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Der Israelit · 1893-01-23 · Heft 7 (23.1.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 7 (23.1.1893)
Date
1893-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang, M 7, Der Israelit. Ein Genlrat-Zrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von IZr Lehman« in Mainz. Montag, den SS. Januar 5653 (1893). Leitender Artikel. Mt Wtze ms m unfeteu Fremden. (Schluß.) Mainz, 19. Januar. Die Behauptung, daß eine Minderheit sich von dem fruchtbringenden Zusammenleben mit der Gesammthcit abschließt, um nicht Speise und Trank mit ihr zu theilen, ist eine ganz ungeheuerliche Verleumdung. Eine solche Abschätzung ist nicht nur nirgends uns zur Pflicht gemacht, sondern das Gegentheil ist uns ausdrücklich ge-sten, Wshl gibt es eine Anzahl von Speisen und Getränken, die uns zum Theil verboten, theils nur unter gewissen Bedingungen gestattet sind. Wo diese Bedingungen eingehalten sind, können wir alles in Gemeinschaft mit Nichtjuden genießen, und wo sie nicht eingehalten werden, ist uns ihr Genuß auch in Gesellschaft von Juden nicht gestattet. Wie die Dinge heute liegen, brauchen wir, wenn unsere außerjüdischen Feinde uns zum Vorwurf machen, daß wir nicht mit ihnen essen und trinken, nur ruhig die Gegenfrage zu stellen, ob sie denn mit uns essen und trinken wollen. Sie beklagen sich darüber, daß wir mit ihnen essen und trinken, daß sie im Handel und Wandel, im Erwerben und Genießen allenthalben den Juden begegnen; unser Abschließen machen sie uns nicht zum Vorwurf. Das muß ihnen erst ein Denunciant, wie es unser Pamphletist ist, insinuiren. Der ganze Vorwurf übrigens, wo und wann er auch erhoben wird, wirft immer auf den, von dem er ausgeht, ein viel bedenklicheres Licht, als auf diejenigen, gegen die er sich richtet. Man nehme doch einmal die Dinge, wie sie in Wahrheit liegen. Wir Juden haben mit den Nichtjuden einen und denselben Gott, ein und derselbe Boden trägt die Lebenden, birgt die Todten, einem und demselben Vaterland opfern seine jüdischen wie seine nichtjüdischen Kinder Gut und Blut, beide fördern als Bürger in gleicher Weise das Wohl des Staates, wetteifern gemeinsam in allen Bestrebungen des Handels und Wandels, der Industrie und der Kunst, der Wissenschaft, der Fürsorge für die Armen und Gedrückten und in hundert anderen, das ganze öffentliche Leben gestaltenden Beziehungen, und wenn wir Juden nicht alles essen und trinken, was der Nichtjude ißt und trinkt, dann wäre damit der Abschluß von der Gesammtheit vollzogen, dann blieben nicht noch tausende von Fäden und Banden, von Interessen und Rücksichten, die uns mit unserer ttmTebnnF 'aufs Innigste verbtnvrn? Geht denn die ganze Gemeinsamkeit, die Menschen mit Menschen zusammenführt und verbrüdert, wirklich im Essen und Trinken aus? Wie gering muß doch Jemand von allen diesen Momenten denken, wie hoch muß er doch Essen und Trinken anschlagen, wenn ihm, — Sein und Essen identisch sind, und ohne Essen und Trinken auch kein fruchtbringendes Zusammenleben mit einer „aufgeklärten" Gesammtheit mehr denkbar ist. Das wäre eine wunderliche Sorte von Aufklärung, es wäre erniedrigend, auch nur ein weiteres Wort darüber zu verlieren.- Was die alte Verdächtigung betrifft, daß der Jude, der an dem Lande seiner Vergangenheit und seiner Zukunft auch in der Gegenwart mit der ganzen Innigkeit hängt, wie sie in seinen Gebeten zum Ausdruck kommt, daß dieser Jude deßhalb kein guter Staatsbürger sein könne, diese Verdächtigung ist schon so oft und so eingehend in ihrer verlogenen Gehässigkeit dargestellt worden, daß es genügt, auf irgend eine dieser Darstellungen zu verweisen. Diese Verheißung und die Sehnsucht nach ihrer Erfüllung hat durchaus nichts gemein mit den Gefühlen, Empfindungen und Gesinnungen, aus welchen die Treue, die Anhänglichkeit und die Hingebung für den Staat sich webt, der die Güter un-

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