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Der Israelit · 1893-04-17 · Heft 31 (17.4.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 31 (17.4.1893)
Date
1893-04-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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592 „Ich will jede Woche oder jeden Monat Dir Nachricht —" „Nein; eine solche Korrespondenz könnte unpassend gefunden werden und ich möchte meinem Vater keine Ursache zum Tadel geben. Lassen wir es bei dem, was ich gesagt habe." Drei Tage noch hatte Rahel alsdann bei ihrem Onkel verbracht. Obschon die Verlobten ihre Liebe geheim halten mußten, waren es drei Tage der Freude für sie. Ein liebevoller Blick, ein verstohlener Händedruck hatte ihnen genügt und als Rahel endlich abreiste, tröstete sie sich und ihren Verlobten mit dem Gedanken an eine glückliche Zukunft. Der Sturm tobte in unveränderter Heftigkeit. Heulend hob er lose Ziegel von den Dächern und schleuderte dieselben mit seiner elementaren Wucht auf die Straße, daß sie in tausend Stücke zerschellten. An manchen Häusern riß er die Fenster auf und zerschmetterte die Scheiben, an anderen wieder riß er die Schornsteine um und warf deren Trümmer mit Donnergepolter auf die Straße. Jetzt riß er wieder ein Fenster an Rahels Zimmer auf und klatschend fiel der Regen auf den Boden desselben. Rahel schrack zusammen; sie sprang auf, eilte an das Fenster und schloß es wieder. Da hörte sie Schritte vor der Thüre, ein leises Pochen und die Stimme ihres Vaters: „Wachst Du, mein Kind; stehe auf, es ist ein furchtbares Wetter!" „Ich bin schon lange wach," antwortete Rahel, indem sie dem Vater die Thür ihres Zimmers öffnete, „ich hatte Licht gemacht, aber das hat mir der Wind verlöscht." „So zünde von Neuem Licht an", befahl Benjamin; „die Nacht ist grausig genug." Rahel erfüllte den Wunsch ihres Vaters. Beim Scheine der Lampe blickte sie in das bleiche Gesicht des alten Mannes und sie erschrack über den Ausdruck der Sorge, der sich auf dem Antlitz ihres Vaters ausprägte. „Was ist Dir, mein Väterchen," sprach sie zärtlich, „daß Du so besorgt drein schaust? Unser Haus ist fest gebaut und Ställe und Scheunen sind wohl gefüget, daß Du deßhalb nicht zu sorgen brauchst. Und über Allem waltet Gott, unser Schutz und Schirm, besten Händen wir überliefert find und auf den ich vertraue, wie Du mich gelehrt." „Gott segne Dich, meine Tochter, für dieses Vertrauen", rief Benjamin aus, ihr die Stirn küssend. „Du hast den scharfen Blick Deiner Mutter, die jede Regung meiner Seele mir sofort ansah und vom Angesichte ablas. Ja, ich bin in Sorge, in grober Sorge, mein Kind." „Theile mir Deine Sorge mit, mein Vater, vielleicht kann ich Dir rathen; und selbst wenn ich! dazu nicht im Stande bin, ist getheiltes Leid halbes Leid, getheilte Sorge halbe Sorge." (Fortsetzung folgt.) > Vermischtes. Mainz. Der in Frankfurt a. M. verstorbene Rentner Leopold Goldschmidt, von dem bereits eine größere Stiftung für rheinhessische Lehrer herrührt, hat der hiesigen Stadt M. 3000 für Wohlthätigkeitszwecke vermacht. „Collektion Cronbach". Skizzen und Erzählungen aus dem jüdischen Kultur- und Familienleben. In Oktav-Bänden ä Mark 1.50. Der Antisemitismus, geschürt von dem rohesten Gesindel, unterstützt oder mindestens gern gesehen von dem gebildet sein wollenden Pöbel jeden Standes, nicht zum Wenigsten auch von unfleißigen Neidern, hat den Höhepunkt nunmehr wohl überschritten. Durch Flugblätter für und gegen wird von den Angreifern und Angegriffenen gekämpft mit gleichzeitig zweifelhaften Erfolgen. Die „Collektion Cronbach" will auch den Antisemitismus bekämpfen, dadurch, daß sie in wahren, gemüthvollen Bildern dem Leser das wirkliche Thun und Treiben der Juden vor Augen führt. Durch Verbreitung dieser Lektüre wird die Verhetzung der Juden weit schneller aufhören, als durch Streitschriften und Belehrungen, vergeudet an Gegner, die nicht belehrt sein wollen. * * * „Collection Cronbach". Bd. 1. Aus dem Notizbuch des Onkel Jonas von Stegmund Cronbach. „Onkel Jonas" mit seinem köstlichen Humor ist dem deutschen Lesepublikum und besonders dem jüdischen Theile desselben ein guter alter Bekannter und bedarf daher weder des Lobes noch der?^Empfehlung. An ihren Auflagen sollt Ihr sie erkennen. „Onkel Jonas", der — wie wir im Interesse der Wissenschaft hier anmerken wollen, kein sogenannter Onkel war, sondern ein leibhaftiger Onkel, der das Mißgeschick hatte, alle Töchter des Landes unter die Haube zu bringen, während ihm die eigenen Töchter sitzen blieben, erscheint in elfter Auflage und wird sicherlich bald das Dutzend der Auflagen voll machen. Wochen - Kalender. Freitag, 21. April, 5. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr — Min. (M. E. Z.) Samstag, 22. April, 6. Jjar. '3 pD 3"n3D ,jnyoi jinin Sabbat-Ausgang in Mainz 8 Uhr 15 Min. (Ll. E, Z.)

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