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Der Israelit · 1893-03-06 · Heft 19 (6.3.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 19 (6.3.1893)
Date
1893-03-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Beilage zu M 19 des „Israelit". Leitender Artikel. Weltfriede und Iudenlßum. von Rabbiner Heinrich Galnndauer in Soborten ^Böhmen). X. Der Jammer, das Elend und das unermeßliche Unglück, das der Krieg zur Folge hat, ist grenzenlos. Kinder werden erbarmungslos ihren Eltern entrissen, Männer ihren Frauen, die Ernährer und Erhalter ihren Familien gewaltsam genommen und in den wüthenden Kampf geschickt. Die thierischen Instinkte werden in den Gemüthern aufgerüttelt, Härte, Grausamkeit, Mordgier, ungestüme Wildheit und abgestumpfte Gefühllosigkeit werden als lobenswerthe Eigenschaften gehalten, jede edle Regung, jedes menschliche Empfinden, jedes Erbarmen wird gewaltsam unterdrückt, gelten fte doch als verabscheuungswürdig, kurz der Mensch muß im Kriege aufhören Mensch zu sein, er wird genöthigt Bestie zu werden. Handel und Wandel liegen danieder, Kunst und Wissenschaft werden vernachlässigt, der Erwerb ganzer Geschlechter wird vernichtet, die Blüthe der Jugend in einem Tage weggerafft, nichts wird geachtet und alles hat seinen Werth verloren. Doch lassen wir hierüber dem Propheten das Wort: „Siehe, die Boten schreien draußen, die Friedensengcl weinen bitterlich. Die Straßen sind verödet, verwüstet die Wege, niemand wagt es hinauszutreten, die Treue wird gebrochen, der Bund zerstört, der Glaube vernichtet, die Städte sind gemieden, Menschen als nichts geachtet. Der Boden liegt kläglich und jämmerlich brach, der Libanon ist schändlich zerhauen, der Saron eine Wüstenei und Baschan und Karmel sind verödet." (Jesaias 5k. 33, 7—10.) „In Euerem Hochmuth glaubt Ihr Völkereroberer Euern gen Himmel schreienden Frevel ungestraft fortführen zu dürfen und Länder ohne Zahl zu bezwingen, aber der Herr ahndet Euere Schuld, entreißt Euch die Beute und überliefert Euch selbst Euern Feinden. Der Herr bricht den Stab der Gottlosen, den Stab der Tyrannen. Welcher die Völker schlug mit Wüthen, ohne Unterlaß, die Nationen züchtigte mit Grimm und sie verfolgte ohne Einhalt. Die Hölle unten erzittert vor Dir, da Du ihr entgegenkommst; sie erwecket Dir die Tobten, die Angesehensten der Welt, die Könige der Völker stehen auf von ihren Thronen. Und alle sprechen sie zu Dir, Du bist auch geschlagen wie wir und bist uns nun gleich. Dein Stolz ist also in die Hölle hinabgesunken, sammt dem Klange Deiner Harfen, Motten sind Dein Bett und Deine Decke Gewürm. Du sprachest doch immer, ich will iu den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erheben; ich will über die Wolken fahren und mich dem Allerhöchsten gleichstellen. Ja zur Hölle bist Du hinabgesunken, in die Tiefe des Grabes. Alle, die Dich sehen, staunen Dich an und fragen verwundert: Ist das der Mann, der die Erde erzittern machte, Königreiche erschütterte, die Welt in Wüstenei umwandelte, Städte niederriß und die Gefangenen nie frei ließ? Alle Könige der Völker liegen doch in Ehren und ruhen ein Jeglicher in seinem Hause. Du aber bist verworfen von Deinem Grabe, wie ein verachteter Zweig, wie eine zertretene Leiche. Du wirst nicht wie diese begraben werden, denn Du hast Dein Land verheert, Dein Volk erschlagen, man wird deßhalb Deine Nachkommen nie erwähnen, man vernichtet Deine Kinder wegen der Schuld ihrer Väter, damit sie nicht wieder aufstehen und das Land erobern." (Das., Kap. 14, 5—22.) Das ist das Loos aller Völkerbezwinger, aller eroberungsgieriger Herrscher, ihr maßloser Stolz wird endlich gebrochen, ihr Hochmuth niedergeschmettert, ihr Ende gleicht selten dem friedlicher Fürsten und Könige, ihre Gewaltthaten werden an ihren Nachkommen gerächt, die Beute wird ihnen entrissen, die Macht ihren Händen entwunden und ihre Herrlichkeit ist für ewig dahin. Solche Beispiele zeigt die Geschichte in großer Zahl; es ist das Walten der Gerechtigkeit, der göttlichen Majestät in der Völkergeschichte, die das Unrecht nicht ungestraft läßt, welche da ahndet die Schuld der Väter an den Kindern. Aber die Welt und ihre Machthaber wollen dies nicht cinsehen, die Völker Europas stehen noch immer kanipfbereit einander gegenüber, über einander herzufallen, und zu zerfleischen, zu vernichten; ihre Pfeile sind geschärft, ihre Bogen gespannt, ein Brausen geht durch die Heere gleich dem Toten mächtiger Gewässer, ein Getümmel gleich dem Wüthen des sturmbewegten Meeres; mit fieberhafter Eile werden die Rüstungen betrieben, die Leidenschaften werden mit Eifer aufgepeischt, das Feuer geschürt und angefacht bis endlich die Kriegsflamme mit ihrem blutigen Schein auflodert und alles verheert, vernichtet, verwüstet und zu Grunde richtet, die Städte menschenleer werden, die Häuser unbewohnt und das Land verlassen bleibt (das. 10, V. 11, 12.)

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