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Der Israelit · 1893-01-16 · Heft 5 (16.1.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 5 (16.1.1893)
Date
1893-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M S Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentßum. Begründet von Lehmann in Mainz. Montag, den 1«. Januar 5653 (1893). Leitender Artikel. Gatt schütze uns vor unfeten Freunden. Mainz, 15. Januar. Wir haben unseren Lesern in Nr. 3 d. Blätter einen Freund dieses Schlags in dem Leitenden Artikel „Aus unserer Briefmappe" vorgeführt. Heute liegt uns eine ähnliche Kundgebung eines solchen in einer Broschüre vor, die sich in den Schleier der Anonymität hüllt. Der Verfasser will sich erst nennen, wenn er Anhänger findet, weil er glaubt, daß sein Name seinen Worten schade. Damit kann er vielleicht Recht haben. Aber wenn er glaubt, für eine Sache Anhänger m gewinnen, für die er nicht einmal mit seinem Namen einstehen will, so verlangt er von den künftigen Anhängern mehr, als er selber bietet und erinnert an jenen Muthigen, der erst ins Wasser gehen wollte, wenn er schwimmen könne. Doch das nur nebenbei. Die Anonymität interessirt uns nur insofern, als sie verräth, daß der Verfasser selber eine Ahnung von der Ungeheuerlichkeit seiner Nalhschläge zu haben scheint. Und in der That, von den erbittertesten Feinden gehaßt zu sein, ist nicht so schlimm, als von solchen Freunden berathen und vertheidigt zu werden. Wir betonen auch hier, daß uns die Schrift nur insofern interessirt, als sie die letzten Mele einer gewissen Sorte von Inden mit erfreulicher Klarheit veranschaulicht. Für den Gegenstand, den sie behandelt, ist sie vollständig belanglos ohne und mit Namen. Sie gießt höchstens Oel in den Brand, den sie löschen zu wollen vorgibt. Das sieht man bereits aus dem Jabel, mit dem sie von der antisemitischen Presse begrüßt wird und an der Entrüstung, die in den jüdischen Kreisen, in die sie gelangt ist, überall darüber herrscht. Sie führt den Titel: „S ch u tz j u d e n oder Staatsbürger" und ist durch den Beschluß des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, den Kaiser um Schutz gegen den Antisemitismus anzuflehen, veranlaßt worden. Da dieser Beschluß inzwischen wieder rückgängig gemacht wurde, so hat dieser Hauptgegenstand der Schrift nur akademischen Werth. Für den uns aufgedrungenen Kampf meint der Verfasser, bedürfen wir der Wahrheit und des Murhes. Was den Math betrifft, so geht uns er Rathgeber durch seine Namenlosigkeit mit gutem Beispiel voran. Wie es mit der Wahrheit aussieht, die hier verzapft wird, davon wird mau sich aus den folgenden Proben leicht überzeugen. Der Berf. zählt sich und seine Gesinnungsgenossen zu den Gebildeten, und wiederholt mit vielem Pathos: „Wir gebildeten Juden." Er ermahnt sich und seine erhofften Anhänger zur Toleranz mit dcn Worten: Seien wir ohne Unduldsamkeit. Wie er selber diese Mahnung befolgt, dafür zeugt fast jede Seite seiner Schrift, welche die Anhänger des überlieferten historischen Judenthums mit den liebenswürdigsten Epitheta's bedenkt. Es wimmelt geradezu von „Dunkelmännern, blinde Minderheit, Fanatiker der Talmudweisheit" und ähnlichen Beweisen von Bildung und Duldsamkeit. Der Talmud hats ihm besonders angethan. Obwohl die Moral des Talmud eine gute ist, wie er aus eigener Kenntniß zu wissen vorgibt, so findet er es doch verfehlt und wahrheitswidrig, ihn gegen die Angriffe seiner Verlästerer zu verthetdigen, weil er für ihn und die melften anderen kein bindendes Buch mehr sei. Er nennt seine das jüdische Pflichtenleben regelnden Satzungen verschimmelte Gesetze und knüpft daran die verlogene Denunciation, daß dieselben der blinden Minderheit verbiete, mit der aufgeklärten Gesammtheit Speise und Trank zu theilen! „Die Majorität der deutschen Juden steht auf einem ganz anderen Standpunkte." Der bessere

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