Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1893)
- Date
- 1893-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448329--35748-2483747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXIV. Jahrgang. M 18, Der Israelit. Ein Gentrat-Krgan für das orthodoxe Iudenlßum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 13. Februar 5653 (1893). Leitender Artikel. Unsere Zeit und was sie fordert. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). I. Was unsere Zeit zurMilderung und Abwendung alles Ernsten und Betrübenden fordert, das sie für das Judenthum und seine Bekenner in ihrem Schooße birgt? Nichts anderes, als die endliche Verwirklichung der göttlichen Anforderung an uns, die so alt ist als das Judenthum selber. D'ainaa «6wdi dws» ’uten mim mm m nm Diese Wahrheit lehrt die Thora, wiederholen die Propheten und betonen unsere übrigen heiligen Urkunden. Sollten wir für das Weh der Gegenwart nicht Trost und Rath einmal bei den Trägern unserer Vergangenheit suchen? Ein zeitgenössischer christlicher Bekämpfer des Judenhasses schreibt: „Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß unter allen bis heule erschienenen philosemitischen Schriften keine einzige existirt, welche in dem waltenden widerlichen Streite das Nächstliegende unternimmt und unsere bewährten Autoritäten: die Classiker der Weltliteratur, auf den Kampfplatz ruft. In der gesammten Spezialliteratur der Vergangenheit und Gegenwart lind jene Führer unseres geistigen Heerbannes entweder gar nicht oder nur in vereinzelten Exemplaren vertreten." „Sind ihre Gedankenjuwelen so im Preise gesunken? Ist unser Autoritätsglaube so schwach geworden? Scheute man die Anstrengung, den Standort und die Parolen des großen Generalstabs aufzusuchen? Hält man das Sammeln und Publiciren von „Zeitstimmen" in dem neuentbrannten Kampfe für nützlicher?" (Josef Schratienholz. Antisemiten-Hammer.)" Wenn ein christlicher Schriftsteller dieses eigentümlich findet, so muß es dem Juden geradezu beschämend erscheinen, wenn wir in der Zerfahrenheit und Rathlosigkeit unserer Lage die goldenen Winke und Mahnungen unbeachtet lassen, die in den Geistesschätzen unseres heiligen, göttlichen Schriftthums für uns niedergelegt sind. Nichts aber ist geeigneter, die Sehnsucht nach der bewährten Weisheit zu wecken, die aus unseren vom göttlichen Geiste getragenen heiligen Urkunden zu uns spricht, als die „Zcitstimmen", welche sich heute so vielfach vernehmen lassen. Man kann heute kaum eine Zeitung, jedenfalls aber keine jüdische Zeitung lesen, ohne auf den Gegenstand dieser Zeilen zu stoßen. Dieses Suchen und Tasten nach Rathschlägen und Heilmitteln, und die geringe Ausbeute, welche es liefert, erscheint wie eine Verwirklichung der verhängnißvollen Weissagung: r<^i -nyn wvu* “itPfo Dnnsn »ood mm .ytpiö O'O'.-i hi bim pi»y -ja rrm “pzm n« irbsn „Du wirst am Hellen Mittag umhertasten, wie der Blinde in der Finsterniß tastet, und kein Gelingen auf deinen Wegen haben; du wirst nur gekränkt und beraubt sein alle Zeit und keiner hilft." (V. B. M., 28, 29). Der Blinde kann den Gegenstand, nach dem er suchend umhertaßet, in seiner nächsten Nähe haben, er weiß es nicht. Die Sehenden können jedoch den Blinden wenigstens auf den richtigen Weg leiten. Aber dem Blinden in der Dunkelheit, die auch den Blick der Sehenden umflort, geht auch diese Leitung ab. Brauchen wir dieses Bild und seine Anwendung auf uns erst noch auszumalen, angesichts all' der Tastversuche, welche die für die rechte Erkenntniß Erblindeten immer weiter von dem Wege ablenkt, der allein zur Heilung führt? Vielleicht blickt dieses ynpiD jw, „daß keiner hilft", in welches jener