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Der Israelit · 1893-02-20 · Heft 15 (20.2.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 15 (20.2.1893)
Date
1893-02-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Ferner hat Herr Hildesheimer, auch sein Sachverständiger, erklärt, daß der Schulchan Aruch nicht maßgebend sei; denn seine Entscheidung wird verworfen, swenn sie nicht mit den Quellen übereinstimmt. Die Behauptung des Herrn Dasbach bezeichnet Herr Hildesheimer zum Theil absolut unwahr. Wie viele Juden kennen denn überhaupt den Talmud? Es kommt gar nicht darauf an, was im Talmud steht.^ Nur was in den Religionsbüchern steht, ist verbindlich für die Juden. Der Brief der Redaction des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" ist sehr ungeschickt; ich gebe ihn vollkommen jeder Kritik Preis. Ich kann also nur eine Bitte wiederholen an den Herrn Kultusminister . . . (der Minister ist mit dem Abg. von Oertzen- Bromberg in ein Gespräch vertief: und Hort nicht auf den Redner) ... Ich bitte den Herrn Kultusminister . . . (Große Heiterkeit) .. . Ich wiederhole meine Bitte an den Minister. . . (Große Heiterkeit; der Minister wird darauf aufmerksam gemacht, daß Rickert sich an ihn wendet). Ich bitte den Minister, die Untersuchung über die jüoischen Religionsbücher zu beschleunigen, damit nicht Behauptungen, die aus den entlegensten Scharteken entnommen sind, noch länger in der Welt umherlaufen. Daß der Herr Minister auch die Echtheit der 100 Thesen des Judenspiegels untersuchen lassen möge, will ich ihm nicht zumuthen: es gehört wohl nicht zu seinem Ressort. Herr Stöcker hat wieder eine These des Judenspiegels citirt, die vollständig entstellt ist. nach den Urtheilen von Sachverständigen. Veranlaßen Sie doch Ihre Autoritäten, Klage zu erheben gegen die Vorwürfe, welche Professor Strack erhoben hat. Minister B o s s e: Ich habe schon neulich eine Erklärung über diese Untersuchungen abgegeben, die ich heute nur wiederholen kann. Ich konnte versprechen, eine Beschleunigung eintreten zu laßen. Aber die heutigen Verhandlungen werden wohl das beste Excitarium zur Beschleunigung der Sache sein. Ich mochte nicht den Verdacht erwecken, daß ich zu einer oberflächlichen Prüfung Anlaß gegeben habe; es handelt sich immerhin um mehr als hundert Bücher. Das Buch des Professors Ecker prüfen zu lassen, ist eine Sache, die mich nichts angeht. Abg. v. Wackerbarth (kons.>: Ein Vortrag, den ich in einem konservativen Bürgerverein gehalten habe, ist von dem Berichterstatter falsch wiedergegeben worden. In der „Staatsbürger-Zeitung" ist dieser falsche Bericht richtig gestellt worden, der Berichterstatter erklärt, daß er geschrieben hätte, ein Rechtsanwalt N- N.; es habe sich darauf ein Rechtsanwalt in Sorau beleidigt gefühlt. Es sind über diese Sache Artikel im „Berliner Tageblatt" und in der „Freisinnigen Zeitung" erschienen. Eine von mir diesen beiden Zeitungen zugesandte Berichtigung ist nicht ausgenommen worden. Herr Rickert sollte ab und zu die „Staatsbürger-Zeitung" lesen. Es scheint beinahe in freisinnigen Kreisen ein Verbrechen zu sein, die „Staatsbürger- Zeitung" zu lesen. Es wurde in einem Bericht über einen Preßprozeß gesagt: „Was soll man dazu sagen, daß der Staatsanwalt während der Sitzung die „Staatsbürger- Zeitung" liest"! (Lachen rechts.) Ich habe nicht die Gerichte verdächtigen wollen, sondern ich habe nur ausklären wollen weshalb solche Meinungen über die Richter und die Rechtsanwälte aufkommen können. Ich wollte nur davor warnen daß die Zahl der jüdischen Richter nicht vermehrt