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Der Israelit · 1893-03-13 · Heft 21 (13.3.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 21 (13.3.1893)
Date
1893-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Der Israelit. 7” 0KsffSl*WpT&**r? M 21. Ei« Genlrat-Hrgan für das orthodoXe Zudenlhum. Begründet von I>r. Lehmann in Mainz. Montag, den 13. März 5653 (1893). Leitender Artikel. Der Murm im Innern. Von Dr. Mannheimer, Großherzogl. Oldenburg. Landesrabbiner. Das Judenthum gleicht einem Schiffe, das auf hoher See langsam seinem idealen Ziele entgegensteuert, das aber durch die heftigen Stürme, die es umtosen, ein Sptelball der Wogen, in seiner Fahrt gehemmt wird. Und je gewaltiger die Stürme brausen, um so mehr greifet im Innern dieses Schiffes die Seekrankheit um sich, um so mehr treten die Fehler und Verirrungen im Innern des Judenthumes hervor, um so mehr entfremden sich häufig die Herzen der Leidensbrüder in einer Zeit, wo Einigkeit das höchste unserer Ziele bilden sollte. Die Lehre des sterbenden Vaters, der seinen sieben Söhnen als letztes Vermächtntß das Bild der sieben Stäbe vorführte, die zusammengebunden nicht zu biegen waren, doch vereinzelt leicht zerbrochen wurden, diese Lehre muß uns angesichts der täglichen Erfahrungen, angesichts der heftigen Angriffe und Verleumdungen, die uns treffen, als mah endes Beispiel zur Einigkeit im Innern und zum gemeinsamen Vorgehen nach Außen auffordein. Wir dürfen es aber auch nicht scheuen, selbst in unser Inneres einen Blick zu werfen, den Wurm zu suchen, der im Innern des jüdischen Lebensbaumes naget, und wenn auch von feindlicher Seite ein solch offenes Bekenntniß ausgebeutet werden sollte, so haben wir doch das Bewußtsein, daß jeder rechtschaffene vorurteilsfreie Mann dieses Bestreben der inneren Heilung anerkennet, denn auch im Innern drohen dem Judenthum Gefahren, die besonders über dem göttlichen Heiligthume schweben, Gefahren, die unserem Glauben verderblicher werden können, als die Angriffe von Außen. Mag auch das mächtige Getöse auf dem Kampfplatze draußen meine schwache Stimme übertönen, d i e Ueberzeugung aber drückt mir die Feder in die Hand, daß eine Abnahme des religiösen Sinnes unserer Glaubensbrüder demJudenthume viel eher das Grab zu graben geeignet ist. als alle Angriffe unserer Feinde, und wo der Glaube von den eigenen Brüdern verkannt wird, da verliert er allmählich seinen Halt und der leichteste Sturm vermag ihn zu brechen. Man suchet nach Gründen, wie es möglich sei, daß in unserer Zeit diese giftige Saat des Judenhasses häufig so fruchtbaren Boden finden konnte, man sucht nach Mitteln, dieses Unkraut, das so plötzlich emporgewuchert, auszujäden, es wird geschrieben, es wird gesprochen, Verth idrgt, gekämpft, alles ist erfolglos. Siehe, da erscheint plötzlich in Berlin der Retter: „Ich hab's gefunden", rufet er, „die Orthodoxie ist schuld alleine." Und von Neuem reget sich im Herzen so mancher Juden das Verlangen nach Reformen, so glaubt man endlich den Frieden unter Preisgabe unserer theuerften Güter erkaufen zu können. O, thörichtes Beginnen! So wenig Amalek in der Wüste Gründe suchte oder fand, Israel hinterlistig zu überfallen, so wenig brauchen die heutigen Amaleks Gründe, Israel zu verfolgen, denn, diese Thatsache steht zweifellos fest, daß das Judenthum momentan den Prügelknaben für die Unzufriedenhüt des gesammten wirthschaftlichen Lebens bildet Ich will aber mit einigen Worten näher darauf eingehen, wie durch diese Reformbestrebungen die Juden ihren Feinden in die Hände arbeiten, und wie hierdurch gerade das Gegentheil erzielt wird. Wenn von unseren Feinden, die ja unsere Literatur durchstöbern, gierig wie die Raubthiere nach Beute suchend, irgend etwas Verdächtiges gefunden wird, das sie mit einer kleinen Fälschung oder Entstellung für ihren Zweck ausbeuten können, so wird natürlich die neueste Entdeckung und Fälschung mit aller Macht durch Flugblätter und Zeitungen in alle Welt posaunt, um dieser Lüge bis

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