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Der Israelit · 1893-01-26 · Heft 8 (26.1.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 8 (26.1.1893)
Date
1893-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV.' Jahrgang. M 8. Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von IZr. Lehma«» in Mainz. Donnerstag, den 26. Januar 5653 (1893). Leitender Artikel. Aas Urogramm der „Zionisten". In der Gesinnung und in den Anschauungen des denkenden Theils der jüngern jüdischen Generation in Galizien vollzieht sich seit einer Reihe von Jahren ein merkwürdiger Umschwung, der die vollste Aufmerksamkeit weitester Kreise beanspruchen darf. Langsam, aber unaufhörlich, nicht immer klar, aber doch im allgemeinen ganz zielbewußt, geht dieser Prozeß vor sich, und seine Früchte dürften in absehbarer Zeit in der Gesammtrichtung des hiesigen Judenthums sich recht fühlbar machen. Der Inhalt dieser Geisteswendung läßt sich kurz in das Wort zusammenfassen: „Rückkehr zum Judenthum!" Rückkehr! Also muß doch ein Entfernen vorangegangen sein! so höre ich den erstaunten Leser ausrufen. Und dies in einem Lande wie Galizien, das doch immer als der Hochsitz des konservativen Judenthums mit Recht gegolten hat. — Ja, ein solches Entfernen lvom Judenthum hat in Galizien, und zwar in den maßgebenden und einflußreichen Kreisen, stattgefunden, hat im Verlaufe mehrerer Jahre angehalten, aber als es immer größere und bedenklichere Dimensionen anzunehmen begann, trat eine Reaction ein. Und das Merkwürdige an der Sache ist, daß diese neue Bewegung von der Jugend ausgeht, die doch sonst von Natur neuerungssüchtig und meist dem Althergebrachten abhold zu sein pflegt. Aber es war wirklich höchste Zeit, daß man einlenke. Es bedurfte bei uns nicht jener gewaltsamen Erschütterungen und außerordentlichen Ereignisse, durch welche in Rußland die Vorsehung unsere Brüder ermahnt hat, auf der Jagd nach dem Fortschritt, zur Erwerbung bürgerlicher Rechte und anderer weltlicher Vortheile, sich vom Ursprünge, wo die Quelle des Lebens ist, nicht allzuweit zu entfernen.In Galizien entsprang die neue Bewegung, obwohl nicht ganz außer Zusammenhang mit den traurigen Vorgängen in Rußland, doch, so zu sagen, aus der natürlichen Lage rer Dinge. Seit Beginn der constitutionellen Aera nämlich, welche den Juden in Oesterreich die bürgerliche Gleichberechtigung, wenigstens auf dem Papiere, brachte, begann, namentlich in den höhern Kreisen der jüdischen Bevölkerung, eine Bewegung, sich durch allmähliches Nachlaffen vom Herkommen, der neuerrungenen Gleichheit „würdig" zu machen. Man erzählt, daß einer der hervorragendsten und einflußreichsten Rabbiner Galiziens, nämlich '-i ]wjn ns"DD y'si nD^tp, über die Emancipation der Juden äußerst verstimmt gewesen sei, und der darob erstaunten Umgebung geäußert habe, die neue Freiheit könnte die Religiösität der jüd. Bevölkerung erheblich lockern. Und die Befürchtungen dieses weitsichtigen Mannes haben sich nicht ganz unbegründet gezeigt. Denn gewisse Kreise entfremdeten sich dem hergebrachten Judenthum immer mehr, um sich den Zutritt zu Aemtern und Würden zu erleichtern. Ja die Taufe, welche einst zu den größten Seltenheiten unter den galizischen Juden gehörte, begann unheimlich häufig aufzutreten. Kurz, es bemächtigte sich der Juden eine Art von Freiheitstaumel, und im Drange nach Genuß der jungen Gleichberechtigung ließen die Höherstehenden oft Stück für Stück vom alten „Ballast" zu Boden sinken Es galt das Losungswort, man müsse das Judenthum den neuen Verhältnissen „anpassen". Der Ausdruck dieser Bestrebungen war die Gründung des Vereines „Schomer Israel", der sich im Laufe der Zeit indessen viele Verdienste erwarb, indem er in seinem Organ „Der Lemberger Israelit" die regelmäßig gegen das Judenthum erhobenen Angriffe in der Landespresse energisch zurückwies, und durch sein mannhaftes Auftreten mehr denn einmal ein Verfassungsrecht, das sonst für die Juden todter Buchstabe geblieben wäre, zur That machte. Allein trotz seiner Verdienste nach Außen, die nicht bestritten werden dürfen, hat der genannte Verein nach

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