Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1893)
- Date
- 1893-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. M 6 Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenIHum. Begründet von »r. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den LS. Januar 5653 (1893). Leitende Artikel. ßineKetrachtung zuUaraschaly Ao. Von G. Andorn Crefeld. Der Wochenabschnitt, der kommenden raff verlesen werden wird, fühlt uns ein Bild vor, das gar manche Sehnlichkeit mit der Lage eines großen Theils unserer Brüder in der Jetztzeit besitzt. Wir sihen unsere Vorfahren in fremdem Lande gedrückt, geknechtet. jeder Willkür und Unbill preisgegeben, nff? rrojn on*n n« n-m. Die Feinde der Israeliten liefen sich keine Mühe verdrieße, ihnen das Leben unerträglich zu machen D'abai no-a. Sie stöberten alles auf, jeden Schmus. den sie ihnen zur Last legen konnten, f 23 ernay j-n, alle schlimmen Dienste, welche sie ihnen erweisen, alle Beschuldigungen, welche die Gegner der Israeliten gegen sie vor bi achten, wurde in maßloser Uebertreibung, in blinder Wuth und unter Verleugnung aller edlen Menschlichkelt vorgebracht. Diese Verfolgung aber war für unsere Vorfahren ebenso wenig entehrend, wie sie auf sittlichem Gebiete schlimme Folgen zeitigte. Das Dichterwort ist ja bekannt, daß nicht die schl chtesten Früchte von den nagenden Insekten ausgesucht werden. Zu allen Zeiten hat sich Israel biffer und edler bewüsen als seine Verfolger und der Druck der Verfolgung hat bei den Israeliten gerade die edelsten sinlrchen Keime zur Entfaltung gebracht. Dieser Gegensatz, in denk Israel zu seinen Drängern strht und stand, ist uns in den Worten des Wochenabschntttes angedeutet. ■w nvi Vroer babi O'iLv p>a nbex -}ffn .Dnaffica Es herrschte eine unheimliche Finsterniß im Lande Aepypien; keiner sah oder wollte den andern sehen; keiner rührte sich von seiner Stelle. Aber bei allen Kindern Israels erfüllte Licht, erfüllte Wärme die Wohnungen. nbsN -|ffn \-m. Ja es herrschte zu allen Zeiten eine greifbare Veifi isterung in Aegypten. Wir wissen aus seiner G schichte, wie ein Stand sich von dem andern abichloß, wie der eine sich ängstlich hütete, mit dem anderen in Berührung zu kommen; wie die Priesterfchaft ihr Wissen dem Volke vorenthiclt, um es darniederhalten zu können. In diesem Lande rn« rw ff-N i*n r«b sah einer nicht den andern, den B.uder, vereinte keine Bruder- und Menschenliebe die Volksgenossen. mim ff’« iap «b. Keiner sah über seine Kaste hinaus, keiner suchte einem Unglücklichen außerhalb derselben zu h lien; keiner rührte sich von der Stelle, wo es galt, Unglück zu mildern, Le d tragen zu helfen, Elend zu beseitigen, Freude zu theilen, Anderer Wohl zu fördern. ,-,b2N *;ffn Es herrschte eine undurchdringliche Gefühlsdunkelheit, eine erkältende Empfiudungsleere. — Wie ganz anders bei den Israeliten! □raffica -ns rvn bfOff' \n W>i. Bei allem Druck von Außen, vermochten alle Verfolgungen der Finsterlinge nicht, das Acht edlen Menschenthums in ihnen zu ersticken. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit ließ ein Familienleben erblühn, das alle Stürme von Außen überdauerte, das leuchtete und erwärmte in den finsteren Zeiten des Hasses und der Unduldsamkeit. Das ganze große Volk betrachtete sich wie eine einzige große Familie, deren Glieder zu gegenseitiger Hi feleistung und Antheilnahme verpflichtet sind. Da erfüllte ein Gefühl der Zusammengehörigkeit alle Volksschichten. Moses, der Mann von fürstlichem Range, setzt Stellung und Leben für den mißhandelten StammeSgenoss n ein. Einer half dem Andern sein Loos tragen, J'der wollte in edlem Wetteifer dem Andern die Bürde erleichtern. Das waren die Lichtseiten, die in Israels Wohnungen zu erkennen waren. Dagegen traten kleine Schwächen, die ihtien anhafteten, in den tiefsten Schatten zurück. — Wenn heute unsere Feinde wieder gegen uns anstürmen,