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Der Israelit · 1893-04-20 · Heft 32 (20.4.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 32 (20.4.1893)
Date
1893-04-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Zweite Beilage w M 32 des „IsraeM". Literarische Berichte. Dr. Jon. Lehmann. „Der Günstling des Czaren", eine Erzählung aus Rußland. Jo h. Wirt h'scheH ofbuchd rucke rei A.-G-, Mainz. Die bereits in diesen Blättern veröffentlichte Erzählung ist nunmehr in Buchform erschienen. Von dem Verlage in Prachtband hochelegant ausgestattet und mir einem kunstvollen Titelbilde versehen. wird dieses Werk eine Zierde jeder Bibliothek bilden. Es genügt hier, den Inhalt dieser fesselnden Erzählung für* in's Gedächtniß zu rufen. Iwan Alexandrowitsch Oststone, der Günstling des Czaren Alexanders des Dritten, ist geistig ebenso sehr begabt, als sein Charakter mit den schlimmsten Zügen ausgestattet ist, die überdies durch unglückliche Erziehung und eigenartigen Schicksalsgang die schärfste Ausprägung erhalten haben. Die moral insanity seiner Natur artet im Verlauf der Ereignisse in Wahnsinn aus. Die Erzählung setzt da ein, wo ihn eine übermächtige Liebe zu Rosa, der schönen Pflegetochter des Juden Alexei Chaimowttsch, ersaßt. Um Afka, den Sohn Alexei's, der Rosas Herz gewonnen hat, zu verderben und in den Besitz Rosa's zu gelangen, greift er zu allen Mitteln, die seinem mächtigen Einfluß zu Gebote stehen. Einmal soll eine blutige Judenverfolgung, ein andermal eine Dynamitverschwörnng im Palaste des Czaren seinen Zwecken dienen. Einen wohlthuenden Gegensatz zu ihm bilden die Gestalten des hochgebildeten und vorurtheilsfreien Fürsten Gutesow und des hart verfolgten Afka, der mit der bewunderungswürdigen Hoheit eines gottergebenen Gemüthes und eines aufgeklärten Geistes all das bittere Unglück heldenmüthig trägt. Iwan geht an seiner Natur, seinen Ränken und seiner Liebe zu Grunde. Alcxei Chaimowttsch, Afka und Rosa dürfen nach überstandenen Gefahren sich des wiedergefundenen Glückes freuen. Das Buch gewährt tiefen Einblick, sowohl in die gesellschaftlichen Zustände des heutigen Rußlands als auch in das Getriebe dieser verrotteten Staatsmaschine, wo der mächtige Wille Einzelner, und entspränge er den unlautersten Motiven, Alles vermag, wo brutalen Gelüsten gegenüber tausend Menschenleben nichts sind, wo Moral und Recht so elend verkommen und versunken sind, daß die Macht und der Rubel alle Herrschergewalt an sich gerissen haben. Doch auch hier, — und darin klingt dies hochinteressante, an spannenden Scenen so reiche Buch wohlthuend aus —, waltet die göttliche Gerechtigkeit, die das Schlechte vergehen und das Gute endlich siegen läßt. Wer dieses Buch einmal begonnen, wird nur schwer vermögen, sich davon loszureißen und Niemand wird es ohne hohen Genuß aus der Hand legen. Dr. R—y. „Die Staatskirchenrechtliche Stellung der Israeliten in Bayern". Bon Dr. jur. Josef Heimberger, Privatdozent au der Universität Würz bürg. Ladenpreis 4 M. — Akademische Verlagsbuchhandlung o. I. C. B. Mohr, (Paul Siebeck) Freiburg i. Br. Wer schon mit Fragen des israelitischen Staatskirchenrechts in Bayern, sei es als Kultusbeamter, oder als Jurist befaßt war, hat es gewiß als einen schweren Mangel empfunden, daß fast jedes Material für die juristische Beurtheilung der in Betracht kommenden, häufig oft nichts weniger als einfach gelegenen Fragen fehlt. Es kommt dies daher, daß wohl auf keinem anderen Gebiete des öffentlichen Rechts die Quellen so spärlich fließen und so wenig systematisch geordnet sind. Eine Folge hievon war denn auch, daß von einer Stetigkeit der Rechtssprechung bis in die letzte Zeit herab nicht zu reden war, und daß selbst die im Uebrigen so segensreiche Wirksamkeit des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes gerade in diesen Fragen nicht recht zur Geltung kam. Diesem unglückseligen Zustande ist nunmehr abgeholfen durch die Habilitationsschrift des Privatdozenten Dr. Josef Heimberger, der in der gründlichsten Weise den schwierigen und spröden Stoff vollständig erschöpfend behandelt hat. Die Bedeutung der Arbeit liegt hauptsächlich darin, daß der Verfasser sich die Mühe nicht verdrießen ließ an Ort und Stelle eingehende Quellen- Studien zu machen. Er hat die Archive der kgl. Ministerien des Kultus und des Innern vollständig durchforscht und hiedurch ein reiches, bisher noch gar nicht benütztes Material beizubringen vermocht. Ist dies ein Vorzug des Werkes nach der wissenschaftlichen Seite, so ist dasselbe auch für den Praktiker deßhalb besonders werthvoll, weil hier endlich einmal eine wissenschaftliche Grundlage für die Beantwortung von Fragen geschaffen ist, die oft genug aufgetaucht sind, denen man aber seither fast rathlos gegenüberftand. Für die israelitischen Kultusgemeinden undKultusbeamten insbesondere ist aber das Werk deßhalb von außerordentlicher Wichtig-

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