Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 27-28 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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TrchödöxeMüdenthunrÄ ■OM OSESvO. Zweite 31. M/irz 1893.J Mr 3. m WBBSSiEEEiBtö. Ein jüdiMzer Mnjnv in der preußischen Armee. (Zu unserem Bilde.) S. Mancher der geehrten Leser wird beim Anblick dieser Ueberschrift ein verdutztes Gesicht machen und mich vielleicht im Verdacht haben, daß ich mir einen Purimscherz in folgenden Zeilen erlauben wollte, oder daß ich gar a la Bellamy unter die Zukunftsschriftsteller gegangen sei, um auch meine Weisheit ein Scherflein zum Aufbau des Zukunftsstaates beitragen zu lassen. Nichts von alledem, was ich bringen werde, ist geschichtliche Wahrheit, ich spreche nicht von der Zukunft, sondern von der Vergangenheit und will erzählen, daß einmal ein Jude, ein leibhaftiger Jude, der es bis an sein Lebensende geblieben ist, zum Major in der preußischen Armee gebracht hat. Es war dies der M a j o r Burg, dessen Bild die heutige Nummer unseres Blattes bringt. Es war ihm nicht leicht geworden, um die Majorsecke zu gelangen, wo der scharfe Wind weht, dessen Gewalt nur eine kleine auserlesene Schaar stand hält; ja, wenn Burg treulos durch Preisgebung seiner Religion die hohe Wurde sich hätte erkaufen wollen, dann wäre es dem talentvollen Manne, dem die höchsten Würdenträger des Militärstandes bis zu den Angehörigen des Königshauses Verehrung und Liebe entgegentrugen, ein Leichtes gewesen, schnell seine Karriere zu machen. Aber sein stolzer Mannesmuth und sein ehrenhafter Charakter veschmähten es, seine hohe Stellung durch die Aufopferung seiner Ueberzeugung sich zu erheucheln, so oft ihm auch Anerbieten in dieser Richtung gemacht wurden- Burg war in Berlin geboren und trat mit 18 Jahren als „Conducteur und Feldmesser" in den Staatsdienst ein. Vor der Ablegung seines zweiten Examens jedoch erschien am 9. Februar 1813 der Aufruf Friedrich Wilhelms III. ,.An Mein Volk", und da war Burg einer der ersten, die nach Breslau eilten und bereit waren ihr Blut auf dem Altäre des nach Freiheit ringenden Vaterlandes zu opfern. Schon war er eingekleidet, als der todesmuthige Jüngling wieder des Königs Rock ablegen mußte, weil bei Feststellung des Nationale sich ergab, daß Burg Jude sei; als solcher durfte er nicht nach Befehl v. Alvenslebens in der Garde, bei welcher er sich angemeldet hatte, dienen. Verstimmt wandelte er im bürgerlichen Rock in den Straßen Breslaus umher, als ihm der ihm von früher befreundete Lieutenant v. Ledebur begegnete,' der bei ihm Stunden in der Mathematik genommen hatte, und ihm den Rarh gab, bei der Artillerie, in der er eine seinem Wissen entsprechende Stellung finden konnte, einzutreten. Zu diesem Behufe meldete er sich bei dem General-Jnspector der Artillerie, dem Prinzen August, dem er aber, um späteren Unannehmlichkeiten zu entgehen, sogleich mittheilte, daß er jüdischer Religion sei. „Das thut nichts zur Sache", bemerkte der Prinz, „die Religion, zu welcher Sie sich bekennen, ist durchaus kein Hindernitz. Wenn Sie in die Armee eintreten wollen, um Antheil zu nehmen an dem nur allzu gerechten Kampf für König und Vaterland, so ist es natürlich ganz einerlei, ob Sie Jude oder Christ sind. Werden Sie gesund und brauchbar gefunden, so steht Ihrer Aufnahme in die Artillerie nichts, garnichts entgegen, sowie auch Ihr ferneres Fortkommen bei der Waffe durch Ihre Religion nicht beeinträchtigt werden soll". Das Korps, in welches Burg eintrat, kam nicht in's Feuer, so wurde ihm nicht der sehnlichste Wunsch, vor den Feind geführt zu werden, erfüllt. Allein in seiner Stellung zeichnete er sich so aus, daß der Prinz August sein steter Förderer und Gönner blieb, und als es sich später, als Burg bereits zum Lieutenant avancirt war, um die Beförderung eines anderen Juden D. zum Secondelieutenant handelte, rescribirte der Prinz im Gegensatz zu einem verneinenden Bescheide des Brigadier-Oberst, daß die Religion des D. kein Hinderniß zu seiner Beförderung sei, wie solches bei dem Lieutenant Burg, der auch Jude sei, nicht der Fall gewesen wäre, und der sich als Offizier so bewährt, daß er keinem seiner christlichen Kameraden nachstehe. Das Avancement wurde Burg selbst gar nicht leicht gemacht, überall trat dem pflichttreuen Militär Burg der Jude Burg in den Weg. Der Hauptmann v. Bardeleben, unter dem er in Spandau diente, war seinem Aufrücken zum Seconde-Lieutenant entgegen, obwohl er vom ganzen Offizierkorps zu dieser Ernennung vorgeschlagen worden war. Der Hauptmann meinte, daß solange er etwas zu sagen habe, kein Jude Offizier in der Artillerie werden solle; — und doch wurde er es, und zwar kein volles Jahr nach der Abweisung. Dann wurde er auf Veranlassung des Prinzen August an die neugegründete Artillerieu. Ingenieur-Schule nach Berlin berufen. Für den Zeichenunterricht schlug er hier eine neue Methode vor, die zuerst aus Widerspruch