Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1893)
- Date
- 1893-03-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIV. JahrgMg. Imeite Beilage;u M 24 des „Israelit“. Leitender Artikel. Me HeKupyoty. Von L. Cohen in Rees am Rhein. Nichts hat in früheren Zeiten ängstliche Gemüther so sehr beunruhigt, als die in unserem Kalender gewöhnlich nach dem Titelblatt aufgestellte Zeittabelle über die niDipn- Las man doch in derselben: „Die Tekuphath Tischri, Tebeth, Nissan und Tamus r6DUfällt zu einer bestimmten Stunde eines bestimmten Tages." Der Volksglaube hielt steif und fest daran, es falle etwas vom Himmel herunter, was denen, die es trifft, den Tod bringe. Mancher kaufte sich, wie ich mich dessen aus meiner Jugendzeit noch zu erinnern weiß, den jüdischen Kalender weniger des eigentlichen Kalendariums wegen, als vielmehr um die Stunde zu erfahren, wann das Unglück über ihn hereinbrechen könne und sich mit der stählernen Waffe zu rüsten, die allein das Verhängntß fern zu halten im Stande sei. Mancher glaubte auch, einer religiösen Pflicht zu genügen, wenn er sich mit dem Zeitpunkte des Eintreffens der Tekuphoth schon im Voraus bekannt machte, weil der Talmud lehrt: „Wer es versteht, die Zeit der Tekuphoth und den Planetenumlauf zu berechnen nnd es unterläßt, von dem sagt die Schrift: „Gottes Werk schauen sie nicht und seiner Hände Werk sehen sie nicht." Die Berechnung, die überhaupt nicht Jedermanns Sache war, hatte nun durchaus nicht den Zweck, die Stunde eines bösen Verhängnisses, sondern die Zeit zu bestimmen, an welchem nach talmudischer Tradition mit der Einschaltung des tos nüöi in die rom begonnen werden müsse. „Mit der Berechnung der rßipn haben es uns aber die jüdischen Gelehrten und Astronomen der vortalmudischen Zeit so leicht gemacht, daß heute ein jedes Kind bei der Bekanntschaft mit der Zeit einer Tekuphah durch einfache Addition die Zeit aller kommenden Tekuphoth bis ans Ende der Zeiten berechnen kann. Der erste Lehrer, dessen Berechnung mit ihren Resultaten noch heute maßgebend anerkannt wird, war Mar Samuel Jarchinoi (der Mondkundige) geb. 165 d. g. Z. und Schuloberhaupt in Narhadea. Ein anderer Gelehrter und Astronom, der sich mit demselben Gegenstände beschäftigte, war Rab Ada, geb. 183 d. g. Z. und Schuloberhaupt an der Hochschule zu Sura. Die Berechnungen des Letzteren sind zwar genauer; doch hat der Talmud ein für alle Mal die Samuel'schen Tekuphoth als maßgebend anerkannt. Dieser Berechnung liegen nun folgende Bestimmungen zu Grunde: Die Erde bewegt sich in einem Jahre oder in 365 Tagen 6 Stunden in einer schiefen Bahn um die Sonne und dieser Zeitraum heißt ein Sonnenjahr, welches der bürgerlichen Kalenderrechnung zu Grunde liegt. Auf dieser Wanderung erblickt man von ihr die Sonne im Horizont von Jerusalem in dem Moment, wenn diese in die 4 Cardinalpunkte der Eklyvtik oder des Thierkretses tritt, welcher durch die Namen der 12 Sternbilder: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe. Jungfrau, Wage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische bezeichnet wird. Diese 4 Punkte sind das Sternbild des Widders, des Krebses, der Wage und des Steinbocks. oder die Aeguinoctien (Tages- und die Nachtgleichepunkte), mit welchen, wenn die Sonne in dieselbe tritt, Frühling und Herbst und die Solstitien (Winter- und Sommerwendepunkte), mit welchen, wenn die Sonne in sie tritt, Winter und Sommer beginnen. Die Zeit nun, zu welcher die Sonne in diese 4 Punkte tritt, wird ns:pn genannt von pp' — sich wenden, drehen, im Kreise bewegen und fällt stets um die Zeit des Beginnes der 4 Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das Jahr hat demnach 4 Tekuphoth, welche nach ihrer Ordnung I'I-r.'i nsnpn oder p'j (Frühling), ppn n™pn oder nen 'n (Sommer), nspn Tion oder nvn 'n (Herbst) und vnon rD'pn oder rnts 'n (Winter) genannt werden und den 4 biblischen Zeiten cm ipi nspi jni entsprechen, welche selbstverständlich durch die jährliche Umdrehung der Erde um die Sonne bedingt werden. Die Entfernung einer Tekuphah von der andern beträgt nach Mar Samuel 1j4i der Jahreslänge, also genau 91 Tage, 7x/2 Stunden. Weiß man also aus dem Kalender z. B., daß die vnon rö-pn dieses Jahres (jnn) auf Donnerstag Abend 6 Uhr, 21 Tage im Monat p’j ist, so ergibt die Addition von 91 Tagen 7J/2 Stunden die Zeit der nächsten nvn nsipri, Donnerstag Nacht 11/2 Uhr, 23 Tage in non u. s. w. Da nun 91 Tage 13 volle Wochen ausmachen, so ist die folgende Tekuphah an demselben Wochentage wie die vorhergehende und nur dann an dem folgenden Wochentage, wenn die Summe der Stunden mehr als 24 beträgt. Ebenso lassen sich durch Subtraction von 91 Tagen, 7l/2 Stunden von einer bestimmten Tekuphah alle vorhergegangenen Tekuphoth bis zur allerersten berechnen. Nach Angabe der Gelehrten wird die nsipn P’j als die erste im Sonnencyclus angenommen, da nach denselben in Nissan die Schöpfung der