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Der Israelit · 1893-03-16 · Heft 22 (16.3.1893) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 22 (16.3.1893)
Date
1893-03-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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freut, wenn man in fremden Landen alte vertraute Bekannte in eigenartiger Verhüllung wieder erkennt, so muthen diese uns von Jugend auf uns liebgewordenen Erzählungen in fremdem Gewände, in arabischer Umdichtung an. Nicht selten hat auch der entgegengesetzte Hergang stattgefunden. Manches duftige Blümlein, das die Sonne Arabiens gezeitigt und mit Farbenpracht geschmückt hat, wurde in die Gefilde Judas verpflanzt. Einzelne arabische Sagen haben in den späteren und spätesten hagadischen Werken, wie Schalfcheleth Hakkabbalah und seinesgleichen, Aufnahme gefunden. Für beide Arten der Entlehnungen, namentlich für die erste, finden sich in dem vorliegenden Werke eine unendliche Fülle der überraschendsten Belege. Nur der Verfasser, der das weite Gebiet der Hagada bis in seine fernsten Verzweigungen stets gegenwärtig hat und anderseits die arabische Literatur vollkommen beherrscht, dessen Belesenheit in alten und modernen Sprachgebieten von den berufensten K-mern angestaunt wird, konnte eine solche hervorragende Leistung zu Stande bringen. Was wir jedoch bei diesem Werke tiefster Gelehrsamkeit und eingehendster Forschung besonders hervorheben müssen, das ist die lichtvolle, harmonische Darstellung, die leicht dahinfließende, lebhaft gefärbte Svrache, die das Lesen desselben auch für den Laien zum Genuß macht. Wie schön sagt der Vers. S. 240 von den hagadischen Vorträgen: „Sie hatten aber noch einen höheren Zweck: sie sollten in einer bedrängten Zeit, in der man immer noch Schlimmeres befürchten mußte, Trost und Erhebung gewähren und das Gottvertrauen stärken durch den Hinweis auf Gottes Liebe zu,Jsrael und zu den frommen Männern insbesondere, wie sich diese in den biblischen Erzählungen und in den späteren Wundersagen kundgibt. Man wurde also über alles Leid der Gegenwart erhoben, durch den Rückblick auf die glanzvolle Vergangenheit, auf die Zeit, in welcher das ganze Volk Israel alljährlich nach dem Hause Gottes wallfahrtete, dann aber auch durch die Aussicht auf die von den Propheten verheißene Zukunft, in welcher-die alte Glorie und Herrlichkeit wieder auferstehen werde." Die vorstehende Stelle ist dem Schlußkapitel entnommen, welches: Die Legende in der jüdisch-deutschen, der jüdisch-spanischen und der spanisch-arabischen Lit eratur" überschrieben ist. Der Verf. hat vor einigen Jahren, die bei Brockhaus erschienene „Jüdisch-deutsche Chrestomathie" veröffentlicht, die seiner Zeit von dem Begründer des „Israelit", Herrn Dr. Lehmann ^xr, in diesem Blatte in anerkennendster Weise besprochen wurde. Von dem gegenwärtig bei Sigmund Mayer in Trier erscheinenden Sammelwerke: „Die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons" behandelt er ebenfalls laut Prospekt die jüdisch-deutsche Literatur. Er ist demnach auch auf diesen Gebieten ein anerkannter Meister und es dürfte sich heute schwerlich Jemand einer gleich großen Vertrautheit auf diesen schwer zugänglichen und selten betretenen Ausläufern des jüdischen Schrtftthums rühmen können. In diesem Schlußkapitel macht er uns noch mit einer eigenartigen weit weniger bekannten Ltteraturgattung bekannt: Der Literatur der Moriskos. Es find dies die Schriften der spanischen Araber, die ähnlich wie die jüdischen Marranen zum Schein das Christenthum annahmen, um in Spanien leben zu können. Sie hatten ähnlich der jüdisch-deutschen, jüdisch-spanischen, dem sogenannten Ladino, eine arabisch-spanische Literatur. Ihre Bücher sind mit arabischer Schrift in spanischer Sprache geschrieben und meist religiösen Inhalts. Auch hier werden überraschende Parallelen mit den Erzeugnissen der Hagada nachgewiesen und besonders interessante Proben mitgetheilt. Wir schließen diese Besprechung, die dem reichen Inhalt dieses Werkes bei Weitem nicht gerecht werden konnte, mit dem Wunsche, daß es neben der Anerkennung aller Fachkreise, die ihm in weitestem Maße gesichert ist, auch einen großen Leserkreis finden möge. — a— ZeitnngSnachrichte« ttttb Correfpondeuze«. Deutschland. Aus Krrrhefserr, 19. März. In einem Orte des Regierungsbezirks Kassel ist die evangelische Schulstelle erledigt und der dortige israelitische Lehrer erhielt nach der Hess. Schulzeitung vom Lokalschultnspektor den Auftrag, in Gemeinschaft mit dem Nachbarkollegen die Stelle während der Dauer der Vakanz in der Weise zu versehen, daß Ersterer den Unterricht in den Realien ertheilen sollte. Gegen die Mitwirkung des israelitischen Lehrers bei der Vertretung erhob jedoch der Landrath, als Mitglied des Schulvorstandes, Einsprache, da nach seiner Auffassung ein israelitischer Lehrer an einen christlichen Schule überhaupt keinen Unterricht ertheilen könne, auch nicht, wie in diesem Falle, vertretungsweise in den Realien. Der Lokalschulinspektor, ein Geistlicher, theilke aber diese Ansicht nicht und auf sein Betreiben wurde die Angelegenheit der königl. Regierung zu Kassel zur Entscheidung vorgelegt, die jetzt verfügt hat, daß gegen die Mitwirkung des israelitischen Lehrers nichts einzuwenden sei. Berlin, im März. Interessant ist das Zugeständniß, welches in Sachen des Talmud die antisemitische „N. D. Ztg." in Leipzig macht. Sie

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