Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1893)
- Date
- 1893-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448339--35986-2483995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M 23 XXXIV Jahrgang. f Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr, Lehmann in Mainz. Montag, den 20. März 5653 (1893). Da mit dem 1. April 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten ■l^^r Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. Kagadah schet Gefach. Siebente Serie. IV. Mainz, 19. März. 0’jo")N “moa urns pDD iaina uns yptp? ni» Hätte Gott unsere Dränger inmitten des Meeres versenkt und nicht vierzig Jahre für unsere Bedürfnisse gesorgt, hätte es genügt? Die Wunder am Meere, seine Trockenlegung, der Durchzug der Geretteten und der Untergang der Unterdrücker, so unwiderleglich sie auch das Eingreifen Gottes in die Geschicke seines Volkes constattren, die dauernde Anerkennung Gottes für alle Zeit zu bewirken, hätte dieser Vorgang nicht vermocht. Es war ein einmaliges Geschehniß. dessen überwältigende Größe für den Augenblick wohl Israel das Bekenntniß abrang, daß Gott für alle Ewigkeit so seines Königthums walten wird, nyi obiyb ito» '*i. Bei dessen Kunde zitterten die Völker, die Bewohner Pelescheths erfaßte Schrecken, die Fürsten Edoms wurden davon betroffen, die Mächtigen Moabs erfaßte Zagen, aufgelöst waren die sämmtltchen Bewohner Kenaans. — Aber es war doch nur ein einmaliges Geschehniß, ein schnell vorübergehender Akt, dessen Bedeutung im Laufe 8 der Zeit nothwendigerwetse abgeschwächt werden 8 mußte. Man beredete andere und vielleicht auch sich 8 selbst, nachdem der erste überwältigende Eindruck 8 des wunderbaren Ereignisses längst vorüber war, 8 daß das Wunder doch wohl auf irgend welche Naturgesetze sich zurückführen und sich vielleicht rationell, wie man das nennt, erklären lasse. Obwohl der ganze Vorgang, wie ihn die Thora schildert und wie ihn gar die Ueberlieferung uns erhalten hat, sich gegen jeden derartigen Versuch sträubt, so lehrt uns doch die tägliche Erfahrung, daß man ihn dennoch wagt und lieber die unnatürlichste Erklärung natürlich nennt, als das Gotteswunder als solches rückhaltlos anerkennt. Das Wunder dagegen, wie da ein ganzes, nach Millionen zählendes Volk in der öden Sandwüste vierzig Jahre lang, Tag für Tag seinen Unterhalt fand, das läßt sich nicht hinwegdeuteln, das läßt sich nicht zu einer auffallenden Naturerscheinung degradiren, das muß Jedem, der dieser Thatsache je einmal näher getreten ist, das Bekenntniß abringen: Gott hat für unsere Bedürfniffe gesorgt vierzig Jahre lang! Die ununterbrochene Stetigkeit dieses Wunders durch vierzig Wüstenwanderjahre ist es, die jede Möglichkeit ausschließt, hier Gottes erziehende, liebende Vaterhand zu verkennen. Freilich erhalten sich auch andere Völker, Nomaden. Beduinen und sonstige Bewohner der Wüste in dieser Oede. Deshalb hätte die Thatsache der Erhaltung und Versorgung noch nicht genügt, um Gottes Walten hier zu erkennen. Aber die einzige Art und Weise, wie diese Erhaltung sich vollzog, sie steht so unerreicht wunderbar da. daß sie denen, welche sie betraf, selber ein Räthsel war. Hätte daher Gott nur in normaler, wirklich natürlicher Weise für den Unterhalt seines Volkes gesorgt, indem es sich etwa nach Art der Wüstenvölker durch Streif- und Jagdzüge in die Gebiete, welche den Saum der Wüste einfassen, die Mittel zum Unterhalt verschafft hätte, so könnte hier allerdings von