Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1893)
- Date
- 1893-03-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. Zweite Leilage M M 20 des „Ssraelit“. Literarisches. Einiges über Eduard Laster von Dr. L. Freund ist in C. Mehrlich's Verlag, München, in neuer Ausgabe erschienen. Die Broschüre ist gegen Gustav Schindler gerichtet und wird nicht allein für diejenigen, die sich für Lasker's Persönlichkeit interessiren, von Werth sein, sondern namentlich auch denen, die den jetzigen Antisemitismus auf seine historischen Urquellen hin verfolgen, einen schätzbaren Beitrag liefern. * * * Das Buch Henoch, aus dem Aethiopischen in die ursprünglich hebräische Abfassungssprache zurückübersetzt, mit einer Einleitung und Noten versehen von Lazarus Goldschmidt. Berlin 1892. Richard Heinrich. Es ist ein sehr interessantes Buch, das hier einem für die hebräische Sprache verständnißvollen Leserkreis zugeführt wird. Das Buch Henoch, das im Sohar als -|um n-ibd und auch sonst oft erwähnt wird, geht auf *yi:n (1. SB. M., 5, 21.) zurück. Den hebräischen Urtext des Buches besitzen wir nicht, er ist verloren gegangen. In einzelnen Schriften finden sich Bruchstücke daraus. Seit dem 17. Jahrhundert ist ein äthiopischer Text des Buches bekannt geworden. Derselbe wurde zuletzt von Professor Dillmann kritisch bearbeitet und ins Deutsche übersetzt. Der Verfasser hat sich nun der dankenswerthen Aufgabe unterzogen, den äthiopischen Text ins Hebräische zu übertragen und er beweist dabei eine ebenso tüchtige Kenntniß des Aethiopischen, als rühmenswerthe Gewandtheit in der Handhabung der hebräischen Sprache. Die Ausstattung ist splendid. -i- * .mtfn nuran -DO Unter den vielen onöD, die in neuester Zeit erschienen und von Interesse für das Judenthum sind, ragt das Werk umen nwan“ von Oberrabbtner Elieser Deutsch »"j in Hanoschowitz hervor. Den vorzüglichen Inhalt dieses Werkes hier auseinauderzusetzen, wäre überflüssig, da der ehrwürdige Verfasser desselben schon von seiner Jugendzeit her als fpn bekannt ist. Bemerkt sei, daß das erwähnte Werk mit niöaon von den Rabbinen zu Nodjmihali b"w, Prsemischl und Wisnitze versehen ist, welche sich einstimmig sehr anerkennend über dessen Inhalt äußern. Dasselbe ist den rmn nmb und ü'ddpi n*o^n bestens empfohlen. Es ist durch Herrn Josef Leser in Tarnow (Galizien) zu beziehen. Schließlich will ich noch bemerken, daß der Verfasser ’"j im Begriffe ist, noch ein zweites Werk herauszugeben. Dasselbe befindet sich bereits unter der Presse. Hermann Gottdiener, L. A. Ujheli. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 27. Februar. Ein den Abwehrzwecken dienendes Wochenblatt veröffentlicht einen Leitartikel mit der pompösen Ueberschrift: „Die Niederlage der Antisemiten." Gemeint ist der Wahlausgang im Reichstagswahlkreis Liegnitz- Haynau-Goldberg, woselbst die Antisemiten es auf über 6800 Stimmen brachten, so daß ihr Bewerber, Rechtsanwalt Hertwig aus Charlottenburg, mit dem deutschfreisinnigen Kandidaten in die Stichwahl kommt. Mit welchem Recht man da von einer Niederlage der Antisemiten sprechen kann, vermag ich nicht einzusehen. Ich halte es vielmehr für ein sehr bedenkliches Zeichen der Zeit, daß ungefähr 6000 deutsche Reichstagswähler in jenem Wahlkreise, der längst nicht mehr zu den politisch rückständigen gehört, für den antisemitischen Kandidaten gestimmt haben. Die Antisemiten können mit diesem Erfolg sehr zufrieden sein und ihre Gegner haben gar keinen Grund, darüber zu frohlocken, daß der freisinnige Kandidat nicht gleich im ersten Wahlgang geschlagen worden ist. Freilich haben die Antisemiten vor der Wahl den Mund recht kräftig voll genommen. Sie haben anscheinend mit der Möglichkeit eines glänzenden Wahlsieges von vornherein gerechnet — aber auch nur anscheinend. Klappern gehört nun einmal zum Handwerk und wer durch das Mittel der politischen Agitation etwas erreichen will, der muß den Mund etwas voller nehmen, als er es sonst zu thun pflegt. Das thaten auch die antisemitischen Führer im Hinblick auf die Wahlbewegung in dem Liegnitzer Kreise. Sie selbst aber haben sicher nicht an die Möglichkeit eines Sieges geglaubt, sondern sie sind nur bemüht gewesen, ihren Anhängern und den Wäblern jenes Wahlkreises den Glauben an eine solche Möglichkeit beizubringen. Wenn wir uns nicht selbst etwas weiß machen wollen, dürfen wir daher auch nicht von einer Niederlage der Antisemiten sprechen. In der liberalen Presse begegnet man häufiger dem Hinweis, daß die Konservativen im Liegnitzer Wahlkreise das allerschlechteste Geschäft gemacht hätten. Von 6746 Stimmen, die im Jahre 1890 der Karteükandidat auf sich vereinigte und die zum