Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 38 (11.5.1893)
- Date
- 1893-05-11
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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-rr rr . . .} -' W-t.. . ■1-, ■ 1 •. >'■!-' t ,• V-V j 102 Die Kolonisation Palästina’s. -- Industrie in Palästina. (VII. Fortsetzung und Schluss.*) ----♦— — Der Lohn, den diese erhalten, dürfte sich nicht lediglich nach dem Verhältnisse von Angebot und Nachfrage regeln, sondern er müsste bestimmt werden von dem jüdischen Humanitätsgefühl, damit auch der Arbeiter ein menschenwürdiges Dasein gemessen könne, insbesondere aber müsste ihm in absehbarer Zeit selbstständiger Grundbesitz als Kolonist zugänglich gemacht werden, der Erwerb eines solchen Anwesens müsste ihm schon für die Jahre rüstigen Schaffens ermöglicht, nicht erst als Alters- oder Invaliditäts-Rente in der Sterbestunde oder noch später gewährt werden. Alles dieses Hesse sich in Palästina bei einem Tagelohn von 1.20 bis 1,50 Mark erreichen, wobei der Genossenschaft selbst noch ein bedeutender Reingewinn verbliebe. Wir müssen uns hier natürlich nur aut Andeutungen beschränken, es ist nicht der Ort, an dem wir einen völlig ausgearbeiteten Prospect entfalten könnten. Wir treten mit diesem Plane hervor, auch auf die Gefahr hin, von einigen philiströsen Kopten und indifferenten Gemüthern als Phantasten behandelt zu werden. Wir nehmen dies gern mit in den Kauf, denn nicht an Jene wenden wir uns, sondern an das Gros unserer Glaubensgenossen in Westeuropa, in deren Herzen das jüdische Gefühl sich aufrecht erhalten hat, deren Brust noch Raum hat für die Empfindungen des Schmerzes bei dem Anblick all’ der Leiden, welche unsere Brüder im Osten zu erdulden haben, mag der Eine auch seinem Gotte in der alten Weise der Väter dienen, der Andere Reformen huldigen und wieder ein Anderer endlich den Glauben gänzlich verloren haben. Es gilt die Verteidigung eines grossen idealen Gutes, •) S. Nr. 476. für das unsere Väter achtzehn Jahrhunderte geduldet und gekämpft haben, es gilt das Leben des Judenthums selbst, und Keiner, der ihm angehört, darf sich der Pflicht entziehen, die ihn zur Hilfe in der Noth aufruft. Achtzehnhundert Jahre lang hat das heilige Land verödet gelegen; nun soll es von Neuem erblühen im Glanze der Cultur und unter den Segnungen ehrlicher, redlicher Arbeit. Nicht ein Wunder wird erhofft, welches dieses Alles bewirken soll; wir selbst, aus uns heraus wollen wir es vollführen durch die Rekolonisation des Landes. Aus eigenen Mitteln wollen wir den Heimatlosen ein neues Obdach schaffen. Dazu aber ist erforderlich, dass jeder Jude, gleichviel welcher religiösen Richtung er sonst im Leben huldigt, zum „Zionsfreunde“ wird, dass er nach Massgabe seiner Kräfte zur Erreichung des glorreichen Zieles beiträgt. Bildet eine grosse Ansiedelungs-Genossenschaft! Arbeitet mit vereinten Kräften an der socialen Reorganisation des jüdischen Stammes! Schaffet dem Judenthume einen vierten socialen Stand, einen zahlreichen Bauern- und Arbeiterstand, und Ihr werdet Euch Achtung in den Augen aller Nichtjuden verschaffen. Denn wenn das von den „Zionsfreunden“ angestrebte schwere Rekolonisationswerk gelingen sollte, wenn es gelingen sollte, durch hartes und stetes Arbeiten mitten unter schweren Verfolgungen einen grossen Theil der handeistreibenden Juden in Ackerbauer und Fabrikarbeiter zu verwandeln, dann werden auch unsere geschworenen Feinde, werden auch die eingefleischtesten Antisemiten nicht umhin können, uns unwillkürlich achten zu müssen. — Palästina oder Amerika?*) -- - Seit einer Reihe von Jahren hat der Judenhass sein altes, und vor Alter etwas fadenscheinig gewordenes religiöses Mäntelchen abgelegt und stolzirt jetzt in nagelneuem Kleide von brennen- *) Aus „Wo hinaus?“ von Paul Dimidow. j den Nationalfarben einher. Nicht mehr im Namen des alten ehrwürdigen Gottes und weil die Juden — oder richtiger die Römer — vor 19 Jahrhunderten den Heiland gekreuzigt haben, sondern im Namen des modernen Götzen, des kaum drei