Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 32 (20.4.1893)
- Date
- 1893-04-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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615 die älteste Lehrerin dieser Schule. Vor 5 Jahren feierte das Philanthropie ihren 90. Geburtstag und mit ungewöhnlicher Frische vermochte noch die Jubilarin die ihr dargebrachten Wünsche in gehaltvoller, mit ernsten und heiteren Schulerinnerungen durchflochtene Rede zu erwiedern. Offenbach. In den jüngsten Tagen fand dahier eine große Arbeiterversammlung statt. Der Reichstagsabgeordnete Ulrich hatte sich als Thema: „Liebermann und das Judenthum" gewählt. Er geißelte scharf das Vorgehen der Antisemiten bei der letzten Versammlung und widerlegte Punkt für Punkt alle von L. vorgebrachten Beschuldigungen gegen die Juden. Eine am Schluß der Versammlung gefaßte Resolution lautete: die Arbeiter mißbilligen das Treiben der Antisemiten, für sie besteht kein Rassenkampf und Rassenhaß. Die Rede fand allgemeinen Beifall. Mayen, 4. April. Am l. April waren 25 Jahren verflossen, seit der Lehrer und Prediger der hies. Synagogengemeinde, Herr E. Nathan, sein Amt angetreten. Von diesen 25 Jahren hat derselbe die letzten 13 Jahre hier in unserer Gemeinde segensreich gewirkt. — Am 1. Tag nDD, nach Beendigung des Gottesdienstes, erschien deshalb der gesammte Vorstand in Begleitung der Herren Repräsentanten der Gemeinde in der Wohnung ihres Lehrers, um demselben ihre Glückwünsche zu seinem Jubiläum darzubringen. Dabei überreichte ihm der Vorstand einen mit entsp. Widmung versehenen, prachtvollen, silbernen Pokal als Ehrengabe der Gemeinde. Es ist ein ehrendes Zeugniß für das Wirkendes Herrn N-, aber auch für die Gemeinde, die in solcher Weise die hingebende Arbeit ihres Lehrers zu würdigen weiß. Berlin, 13. April. Herr Stöcker hatte nach einem Berichte des ..Reichsboten" in einer Sitzung der christlichsozialen Partei in Bezug auf den Fürsten Bismarck geäußert, dieser habe „sich mit allen Parteien gerieben,,, aber Eins habe er, Herr Stöcker, nie von dem Fürsten gehört: ein Wort gegen die Judenpresse, gegen die Uebermacht des Judenthums. Mit Bezug darauf bringen die „Hamb. Nachr." einen Artikel, der ausführt, daß Fürst Bismarck, so lange er im Amte war, sich jedenfalls auch nicht gegen Herrn Stöcker geäußert habe; der Artikel fährt fort: „Im Gegentheil, als bei dem Regierungsantritte Kaiser Friedrichs eine Stöckerhetze in Scene gesetzt werden sollte, ist der damalige Ministerpräsident in den sehr zahlreichen Charlottenburger Konseils der Einzige gewesen, der mit Rücksicht auf die Tapferkeit, die Herr Stöcker im Kampfe gegen die Demokratie bewiesen hatte, ein milderes Verfahren gegen ihn als das beabsichtigte beim Kaiser Friedrich zur Annahme brachte." Kaiserslautern, 4. April. Die Volksstimme in Ludwigshafen schreibt: Wie man hört, beabsichtigt der hiesige Antisemitenhäupiling August Gotthold, seinen gegenwärtigen Herrn und Meister Ählwardt, nach hier kommen zu lasten, damit der Antisemitenpöbel das Evangelium des Racenhastes rein und unverfälscht einmal gepredigt erhalte. Sollte die Sache zur Ausführung gelangen, dann würden wir uns in unserer Raritätenkammer 'mal ein bischen umsehen nach gewissen „pikanten" Geschichtchen verschiedener hiesiger Antisemiten, um diesen Herren zu ihrem Judenbraten die entsprechende „Sauce" liefern zu können. _ Floß in Baiern. Die seltene Feier des 50jährigen Amtsjubiläums verbunden mit der goldenen Hochzeit, welche der hiesige Rabbiner Wittelshöfer beging, gestaltete sich zu einer hochehrenden Ovation für den Jubilar, an welcher sich die ganze Cultusgemeinde mit dem Vorstande, die katholische Ortsgeistlichkeit und die Nachbargemeinden, die königl. Behörden und die Ortshonoratioren lebhaft betheiligten. Der Verlauf der Feier gab ein erhebendes Bild der Eintracht, in welcher die beiden Consessionen hier leben und verkehren, im Gegensätze zu der beschämenden Raffenhetze im Reiche. Lemberg. Am 22. v. M. verschied hier im Alter von 72 Jahren der wegen seines hervorragenden Wohlthätigkeitssinnes stadtbekannte Moschel Bombach s. A. — Bei streng orthodoxer Lebensweise und materieller Unabhängigkeit konnte der Heimgegangene seine ganze Zeit dem Dienste der öffentlichen Wohlthätigkeit zuweisen. So leitete derselbe u. A. die hiesige Talmud-Thora Schule, besorgte die Bespeisung der Armen während des Pestachfestes in der Volksküche; die Einsammlung und Beschaffung der Geldmittel für Holz und Mehl für verschämte Arme beschäftigte ihn stets und in zahlreichen Anstalten wirkte er durch Beiträge und Arbeitsleistung mit. — Der Verstorbene hinterließ keine Nachkommenschaft, wohl aber den verdienten Ruf eines Wohlthäters, und vermachte zur Verewigung seines Andenkens verschiedenen wohlthätigen Zwecken den namhaften Betrag von 40,000. fl. _WL tt | c i fl c n. Für den folgenden Theit ist die Redaetion nicht verantwortlich B 8 Rumannstratze biumannstraffe Pensionat und höhere Töchterschule. Gründliche wissenschaftliche und häusliche Ausbildung. Beste Referenzen. Prospekte durch die Vorsteherin (6733 Fräulein Jenny Lehmann. 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