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Der Israelit · 1893-02-13 · Heft 13 (13.2.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 13 (13.2.1893)
Date
1893-02-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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243 Blick nach den Oberen war vorhanden, der willenlos den höhern Winken folgte. Simmel schaarte um seine Fahne eine ansehnliche Minorität, welche die Achtung des Gegners erzwang und dem verheerenden Fortschritt der Reform Stillstand gebot. Die Kaschrus Kommission der Gemeinde, in welcher der Entschlafene eine segensreiche Wirksamkeit entfaltete, erinnerte sich endlich ihrer Tendenz und ihrer hohen Ausgaben. Tief eingewurzelte Mißstände, welche sich im Laufe der Jahrzehnte eingebürgert hatten, wurden beseitigt und manche religiöse Satzung, die in Vergessenheit gerafften war, gelangte wieder zu Ehren. Sein kühnes, entschlossenes Auftreten fand Nacheiferer, man wagte endlich sich auf unfern Schulchan-Aruch zu berufen, und erinnerte, daß dessen Autorität von einer jüdischen Gemeinde nicht beseitigt werden dürfe. — Die Leitung der Wahlagitation lag fast allein in seiner bewährten Hand, sein Rath wurde stets ehrerbietigst gehört, sein Urtheil über einen Candidaten war maßgebend. Gern fügte man sich seiner Entscheidung, denn seine lautere Gesinnung, seine Selbstlosigkeit, seine rein sachliche Auffassung der Verhältnisse wurden allseitig anerkannt. — Was der selige Simmel für das russische Hilfswerk geleistet, bedarf einer eingehenden Würdigung. Es ist hier Erstaunliches zu verzeichnen und dürfte der Nachwelt nicht vorenthalten bleiben. Hand und Herz waren thätig, um das Elend der Mitbrüder zu lindern, in Wort und Schrift eiferte er an, damit die harten Schläge gemildert, die blutigen Wunden geheilt werden. — Von den Schöpfungen des Verstorbenen, welche den hiesigen Bewohnern zu Gute kommen, wollen wir nur des Miethe-Hilfsvereins gedenken, der viel Segen stiftet und so manche hart bedrängte Familie vom drohenden Untergange errettete. — Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Simmel seine Mitgliedschaft bei andern Vereinen, wie Beth-Hamidrasch, Talmud-Verein u. A. sehr ernst nahm und bet der Generalversammlung durch seinen viel erprobten Rath und seinen Takt trübende Wolken zu verscheuchen, die brausenden Wogen zu besänftigen verstand. — Nun hat der wackere Kämpfer ausgerungen. In der Mitte eines thatenreichen und schaffensfreudigen Lebens ist er von uns geschieden. Noch blutet die schmerzliche Wunde, die uns durch den unerforschlichen Rathschluß Gottes geschlagen wurde, noch ist nicht zu ermessen, wie sich die Verhältnisse gestalten werden, denen S. Richtung verliehen, auf die er klärend und heilsam gewirkt. — Weit hinaus über die Grenzen unseres Erdtheiles drang sein ausgezeichneter Ruf, überallhin der gute Klang seiner edlen Gesinnung und seiner nie ermüdenden Arbeitslust. Nun ruht er für immer, im blühenden Alter von 47 Jahren sinkt er ins kühle Grab, seine Seele aber harrt des Gotteslohnes, die ihr in reichstem Maße beschieden sein möge. Der dankbaren Nachwelt wird das Andenken an diesen Edlen zu dauerndem Segen gereichen, rraan Rumänien. Aus Bukarest, den 3. Febr., wird der „Times" geschrieben: „Die jüdische Frage in Rumänien taucht unter so vielen Formen auf, daß diejenigen Recht zu haben scheinen, welche sagen, daß die jüdische Frage das hauptsächliche soziale Problem im Lande werden wird. Die jüngste Phase derselben hängt mit der jetzt zur Verhandlung stehenden Reform des Elementarunterrichts zusammen. Hierbei will sich, scheint es, die starke antisemitische Strömung im Lande Luft machen. Der Elementarunterricht in Rumänien ist obligatorisch und frei. Jetzt, da eine Reform der Gesetze des öffentlichen Unterrichts im Gange ist, wollen die antisemitischen Abgeordneten versuchen, die Erziehung für Alle frei zu machen, mit Ausnahme der Juden. Vielleicht werden sie ihren Eifer etwas bezähmen, wenn sie gewahr werden, daß in Folge dieser Maßregel unzweifelhaft eine Menge jüdischer Schulen erbaut und von Juden zum ausschließlichen Nutzen jüdischer Kinder werden unterhalten werden. Das würde dahin führen, die Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Rumänien, besonders in der Moldau, fester an einander zu knüpfen und daher gerade das Gegentheil des von den Antisemiten gewünschten Erfolges ihres Vorschlages haben." Rußland. Petersburg, 2. Febr. Zur Judenfrage erfahren die „Pet. Wed.", daß hinfort Inden in Jusowo sich nicht mehr niederlassen dürfen. Vermischtes. < Frankfurt a. M., 28. Januar. Mit Herrn Moritz Höchster, der gestern Nacht gestorben, ist der letzte Träger einer Einrichtung dahingegangen, deren Beginn in frühere Jahrhunderte zurückreicht und deren Aufhoren in das vorletzte Jahrzehnt der freien reichsstädtischen Geschichte fällt. Es handelt sich um die Institution der sogenannten „Judenbriefträger". Wohl schon im 17. Jahrhundert, verbürgtermaßen aber seit Mitte des 18. Jahrhunderts war in Frankfurt zur Besorgung der Briefe in jüdische Häuser eigens ein „Schutzjude" mit Turnu. Taxis'schen Privilegien bestellt. Dieses nach und nach recht einträgliche Postbotenamt blieb hundert Jahre hindurch in der Familie Schuster, bis es durch die veränderten Zeitverhältnisse in Wegfall kam. Im Jahre 1846 trat der letzte „Judenbriefträger", Isaak Kayum Schuster, in den Ruhestand. Die Juden wohnten zerstreut unter ihren christlichen Mitbürgern in allen Theilen der Stadt, die Thore des Ghetto waren längst niedergerifsen. Der Neffe und bisherige Gehilfe Schuster's, eben Moritz Höchster, verblieb weiter im Postdienste, jedoch unter den

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