Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 38 (11.5.1893)
- Date
- 1893-05-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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—11"U-L— 724 ■S-^\ Doch Benjamin hörte nicht; in einem fort rief er laut in die Nacht hinaus: „Hilfe, Hilfe, ich bin bestohlen, beraubt! Haltet den Einbrecher! Gegen den Wald ist er gelaufen, meinen Schrank hat er geplündert!" Und schwere, dicke Thränen rollten über die Wangen des alten Mannes, während er so schrie, denn niemand war da, der den Dieb, den Einbrecher hätte verfolgen können, der unter dem Schutze der Nacht den Wald erreichen und seine Beute in Sicherheit bringen konnte. Rahel bat den Vater, doch von dem offenen Fenster weg zu gehen, was er denn auch endlich auf ihre Bitten hin that. Dann weckte sie die Brüder und den Knecht, theilte ihnen mit, was geschehen war, und ehe eine Viertelstunde verging verließen diese das Haus, den Dieb zu verfolgen. Rahel hatte mit dem Vater zu thun, der sich in hochgradiger Aufregung befand. Er jammerte fortwährend, wie unglücklich er sei, da man ihn bestohlen und seines Eigenthums beraubt habe und alle ihre Versuche, ihn zu beruhigen, waren erfolglos; so oft sein Blick auf den wett geöffneten Schrank fiel, begann er von neuem zu jammern und zu klagen. Endlich sagte Rahel: „Aber, lieber Vater, vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wie Du meinst; hast Du denn schon nachgesehen, was der Dieb erbeutet hat?" „Nein, nein, ich kann nicht; ich bin ein ruinirter Mann, ein armer Mann!" jammerte Benjamin. „Aber Väterchen", eutgegnete sie, „laß uns doch erst Nachsehen, wie hoch sich der Schaden beläuft." „Sieh nach, mein Kind, sieh nach; ich habe nichts dagegen. Aber sage mir alles, was fehlt, was der Ditb, Gott strafe ihn, m-tgenommen hat." \ „Ich weiß ja doch nicht", entgegnete Rahel, „was in dem Schrank war." „So gib mir die Sachen heraus, daß ich selbst nachsehe." Rahel reichte nun die in musterhafter Ordnung im Schranke liegenden Kästchen und Papierpackete hin. Mit zitternden Händen empfing er sie und revidirte ihren Inhalt. Sein Antlitz hellte sich immer mehr auf; der Dieb war sicher gestört worden, denn all die schönen Staatspapiere, die Brieftasche mit dem Papiergeld, das Säckchen mit dem Gold, die Rollen Silbergeld — alles kam nacheinander zum Vorschein, so daß Rahel sagte: „Ich glaube Vater, der Dieb hat schlechte Beute gemacht; Du hast ihn verscheucht, ehe er sein ruchloses Werk begonnen." „Nein, nein", entgegnete Benjamin; „ich habe gesehen, wie er ein Packet Papiere in seiner Tasche verschwinden ließ." „Es werden alte Rechnungen gewesen sein", erwiederte sie; „mag er glücklich damit werden." „Wollen sehen, wollen sehen", brummte Benjamin, indem er den Inhalt des Schrankes weiter reviderte. Plötzlich stieß er einen heiseren Schrei aus und rief: „Siehst Du, ich bin ein geschlagener, ein armer Mann. All meine Papiere hat er gestohlen, meine Schuldscheine, meine Wechsel, wofür ich so vieles Geld gegeben habe. Werden die Bauern ihre Schulden bezahlen, wenn ich sie nicht dazu mit ihren Scheinen zwingen kann? Es wird Prozesse geben und ich werd' einen Eid nach dem andern schwören müssen, wenn ich mein Vermögen nicht verlieren will. Ich, der ich noch nie einen Schwur vor dem Richter gethan habe. —" (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestenzwei Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhandel besiehe« bei E. /. 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Inhalt der ersten Beilage: Leitende Artikel: Der Synagogenbau in Rom. — Aus der antisemitischen Arena. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Wreschen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Main;. Hierzu drei Beilage».