Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1893)
- Date
- 1893-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jtpt XXXIV, Jahrgang. Jfc 37. Der Israelit. Ein Gentrak-Grgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von l)r. Lehman» in Mainz. Montag, den 8. Mai 5653 (1893). Leitender Artikel. Sprüche der Hüter. Viertes Buch. LXV. Mainz, 7. Mai. Wenn unsere Mischna fortfahrend, die Ehre gegen den Genossen so bedeutsam erachtet, als die Ehrfurcht von dem Lehrer -pn mios -psn in3i,fo muß zunächst daran erinnert werden, daß hier der Lehrgenoffe verstanden ist, und nicht die Ehre, die wir jedem Menschen an und für sich schulden, insofern ja alle Brüder und Genossen sind. Dieser allen Menschen schuldige Ehre ist bereits in der ersten Mischna des IV. Perek mit den Worten nrnnn pn noson gedacht. Ist jedoch unser Leben und das unserer Umgebung von Thora und Mizwa getragen, so kann der Verkehr mit gleichgesinnten Genoffen nicht verfehlen, sie zu dem Rang von Lehrern zu erheben. Denn so lehrt ein Spruch der Väter im VI. der uns zur Erklärung vorliegenden Abschnitte: „Wer von seinem Genossen, einen Perek, eine Gesetzesbestimmung, einen Vers, ein Wort und selbst nnr einen einzigen Buchstaben lernt, muß ihm Ehre erweisen. So finden wir es bei David, der von Achitophel nur zwei Dinge gelernt hatte und ihn Lehrer, Erzieher und seinen Vertrauten nannte. min um yw Ehre ist nur bei der Thora zu finden. — Was die Anderen zu erweisende Ehre sonst beeinträchtigt und erschwert ist eben der Unterschied in der gesellschaftlichen Stellung. Der Reiche und Hohe sieht geringschätzig auf den Arm»« und Niederen herab und diese blicken neidisch und scheelsüchtig zu jenen empor. Sie ringen und kämpfen alle um die materiellen Güter des Lebens, die jeder in seinen Kreis ziehen und den andern nicht überlassen möchte. Aus den Brüdern und Genossen werden Concurrenten und Rivalen, und die gegenseitige Rücksicht Achtung und Ehre sind die ersten Opfer dieses Kampfes. In dem Kampf der Geister bleiben dagegen die Kämpfer auch im erregtesten Geistestournier verbrüderte Genossen. Die Wahrheit, für die sie kämpfen, gehört allen gemeinsam. Wer sie findet, hat sie für alle in gleicher Weise gefunden. Sie verliert nichts durch den Umstand, daß sich viele in sie theilen; sie gewinnt dadurch. Durch die Prüfung der Lehrgenossen wird das reine Gold geläutert und alles ausgeschieden, was Subjektivität und Voreingenommenheit für die eigenen Geisteskinder etwa mit einfließen ließ. Sie sind deßhalb aufeinander angewiesen und haben daher alle Ursache sich gegenseitig mit Achtung und Ehre zu begegnen. n-nzin3 nnrn „Achtet auf das Band, das gleichgesinnte Thorabeflrssene verbrüdert", lautet deßhalb die Mahnung, welche die Weisen des heiligen Landes an ihre Genossen in Babylon richteten. (Talmud Nedarim fol. 81 a.) Es gibt kein zweites Band auf Erden, das sich an Innigkeit mit demjenigen messen könnte, welches Lehrer undLSchüler und die gleichstrebenden Genossen mit einander verbindet. irrim ’sa Njnn oi -idn noh o-> idn p)s nun ns mno ins m no -p idv "irr bma .'*oi roVrü n* ns m pno D'DDn 'TD^n w „Rabbi Chama lehrte im Namen Rabbi Ehanina'S: Was ist der Sinn der Worte: „Eisen mit Eisen zusammen, und ein Mann vereint mit dem Antlitz seines Freundes." (Sprüche Sal. Eap. 27, 17.)? Wie ein Eisen das andere schärft, so schärfen sich gegenseitig zwei Thoraaelehrte in der Gesetzeskunde. — Rabba bar bar Ghana lehrte: Weßhalb werden die Worte der Thora mit dem Feuer verglichen, wie es gesagt ist: „Ist nicht mein Wort so wie Feuer ist der Spruch Gottes?" (Jeremias C. 23, V. 29.) Um dich zu lehren, wie ein Feuer nicht (an einem einzigen Stück Holz) allein brennt, so haben auch die Worte der Thora keinen Bestand,