Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1893)
- Date
- 1893-01-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Wissenschaft!. BeilageM ß uts „Israelit. u Maöja.^ Von L. Großberg, Budapest. Die Zeit, in der Akabja, Sohn Mahalalel's, lebte und seine Lehrlhätigkeit entfaltete, genau anzugeben, ist sehr schwierig; denn, während er laut mancher Ansicht ■*) schon ein Zeitgenosse des Abtalion war, behaupten Andere,«) daß unser Tanaite zu Zeiten Gamliel's II. gelebt habe. Die richtigste scheint Iuchastn's Meinung zu sein, wonach Akabja nicht nur Abtalions, sondern auch dessen Schülers, H i l l e l s, Zeitgenosse gewesen war. In Edioth (V.b.) wird über ihn ein charakteristischer Zug erzählt, welcher seinen erhabenen Jdeengang sowohl, als auch seine Charaktergröße in dem schönsten, hellsten Licht erscheinen läßt. Er — wie überhaupt unsere sämmtliche Weisen — war ein Mann von erhabenem Charakter und wies verachtend jeden, auch auf die größte Würde bez. Antrag zurück, sobald auch nur die Möglichkeit des Anscheines obwaltete, als wenn ihn der Wunsch nach Erlangung gewisser Aemter und Würden zur Meinungsänderung bewegen könnte. Zwischen Akabja und den zeitgenössischen Gelehrten herrschte über vier Glaubenssatzungen eine Meinungsverschiedenheit. In Folge dessen stellte man ihm den Antrag, daß er seine entgegengesetzte Ansicht — die übrigens zur Geltung nie kommen werde — aufgeben und sich zu der der Mehrheit bekennen möge, alsdann werde man ibn zum „Ab-Beth- Dtn" wählen. Aber er, obwohl das angebotene Amt eine der größten Würden war, zauderte keine Sekunde und antwortete folgendermaßen: „Eher will ich mein Leben lang ein Thor genannt werden, als daß ich vor Gott auch nur während einer Minute als Sünder erscheine, denn man könnte glauben, daß ich im Jntensse der Erlangung der Würde meine Ansicht geändert habe." Diese bündige Antwort gewinnt noch an Bedeutung, wenn wir in Betracht ziehen, daß — wie ich weiter erwähnen werde — er seinem Sohne es sogar zur unabweisbaren Pflicht machte, die Ansicht der Mehi heit anzuerkennen. Da Aknbia seine individuelle Ansicht über die vier in R.de stehenden Satzungen auch dann jener der Majorität nicht unterordnete, als man sich zum *) Der Verf. stellt uns eine Reihe Biographien unserer Tanaiten wie vorliegende in Aussicht; wir hoffen, bald wieder eine solche bringen zu können. D. Red. 1) Siehe M ö iri's Einleitung zum Werke „Beth Habechira" und Sedcr Hadoroth Schlngw. Akabja. 2) S. Rappoporl's Studien im „Kerem Chemed", Jahrg. 1841, Seite 176. Beweise der Unrichtigkeit seiner (Akabja's) Meinung auf S chemajah nnd Abtal ton beries, und da er bei dieser Gelegenheit über diese — damals schon verstorbenen — zwei großen Weisen sich nicht mit gebührender Achtung äußerte, behaupten Manche, daß man ihn in den Bann gelegt hättet; aber R. Jehuda tritt dem entgegen und stellt diese Annahme auf Grund von Beweisen *) in Abrede, indem er u. A. sagt: Wer es behauptet, daß Akabja in den Bann gelegt worden sei, wird zur Verantwortung gezogen weiden. ^) Von Akabja's großer Gelehrsamkeit und seltener Frömmigkeit zeugt folgender Ausspruch des Talmuds: Es ist unmöglich, daß über A. der Bann verhängt worden wäre, da, als die Thüren des heiligen Tempels zu Jerusalem am Rüsttag des Pesachfestes hinter der unzählbaren Menge geschlossen wurden, unter sämmtlichen Keiner so weise und gottesfürchtig war, als Akabja, Sohn Mahalalels; sondern der thatsächlich erfolgte Bann beziehe sich auf Elieser b. CH an och. *0 lieber Akabja's Familie ist nur soviel bekannt, daß er einen Sohn htnterließ, über dessen Name eine Meinungsverschiedenheit obwaltet.7) * * Von seinen agadischen Sprüchen und Sentenzen sind uns nur wenige bekannt, aber sämmtliche sind von großer Bedeutung. In diesen herrlichen Lehrsätzen lehrt er Friedensliebe, Frömmigkeit und Bescheidenheit und nimmt gegen die Protektion, die gefährliche Krankheit unserer Gesellschaft, energisch Stellung. Auf Friedensliebe weist jene Thatsache, daß er vor seinem Hinscheiden seinem Sohn 3) S. Edioth ibitl u. Berachoth 19b. 4) Edioch a. ci. St. u. Sifri Parschath Behaalo'hcho. 5) Auf diese Aeußerung sich stützend, stellt Abr. Zacuto in Juchnsin fest, daß A. wahrscheinlich in den Bann geihan, dieser aber dann außer Kraft gesetzt wurde. 6) S. Berachoth ibiil., Pes ach im 64 b. u. Edioth a. a. St. An erster St. steht außer „Chachmah" (Weisheit) und „Jiraß Chet" (Gottesfurcht), auch noch „Tahara". Bartinuroh liest auch noch „Anowoh" (Bescheidenheit). 7) Dieser wird in Edioch a. a. St. ohne Benennung erwähnt. — In Sifri Barsch. Schelach u. Jer. Kilaim (VIII) findet sich der Name I ß i ben Akabja; die Tosesia spricht von einem Jßi Hababli. Peßachim 113 b. u. Joma 52b. äußern sich folgendermaßen: Unter Josef Hababli, Jßi ben Gur- Arjeh, Jßi b. Jehuda, Jßi b. Gamliel, Jßi b. Mahalalel wird nur ein u. dieselbe Person verstanden; sein wirklicher Name ist: Jßi b. Akabja. Die richtige Erklärung dieser sonderbaren Erscheinung gibt das Werk „Schalscheleth Hakabala", wonach unsere Weisen in den Zeiten der Verfolgung — um dem sichern Tode entrinnen zu können — gezwungen waren, ihren Namen zu ändern. Siehe übrigens: Nid ah 36b und Tosafoch zur St. u. Joma Tosafoth, Schlagw.: Jßi.