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Der Israelit · 1893-03-09 · Heft 20 (9.3.1893) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 20 (9.3.1893)
Date
1893-03-09
Page
– (sequence 30)
Language
German
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Die Kolonisation Palästinas Industrie in Palästina. (V. Fortsetzung.*) Welche Versuche bereits gemacht wurden, dieses Ziel zu erreichen, das die Hartbedrängten sich selbst gestellt, haben wir ebenfalls dargelegt, indem wir im Geiste den dornenvollen Pfaden der „Zionsfreunde“ folgten, das Arbeiten und Ringen der ersten jüdischen Kolonisten, ihre Kämpfe und ihre Leiden schauten, bis wir zeigen konnten, wie dieser mühselige, schmale Weg allmählich breiter und immer gangbarer wird und wie man auf ihm einen immer froheren Blick in die Zukunft gewinnt. Gerade im Angesicht dieser Zukunft wird der Leser mit uns die Heberzeugung hegen, dass die Kolonisation Palästinas nunmehr einen Punkt erreicht hat, auf welchem stehen zu bleiben Thorheit, von dem zurückzukehren Verbrechen wäre. Von nun an, darüber kann bei allen Einsichtsvollen kein Zweifel mehr bestehen, giebt es auf dem selbstgewählten Wege nur noch ein unaufhaltsames Vorwärts, jetzt um so mehr, wo die ersten Hindernisse beseitigt sind, sie, die gerade die meisten Schwierigkeiten in sich trugen! Wo hinaus? Ohne dass die westeuropäischen Juden irgend welchen Antheil daran genommen, haben unsere russischen und rumänischen Glaubensgenossen diese Frage selbstständig gelöst. „Nach Palästina!“ heisst die Parole, die sie ausgegeben und die sie getreulich halten wollen. Das „Wohin?“ ist gefunden, nun fragt es sich nach dem „W i e?“ und gebieterisch fordert die Bedrängtheit der Lage eine schleunige Antwort. Wie hinaus? Wären die Verhältnisse normal, ja wären sie nur um etwas weniger verwickelt, nur etwas weniger entsetzlich, die Betheiligten würden auch das Wie? von selbst finden, und getrost könnte man sie sich selbst überlassen. Eine Gesammtheit, die unter tiefem Drucke seufzend eine Organisation, wie die der „Zionsfr eunde“, aus sich heraus erzeugen, das Werk der Kolonisation inauguriren konnte, hat ihre geistige Reife und ihre Ebenbürtigkeit mit den Juden des Westens unwiderleglich dargethan. Aber welche Zustände herrschen doch jetzt in unserem östlichen Nachbarreiche, wie mächtig angewachsen ist der Judenhass, die blinde Wuth der Verfolgung! Wir haben schon Gelegenheit gehabt, das Loos, unter welchem die russischen Juden gegenwärtig seufzen, mit einigen skizzenhaften Andeutungen zu schildern; der Leser kennt den Druck, dem sie zu erliegen drohen. Da erlahmt auch die grösste geistige Spannkraft, ziel- und planlos und ohne Führer ergiesst sich vom russischen Ansiedelungs-Rayon her ein breiter Auswandererstrom über Deutschland, England und Amerika, überall Entsetzen und Schrecken verbreitend. Wie alle diese Tausende unterbringen? Wie den Strom hinüber leiten in sein natürliches Bett nach Palästina? Wie h inaus? Rathlos stehen wir dieser Frage gegenüber und wissen keinen Ausweg, der zu einer Antwort führen könnte. Hätte mau sich um ein paar Decemiien früher um das „Wo hinaus?“ gekümmert, hätte sich der europäische Westen dieser Frage gegenüber weniger gleich gütig gezeigt, auch das „Wie?“ würde sich leichter finden lassen; wir hätten dann nicht vierundzwanzig Kolonien, sondern hundertfältig wären Ansiedelungen auf dem heiligen Boden bereits emporgeblüht, und Hunderttausende jüdischer Kolonisten würden dort in Sicherheit die Früchte ihrer Arbeit gemessen. Dort fände heute der russische Flüchtling ein gastlich geöffnetes Thor, und uns verbliebe nur die verhältnissmässig kleine Sorge um die Heberfahrt. Nun aber haben wir, bethört durch unsere allzu grosse Vertrauensseligkeit und bei dem völligen Mangel an Verständniss für die uns umgebenden Verhältnisse, die beste Zeit unbenutzt verstreichen lassen, und müssen nun das Unwetter, das wir nicht heraufziehen sahen, ruhig über uns ergehen lassen. Bekennen wir es offen: dem Unglück, das jetzt, Abhilfe begehrend, an unsere Thüre pocht, sind unsere Kräfte nicht gewachsen, wir können es nicht endgiltig beseitigen. Da reichen keine Schneeballenbriefe und sonstige beliebte Mittelchen aus, vermöge ihrer wird man niemals genug aufbringen, um alle Flüchtlinge unter einem schützenden Dache zu bergen. (Fortsetzung folgt.) ') S, Nr. 468,

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