wird. In Bezug auf die Angriffe gegen die Juden sollte man doch nicht so empfindlich sein. Der „Börsen-Courier' sagt: Die Antisemiten gehören in's Narrenhaus, und es wird weiter ausgeführt, daß die Mörder des Knaben Hegmann unter denen hinter Stöcker und Genossen zu suchen seien. Die Herren sollten die antisemitische Blätter lesen, damit sie endlich einmal erkennen, was das Volk bewegt. (Beifall rechts.) Ich glaube, daß Herr Rickert darauf ausgeht, „Nathan der Weise" zu sein. (Lachen links.) Abg. Dr. Meyer (freis.): Judenbetze und Jesuitenhetze stehen für mich auf demselben Niveau. Wir lehnen es von Vornherein ab, ganze Kategorien in Bausch und Bogen zu verurtheilen. Wir werden nicht widerstreben einer Aufhebung des Jesuitengesetzes. (Hört! hört!) Aber bezüglich der Altkatholiken kommen wir Ihnen nicht entgegen, denn wir wollen Jedem helfen, der sich durch sein religiöses Bekenntniß in Noth befindet. Die Erklärung des Herrn v. Wack^rbarth ging wohl darauf hinaus, daß er es ablehne, alle jüdischen Richter der Parteilichkeit zu beschuldigen. Wenn er gefragt worden wäre, ob er einen parteiischen jüdischen Richter kenne, so würde er es verneint haben. Er bezeichnet es als einen Uebelstand, daß überhaupt die Unparteilichkeit angezweifelt werden könnte. Selbst wenn er den jüdischen Richter ganz beseitigt, würde er es nicht verhindern, daß bei einigen Leuten falsche Ansichten über die Parteilichkeit des Richterstandes herrschen. Was würde Her v. Wackerbarth dazu sagen, wenn ich meinte, man müsse gegen den Antisemitismus von Staatswegen einschreiten, weil es möglich ist, daß ein Parteigenosse des Herrn v. Wackerbarth, eines antisemitischen Führers, diesem solche Ungeheuerlichkeit in den Mund legt? Eine solche Forderung stände auf der gleichen Stufe mit der Forderung nach Beschränkung der Rechte der Juden, lieber die Notiz des „Börsen Courier" haben wir auch gelacht. Aber ist es Sache des Hauses daß wir uns gegenseitig mit Blumensträußen regaliren, deren Bestandtheile aus Blättern der verschiedensten Blätterlilien gepflückt werden? Es wäre gut, wenn wir auf beiden Seilen die vornehme Sitte annehmen würden, derartige Aeußerungen zu ignoriren. Vermischtes. °4- D. Kreuz Am rat3 'i wurde seitens der hiesigen rran d"sp ein 0VD veranstaltet. Der Verein besteht unter der thätigen Wirksamkeit des Herrn M. Unger seit 35 Jahren- Es betheiligten sich sämmtliche hiesige n"n daran. Unter den Anwesenden befand sich Herr Oberrabbiner D. Friedmann, der eine inhaltsreiche und schwungvolle Rede hielt. Jerusalem, 3. Februar. Die Rabbinen der sephardischen Gemeinden haben beschlossen, üpp' T)"niD pNJin mn i'"n hNty die Oberrabbinatswürde zu übertragen und wurde derselbe am 15. DUttf feierlichst in der großen Synagoge in sein Amt als p'27 eingeführt. Briefkasten der Rcdaetion. Argentinien. Ueber die Lage unserer Glaubensgenossen in diesem Lande, sowie über deren Aussichten für die Zukunft hat der argentinische Consul Herr Rosenau im vergangenen Winter in diesen Blättern aus das Ausführlichste berichtet. Auch Herr Löwenthal der frühere Delegirte des Herrn Baron von Hirsch hat seine Ansichten darüber im Israelit niedergelegt. Woche» - Kalender. Freitag, 24. Februar, 8. Adar. Sabbat-Anfang 4 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 25. Februar, 9. Adar. TOT riEHD ,msn Sabbat-Ausgang 6 Uhr 20 Min. (Mainzer Uhr.) In denjenigen Staaten, in welchen mitteleuropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg) ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen.

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