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Der Israelit · 1893-05-11 · Heft 38 (11.5.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 38 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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. - y ->r 734 den Roman — nach der Ankündigung desselben — „an Ort und Stelle" betrieben hat, ist im Romane nicht viel wahrzunehmen. Die Charakterzeichnung des Sabbatai, von welch letzterem der Verfasser glaubt, daß er ein edler Schwärmer war, ist ein in sich widerspruchsvoller Schemen. Der Gegnerschaft und dem — leider! — nicht hinreichend wirksam gewesenen Vorgehen der Rabbiner gegen den Sabbatai wird vom Verfasser als Motiv Neid und Mißgunst imputirt. Es ist aber weder vom jüdischen Standpunkt aus noch von dem geschichtlicher Wahrheit notwendig, jene für ihren Glauben und dessen Bekenner besorgten Männer, welche die unheilvolle Gefahr des Zewi'schen Auftretens erkannten oder doch empfanden, gegen solche Vorwürfe des Verfassers eines solchen Romans zu vertheidigen. Dagegen berührt es jüdischerseits nicht angenehm, daß der Verfasser in seinem eine jüdische Bewegung behandelten Roman in historisch kaum zutreffender Weise nicht nur das Christenthum hereinzieht, sondern auch einen Diener der römischen Kirche eine mehr als fanatische Rolle spielen läßt. Wollte der Verfasser gegen die Dominikaner zu Felde ziehen, so hätte er ein anderes Gebiet dazu wählen mögen. Der Verfasser nennt seinen Roman ein Spiegelbild des 17. Jahrhunderts. Der Leser gewinnt aber keineswegs den Eindruck, daß das Bild ein getreues ist, ja dieses erregt nicht einmal das Interesse, welches die unheilvolle Sabbatäische Bewegung an und für sich wohl zu erwecken im Stande ist. T. Zeitungsnachrichten und Gorrespoudeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M. Der Verein zur Förderung des Handwerks unter den hiesigen Israeliten hielt am 11. April unter dem Vorsitz des Herrn Emil Stiebe! seine Generalversammlung ab. Die Zahl der vom Verein unterstützten Lehrlinge hat sich von 93 auf 113 gehoben; von diesen find 17 Stipendiaten der mit dem Verein verbundenen H. S. Goldschmidt-Stiftung. Es befinden sich darunter Schneider, Schuster, Tapezierer, Bäcker, Schriftsetzer, Sattler, Buchbinder, Barbiere, Konditoren, Bildhauer, Drechsler. Glaser, Goldarbetter, Hutmacher, Lithographen, Mechaniker, Photographen, Portefeuillearbeiter, Schreiner, Uhrmacher, Posamentirer rc. Im Jahr 1893 sind bereits wieder 12 neu ausgenommen worden. Im Ganzen wurden im abgelaufenen Jahre verausgabt M. 13,144, vereinnahmt M. 14,363. In den Vorstand wurden die Herren Moritz Ganß und David Katten wieder¬ und an Stelle des verstorbenen Herrn Ferdinand Gamburg Herr Rechtsanwalt Julius Plotke neugewählt. Ferner erklärten sich verschiedene Herren bereit, die Ueberwachung der Behandlung und des Betragens der Lehrlinge zu übernehmen. Vermischtes. Gleitvitz Der diesjährige Jahresbericht bringt einen Rückblick auf die 10 jährige Thätigkeit des Grauen-Vereins )er hiesigen Synagogen-Gemeinde. Der 1822 begründete Verein besaß bei seiner Rekonstituirung im Jahre 1883 einen festen Fonds von 1397 Mk. und eine Mitgliederanzahl von 170 Damen. Trotz der bedeutend erweiterten Tendenzen und der damit verbundenen enormen Ausgaben, gelang es dem Vorstand bis jetzt stets diese Summe unangetastet zu lassen und noch einen bedeutenden Überschuß zu erzielen. Während der zehn Jahre 1883-1893 betrugen die Einnahmen 21 097 Mk., die Ausgaben 18 5ö5 Mk.. so daß ein augenblicklicher Bestand von 2520 Mk. vorhanden ist. Die Tendenzen des Vereins sind Folgende: Einmalige und monatliche Unterstützungen an arme, bedürftige Frauen und Mädchen, Hilfe in Krankheitsfällen, sowohl durch Geld, als durch Krankenpflege, Ausstattung von Bräuten, Badeumerstiitzungen und vor allem Ausbildung junger Mädchen und Frauen zu einem Beruf, der dieselben erwerbsfähig macht. Mit Stolz kann der Verein auf die Erfolge seiner Wirksamkeit bezüglich der Ausbildung junger Mädchen zurückblicken. Im Jahre 1880 gab es in der Gemeinde eine Menge verwahrloster junger Mädchen, die von Jugend auf von ihren Eltern zum Betteln angehalten wurden. Heute nach 10 Jahren kann der Vorstand mit Genugthuung sagen, daß diese Verhältnisse nicht mehr eristiren. Es gelang, die Mädchen zum regelmäßigen Schulbesuch anzuhalten, das gute Beispiel wirkte fördernd nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf die Eltern und hat der Verein in den 10 Jahren seiner Thätigkeit 33 Mädchen und 2 Frauen erwerbsfähig gemacht. Ter Hamburgische Staat will russische Auswanderer in Hamburg nicht mehr aufnehmen und verlangt deshalb, daß von den preußischen Staatsbahnverwaltungen Fahrkarten an solche Auswanderer ferner nicht ertheilt werden. Die mit der Eisenbahn in Grenzstädten eintreffenden russischen Auswanderer, welche über Hamburg nach Amerika zu reisen beabsichtigen, werden deshalb nicht weiter befördert. Baron Nathaniel von Rothschild in Wien hat seine prachtvolle Schloßbesitzung Hinterleithen bei Reichenau dem Vereine zur Errichtung einer klimatischen Heilanstalt für arme Brustkranke geschenkt. Aus Prag wird der „D. Ztg " folgendes nette Histörchen zugeschickt: In einem czechischen Städtchen existirt eine Zeitung, die wir kroäaui revolvsr nennen wollen, und deren Redakteur konnte die Juden nicht leiden. Er hatte drei Gründe dafür: erstens verstanden sie deutsch und lasen verrätherischerweise Bücher und Zeitungen in dieser Sprache der Nationalfeinde, zweitens abonnirten sie nicht seine, sondern, wenn sie schon czechisch lesen wollten, die seiner gegnerischen Partei, und drittens . . . Dem kroäani revolvsr beliebte es eines Tages, den geachteten Kaufmann T. persönlich anzugreifen. Sein Vater sei wie so viele Juden vom Wucher reich geworden, und der Sohn bedrücke jetzt mit diesem Gelde die echten Kinder des ausgesogenen Vaterlandes. („Echt" sind nur seine eigenen Parteigenossen.) Herr T. eilt zu dem Schreiber der Notiz, beweist ihm, daß sein Vater nie gewuchert habe, und schließt dies Beweisverfahren mit fol-

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