gewünscht, von jeder Nummer, in der Ihre Sammlungen veröffentlicht erscheinen, erhalten, nur wollen Sie gefälligst dieselben von mir abverlangen, wenn mir, was leicht begreiflich, Ihr Wunsch aus dem Gedächtnisse kommen und ich Ihnen nur — wie bisher stets — ein Exemplar davon zusenden sollte. 8. B. in B. Ich empfehle die blau angestrichenen Rubriken in dem Ihnen zugesandten Spenden-Verzeichnisse Ihrer besonderen gütigen Berücksichtigung! — Bruck der Joh. Wirth’sehen Hofbuchdruckerei, Actieu-Gesellschaft, Mainz.

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