Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1893)
- Date
- 1893-04-10
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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556 »-i? MW Wechsel, denn noch keiner hat sich rühmen können, auf den seitherigen Besitzern der Mühle je einen acceptirten Wechsel in Händen gehabt zu haben; aber freilich, einmal muß auch damit der Anfang gemacht werden." „Das ist meine Sache", entgegnete der Müller kurz. „Wollt Ihr mir Aufklärung geben oder nicht?" „Uebermorgen, Herr Bastian; bis dahin müßt Ihr Eure Ungeduld bezwingen." Der Müller biß sich auf die Lippe. „Aha", dachte er, „der Jude fängt schon an zu chicaniren; wenn ich nur erst wüßte, woran ich bin", und seinen äufsteigenden Groll bezwingend, sagte er: „So sagt mir wenigstens, wie hoch der Betrag ist, den ich übermorgen zahlen soll." Bei dieser Frage sah Benjamin den Müller erstaunt an. „Ihr scherzet wohl", sagte er lächelnd; „als ob Ihr selbst nicht am besten wüßtet, welchen Betrag Ihr am fünfzehnten zu zahlen habt." „Bei meiner Ehre, ich weiß es nicht," betheuerte der Müller, „ich habe keine Ahnung davon." „Das ist schlimm, sehr schlimm", erwiederte Benjamin nachdenklich. „Ich hätte ja nicht nöthig, Euch auf Euere Frage Antwort zu geben," fuhr er fort, „aber um mir Laufereien zu ersparen, will ich Euch den Betrag nennen. Ihr könnt dann um so eher für das Geld besorgt sein, wenn Ihr es nicht baar liegen haben solltet." Er erhob sich und ging, um nachzusehen, in die neben dem Zimmer liegende Kammer. Der Müller saß wie auf glühenden Kohlen. War das der bescheidene, stets dienstfertige Jude? Durfte er, wenn er nicht zahlen konnte, von ihm Schonung erwarten? Aber, wohin verirrte er sich! Ein teutscher Bauer bedarf nicht der Schonung von Seiten eines Juden; er wird seinen Verbindlichkeiten Nachkommen und sollte er in Verlegenheit kommen, seine Gesinnungsgenossen und Freunde, die „teutschen Bauern" werden ihm schon helfen. Da kehrte der Jude zurück; seine Lippen umspielte ein Lächeln; er setzte sich auf seinen Platz, spielte mit einem Bleistift. „Nun, wie hoch ist die Summe?" fragte der Müller kurz. „O, es ist kein zu hoher Betrag," antwortete Benjamin, indem er seine Augen durchdringend auf ihn richtete, „es sind nur siebentausend und zweihundert Mark oder zweitausend und vierhundert Thaler!" Er sah das tätliche Erbleichen des Müllers, der mit offenem Munde dasaß und kein Wort Hervorbringen konnte. Der Müller hatte sich endlich von seinem Schreck erholt. Er erhob sich und als er in das freundlich lächelnde Antlitz des Juden blickte, sprach er: „Ich danke Ihnen, Herr Caro! Ich werde dafür sorgen, daß der Betrag zur Zeit bereit liegt." „Schön, Herr Bastian," erwiederte Benjamin, „wird auch nichts anderes übrig bleiben." Der Müller hatte sich entfernt und Benjamin drückte sich in die Ecke des Sophas, um zu schlafen. Seine klugen, grauen Augen schlossen sich jedoch nicht. Er kannte ja die Verhältnisse in der Mühle und wußte, daß der Müller ohne fremde Hilfe jetzt nicht zahlen konnte. Mochte er sehen, bei wem er Hilfe fände — der Antisemit. (Fortsetzung folgt.) Ä « j e t ö e u. bi 2 ir R m a ft b. E a ch le ai Für den folgenden Theil ist die Rednetion nicht verantwortlich. Bockrnkeim Frankfurt a. M. Sanatorium für iSraelit. Nervenleidende — Wasserheilanstalt. — Electrotherapie. — In der Nähe eines hübschen WaldeS. — Am Fuße des Taunus. — Arzt im Hause. — Bei comfortabler Einrichtung mäßige Pensionspreise. Näheres enthalten die Prospekte. (4268 Dr. med. E. Rofenbaum in Frankfurt a. M. Israelitisches Töchter-Peusiouat, Frankfurt a. M. In meinem Institut (höhere Töchterschule und Pensionat) beginnt das neue Semester Montag, 10. April. Zur Uebersendung von Prospekten und Ertheilung näherer Auskunft ist jederzeit bereit l>r. H. Heinenann. Das Deutsch-Israel. Reichswaisenhaus z« Diez a. d. Lahn bittet wohlthätige Glaubensgenossen um Zuwendung von Jahresbeiträgen, Spenden «. Stiftungen._(835 Schutzmappen für den „ISraelit" in hocheleganter Ausführung mit Goldpressung liefert per Stück Mk. 1.50 Pfg. die Exped. dsS. Bl. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. e? ft R B L dt di C T sii b, w se S