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Der Israelit · 1893-03-16 · Heft 22 (16.3.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 22 (16.3.1893)
Date
1893-03-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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424 das Auge. Als sie nun dem Juden ihre kleine Hand entgegenstreckte, blitzten ihre Augen zornig und sie sagte: „Nein, Benjamin, er weiß es nicht. Ich bin so böse auf ihn, daß er die Ochsen an einen anderen verkauft hat und habe ihm auch schon meine Meinung gesagt." „Deßhalb brauchst Du Deinem Manne nicht gram zu sein", entgegnete ruhig Benjamin; „wir leben jetzt in einer Zeit, wo jeder nur auf seinen eignen Vortheil bedacht ist, ohne daran zu denken, den Vortheil des Nachba.s zu wahren. Hoffentlich hat Dein Mann zu seinem Vortheil den Verkauf abgeschlossen." „Das war aber sonst nie auf der Mühle Gebrauch; mein seliger Vater. —" „Ich denke nun anders wie Dein seliger Vater", versetzte der Müller in mürrischem Tone. „Streitet darum nickt," sagte Benjamin, den Müller forschend anblickend. „Geschehene Dinge lassen sich nicht ändern. Ich wollte Euch nur daran erinnern, daß übermorgen der fünfzehnte ist, an welchem Ihr einen Wechsel an mich zahlen müßt." Der Müller erschrack. „Einen Wechsel soll ich Euch zahlen müssend Ich wüßte nicht —" „Vorige Woche Hab ich das Papier in der Stadt gekauft, und ich hoffe, daß es kein falscher Wechsel ist." Erstaunt blickte die junge Frau die beiden Männer an. Der Müller wußte vor Verlegenheit nicht, was er thun sollte; er gab dem Juden einen Wink und sagte dann: „Ach so; jetzt erinnere ich mich; es ist ein Gefälligkeitsaccept, wofür der Aussteller schon rechtzeitig Deckung senden wird. Ich werde es Dir später genauer auseinandersetzen." Die Müllerin entfernte sich kopfschüttelnd, während sich Benjamin mit dem Müller gegen das Hofthor wandte. Die Hunde erhoben wieder ihr fürchterliches Gebell, so daß man kein Wort von dem verstehen konnte, was die Männer sprachen. Benjamin verabschiedete sich kalt von dem Müller und ging langsam dem Dorfe zu. Auf seinem runzligen Antlitz lagerte eine gewisse Härte; sein Gang wurde nach und nach fester, elastischer; seine Augen öffneten sich weit und ingrimmig brummte er vor sich hin.- „Also auch hier schon das Gift! Nun, wir wollen seine Wirkung abwarten." Benjamin hatte das Dorf erreickt. Vor einem kleinen Hause blieb er stehen und sann über etwas nach. Da erschien an dem Fenster das rothe aufgedunsene Gesicht eines Mannes, welches sich, als der Mann Benjamin erblickte, zu einer abscheulichen Fratze verzerrte. „Was will der Jude in meinem Hause?" brummte er; „ich möchte ihm am liebsten das Hirn einschlagen, dem Blutsauger!" Benjamin erblickte den, der sich in so liebenswürdiger Weise mit ihm beschäftigt hatte und er winkte ihm, herausznkommen. Knurrend wie ein wüthender Hund folgte der Mann dem Wink des Juden. Trotzig stellte er sich vor denselben und fragte: „Was wollt Ihr von mir?" „Kannst Du morgen für mich nach W. fahren?" „Ich habe nichts zu thun, und wenn Ihr es gut bezahlt, warum nicht?" „Du weißt ja, was ich gebe und was für Bedingungen ich stelle. Kein Tropfen Branntwein darf vor morgen Abend, ehe Du hier bist, über Deine Lippen kommen, dann erhältst Du, wenn Du alles richtig besorgt, einen Thaler für den Gang, eine Mark Zehrgeld und einen Schoppen Schnaps." „Was ist zu besorgen?" „Es ist eine Kuh mit ihrem Kalb zu holen, das Vieh darf nicht übertrieben werden —" „Und wer geht mit?" „Johann, mein Knecht." „Gut, ich werde kommen; aber ein Viertelchen darf ich doch trinken, Wenns zu heiß wird." „Keinen Tropfen! Du kennst mich. Trinkst Du auch nur einen Tropfen, so ist dein Taglohn verloren. Nun, wie tst's?" „Abgemacht; ich komme." Benjamin entfernte sich; nach einigen Schritten jedoch kehrte er wieder um und als der Taglöhner noch dastand, trat er zu ihm und fragte: „Hast Du Nachricht von Deiner Tochter?" „Nein", entgegnete wild der Arbeiter. „Mag sie sein, wo sie will, zu uns braucht das Fräulein nicht wieder zu kommen. Wir sind zwar arme Leute, aber Schande hat uns noch nicht —" „Klaus, seid nicht hart; es ist immer Euer Kind. Wie manches unerfahrene junge Mädchen," Klaus ließ ihn nicht zu Ende reden. Wüthend ballte er die Faust und sprach: „Wäre sie zu Hause geblieben, es wäre vieles anders! Sie allein ist Schuld an unserm Unglück, unserm Elend! Gott straf' sie für ihren Leichtsinn und ihren Hochmut!)!" Bebend wandte er sich dem Häuschen zu und ließ Benjamin verdutzt stehen. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaktion. L. A. 100. Ja. B. S. in K. Ob daS hebr. Werk p’ü rOHN von A. Mapau jr. in deutscher Sprache erschienen ist, ist uns nicht bekannt. Vielleicht kann einer unserer Leser Auskunft ertheilen?

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