Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1893)
- Date
- 1893-04-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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567 zu werden; sie lautet: „Obwohl das Princip der Nichtintervention in die Regierung und in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten von allen Nationen anerkannt und geübt wird, insbesondere von der nordamerikanischen Union, so kann man doch im Hinblicke auf uns die Art nicht als Act des Wohlwollens ansehen, wie so viele Individuen der Existenzmittel beraubt und gezwungen werden, verarmt und entmuthigt in unser Land zu kommen. Ein Protest gegen die Fortsetzung derartiger Maßregeln kann nicht als eine Verletzung jenes Princips betrachtet werden, wenn man erwägt, welchen Einfluß sie auf unsere eigenen Angelegenheiten üben können, auch wenn dabei die Frage der Humanität gar nicht in Betracht gezogen wird. Wenn Leute in unser Land gedrängt werden, welche in einer solchen Situation sich befinden, daß wir uns selbst schützen müssen, so stößt man uns in einen Conflict mit dem Geiste unserer Institutionen und unseren menschlichen Empfindungen. Eine solche Politik erfordert einen formellen Protest, so formell, daß er gehört und verstanden werden muß." Diese energische Forderung eines Protestes, welche sich auf die genaueste und sorgsamste, jeder Sentimentalität entkleidete Kenntnißnahme der fürchterlichen Vorgänge in Rußland stützt, sollte auch diesseits des atlantischen Oceans nicht ungehört verhallen, denn der Strom der Unglücklichen, welche aus Rußland ausgetrieben werden, wälzt sich, bevor er nach Amerika ausmündet, über Europa, und auch dieses hat allen Anlaß, abgesehen von der Humanität, welche sich gegen den Einbruch der Barbarei in die Civilisation unseres Jahrhunderts sträubt, ein lautes Wort zu reden, welches in Petersburg gehört und verstanden wird. (Neue fr. Presse.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin, 11. April. Im antisemitischen Lager geht zur Zeit Alles darunter und drüber, nnd für den anßenstehenden Beobachter ist es meistens kaum möglich, zn erkennen, aus welchen besonderen Gründen — abgesehen von dem allgemeinen Geschäftsneide — dieser Ehrenmann über jenen Ehrenmann herfällt und ihn nach Kräften abthut. Wir beschränken uns auf eine kurze Registratur. Der antisemitische Lolksverein in Berlin, der im Januar gegen Böckel eine geharnischte Resolutton vom Stapel gelassen hat, hat sich wieder unter seine Fahne gestellt und sich von Ahlwardt feierlich losgesagt. In Witten hat Dr. König über „Ahlwardt's Ende" geredet, in der Kreuzztg. ruft Frhr. von Hammerstein die Konservativen zum Kamps gegen Böckel auf, nnd Pastor Engel vom Reichsboten stellt den wackeren Paulus Mener cikjüdischen Schnorrer an den Pranger, weil er im Bunde mit Paasch's Freund Wesendonck eine Schrift gegen die Indenmissionen losgelassen hat: Herr Schwennhögen, einer der hoffnungsvollsten Streiter gegen Juda, hat sich vom Antisemitismus gänzlich losgesagt. Welche Partei das Glück haben wird, ihn zu den Ihren zu zählen, ist noch ungewiß. vermischtes. In Erkürt soll ein neues Antisemitenblatt gegründet werden. Ein zu diesem Zwecke gebildetes Comite fordert in der Staatsbürgerzeitung alle Kämpfer für „Deutschthum" (Drumont), „Thron" (Stöcker, der gegen den Kaiser hetzt) und „Altar" (Alimentenprozesse) um Unterstützung auf. Briefkasten der Redaetion. Herrn I. F. in Frankfurt a. M. Herzlichen Dank für Ihr freundliches Schreiben. B. in M. Ihre anerkennende Worte über den Inhalt des „Israelit" haben uns hocherfreut, sie sollen uns ein Sporn sein, auf dem uns vorgezeichneten Wege mit aller Kraft vorwärts zu streben. Herrn R. in I. Die gegenwärtig im „Jsraetit" veröffentlichten Erklärungen der „Sprüche der Väter" stammen nicht aus der Feder unseres geschätzten Freundes L. Ph. Prins. M. in W. Ein wenig Geduld, der Artikel gelangt in aller Kürze zum Abdruck. Herrn Rabb. B. in W. Den gesandten Zettungsausschnitt mit Dank empfangen. Wir haben von anderen Seiten ungefähr zwei Dutzend Ausschnitte aus allen möglichen Zeitungen init ähnlichem Inhalt empfangen, hielten es aber in Anbetracht der phänomenalen Bedeutungslosigkeit des betreffenden Blättchens nicht für angebrackrt, ein Wort über die Sache zu verlieren. Traurig bleibt es allerdings, daß unter der Thorheit eines Einzelnen das Gesammtjudenthum zu leiden hat. W S « 5 e i fl c n. -W> tMr- Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. 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