Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-03-31 · Heft 27-28 (31.3.1893) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 27-28 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448342--36073-2484085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

518 „Er ist ein Lump," fuhr Benjamin auf, „ der, als er Geld hatte, nicht ans Zahlen dachte. Freilich hat er Pech gehabt in letzter Zeit; ich Hab' es gehört. Schade um die Frau; sie ist brav und fleißig und aus gutem Hause. Schreib ihm," fuhr er nach einigem Besinnen fort, „daß ich warten wolle, ihm aber jetzt Zinsen berechnen würde." „Der Schmied aus R. hat Elsen geholt; die Hälfte ist er schuldig geblieben." „Recht, hat er sonst noch etwas gesagt?" „Du sollst diese Woche noch zu ihm kommen, er hat einen Kunden für unseren Braunen." Benjamin zog ein Stück Papier aus der Tasche und machte sich eine Notiz. „Das ist alles, Väterchen," fuhr Rachel fort, „und wenn ich Dir noch einige Besucher nenne, die da waren, so weißt Du alle Neuigkeiten." Benjamin vernahm die Namen der Besucher, warf hie und da eine Bemerkung oder eine Frage hin, die Rachel zum Lachen veranlaßte und verzehrte dabei das vor ihm stehende belegte Brod. Rachel nahm den leeren Teller vom Tisch und holte, wie sie es jeden Tag zu thun pflegte, das Tagebuch herbei, um nach dem Diktate ihres Vaters die Geschästsvorfälle zu buchen. Mittlerweile war es spät geworden. Auch die Brüder waren nach Hause gekommen und hatten dem Vater Bericht von ihren Geschäftsgängen abgestattet und dessen Anweisungen für den folgenden Tag entgegengenommen. Sie hatten beide über die ganz enonnen Forschritte geklagt, die der Antisemitismus unter den Bauern mache, und die das Geschäft außerordentlich schwer machten. Ganz besonderen Schaden thue der „neue deutsche Bauernverein", in dessen Vorstand der Müller sitze und dem auf das Beispiel des Müllers hin viele beigetreten seien. „Laßt Sie nur wühlen," entgegnete Benjamin; „sie gleichen jenen Löwen, die sich selbst gegenseitig auffreffen. Der älteste Sohn wollte noch etwas erwiedern, doch da er den Vater so getrost sah, schwieg er. Der Tisch war mittlerweile gedeckt worden. Da am Mittag die Herren stets außerhalb des Hauses waren, wurde bei Benjamin des Abends die Hauptmahlzeit gehalten, an welcher das Gesinde und die Taglöhner theilnahmen. Dabei wurden die Arbeiten für den kommenden Tag besprochen und vertheilt. Benjamin hielt strenges Regiment und verlangte, daß die für den Tag festgesetzten Arbeiten auch vollständig ausgeführt wurden, und als nun einer der Taglöhner mittheilte, er sei mit einer Arbeit nicht fertig geworden, sondern müsse morgen noch einen viertel Tag dazu verwenden, sagte Benjamin: „Dann warst Du nicht fleißig, und ich kann Dir keine Arbeit mehr übertragen. Nachher erhälst Du Deinen verdienten Taglohn und morgen kannst Du Dir anderwärts Arbeit suchen." Vergebens bat der Taglöhner, ihn noch einmal zu behalten; er versprach am Sonntag die Arbeit umsonst fertig zu machen, vergeblich. Benjamin erwiederte ihm: „Am Sonntag soll für mich kein Nichtjude thätig sein und umsonst soll für mich niemand arbeiten, denn ich thue es auch nicht, und bei dem, was ich einmal gesagt habe, bleibt es." Der Tagelöhner beschied sich damit. Er war jedoch voller Zorn gegen den Juden; in ihm kochte die Wuth, und er nahm sich vor, dem „Wucherer" bei der ersten Gelegenheit seine Härte zu vergelten. _(Fortsetzung folgt.)_ Briefkasten der Redaktion. A. in F. Der hebräische Roman „Ahabath Zion" von Maku, ist unter dem Titel „Thamar" in freier deutscher Uebersetzung von Dr. S. Mandelftern in Leipzig in zwei Bänden erschienen. Abonnent in K. Am vergangenen Sabbatausgang wurde mip nnw dj/j >m gesagt. i WM" Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. -W» $.&D.LÖWENTHALSilberwaaren ,075 Frankfurt a. M., Zeil 25, Israel. Cultusgegenstände. CVd) suche für meinen kleinen Haushalt <0 auf dem Lande per sofort ein tüchtiges Mädchen, welches alle häuslichen Arbeiten übernimmt und gute Zeugnisse aufzuweisen hat. LouiS Weinberg, Rabber, Kreis Wittlog (Prov. Hannover.) /^uche für meinen Sohn, welcher 3'/, w Jahre in meinem Manufacrur- und Colonialwaarengeschäfte thälig war, per 1. Mai Stelle als angehender Commis. M. L. Schufter, 2205) Sterbfritz, Hessen. Reifender für mein Aussteuergeschäft findet Engagement, Branchekenntnisse erforderl. Nur tücht. Kraft wird berücksichtigt. Offerten unter E. M. 2202 a. d. Exp. d. Bl. erbeten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.