Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 36 (4.5.1893)
- Date
- 1893-05-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Imeite Beilage l» M 36 des „Israelit". Leitender Artikel. Per König in der Zeitigen Schrift. (Schluß.) Im Alterthume bildete der Honig einen so wichtigen Nahrungszweig für die Menschen, daß seiner in allen religiösen Sagen der alten Völker rühmend erwähnt wird. Er galt ihnen als die reinste Himmelsspeise und wurde vielfach Honig geopfert. Nur bet den Hebräern durfte Honig nicht geopfert werden, das heißt, nicht auf den Altar kommen, um verbrannt zu werden, denn in Bevit^ cus (3. Buch Moses) 2, 1 l heißt es: „Alle Speisopfer, die man dem Herrn darbringt, sollen ohne Sauerteig gemacht sein und kein Sauerteig noch Honig soll verbrannt werden zum Opfer für den Herrn, nnr die Erstlinge sollet ihr als Gaben davon darbringen, aber auf den Altar sollen sie nicht gelegt werden zum lieblichen Gerüche." Daß der Honig schon in den ältesten Zeiten allgemein als Heilmittel verwendet wurde, geht schon aus den alten Handschriften des Alten Testamentes hervor. In diesen kommen mitunter bei den einzelnen Versen Zusätze vor, welche in der sogenannten Vulgata, d. i. in der gegenwärtigen offiziellen Ausgabe der Bibel nicht ausgenommen wurden, weil sie im hebräischen Urtexte auch nicht enthalten sind. So ist in der sogenannten Septuaginta, d. i. in der circa 300 Jahre vor der Geburt des Stifters der christl. Religion in griechischer Sprache geschriebenen Bibel, im VI. Kapitel der Sprüche Salomon's nach dem 8. Verse ein Zusatz, der in der Vulgata ttidft enthalten ist und welcher gerade für die Verwendung des Honigs als Heilmittel beredtes Zeugniß gibt. Das ganze VI. Kapitel der Sprüche Salomo's enthält eine Warnung vor Bürgschaft, vor Müßiggang und anderen Lastern. Im 1. bis 5. Vers wird vor Bürgschaft, im 6. bis 11. Vers vor Müßiggang gewarnt. Die Verse 6 bis 11 lauten in der Vulgata zu deutsch: 6. Vers: „Gehe hin zur Ameise, du Fauler, und betrachte ihre Wege, und lerne Weisheit." 7. Vers: „Sie hat keinen Führer, noch Lehrmeister noch Herrn," 8. Vers: „Und doch bereitet sie im Sommer ihre Speise und sammelt in der Ernte ihren Vorrath." 9. Vers: „Wie lange, Fauler, willst du schlafend wann wirst du aufstehen von deinem Schlafe?" 10. Vers: „Du wirst noch ein wenig schlummern, noch ein wenig die Hände Zusammenlegen, um zu schlafen:" 11. Vers: „Und die Armuth wird zu dir kommen wie ein Reisiger und der Mangel wie ein bewaffneter Mann. Bist du aber nicht träge, so wird deine Ernte wie ein Brunnen sein und die Armuth wird weit von dir fliehen." In der griechischen Bibel kommt nach dem 8. Vers folgender Zusatz: „Gehe hin zur Biene und betrachte, wie emsig sie ist und welch achtenswerthe Arbeit sie vollführt. Ihre Erzeugnisse wenden Könige und Gemeine zur Heilung an. Sie ist von allen innig geliebt und hochgeschätzt und obgleich schwach an Kraft, wird sie hoch erhoben, weil sie die Weisheit ehrt." Nach diesem Zusatze folgt erst der 9., 10., 11. und die übrigen Verse. In der Stiftsbibliothek zu Admont ist auch ein Werk in drei Folianten vorfindtg unter dem Titel: Bidlioriurn Saerorurn latinae versionis antiquae. Opera et Studio D. Petri Sabatier, O. 8. B. e congregatione Sti Mauri. Remis, apud Roginaldum Florentain. MDCCXLIII. 1743. In diesem Werke wird der Text der neueren Vulgata mit dem Texte der alten lateinischen und mit dem griechischen Texte verglichen. In dieser Ausgabe kommt im zweiten Bande, 306. Seite, obiger Zusatz ebenfalls vor: nur ist der Schlußsatz etwas verändert. In diesem Werke lautet nämlich der erwähnte Zusatz nach dem 8. Vers in wörtlicher deutscher Uebersetzung wie folgt: „Gehe hin zur Biene und betrachte, wie emsig sie ist, welch achtenswerthe Arbeit sie vollführt und deren Erzeugnisse Könige und Gemeine zur Heilung verwenden. Sie ist von allen innig geliebt und hochgeschätzt. Obgleich schwach an Kraft, verlängert sie durch die Verkündigung der Weisheit ihres Wesens das Leben." Dann folgen wieder der 9., 10., 11 und die übrigen Verse. Wenn nun auch dieser Zusatz weder in der neueren offiziellen "Vulgata, noch im Hebräischen vorkommt, so ist derselbe doch mindestens ein sicherer Beweis, daß zur Zeit, als der griechische Text geschrieben wurde, also circa dreihundert Jahre vor d. g. Zeitr. schon, der Ausspruch der Bibel in den Sprüchen Salomon's, 16. Kap., 24. Vers „Heilung den Gebeinen" im Wortsinne verstanden und der