Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1893)
- Date
- 1893-01-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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baut wird, welche dazu bestimmt ist, neben dem Unterricht einer Volksschule, den nothwendigen Kenntnissen der heiligen Sprache und der Erziehung im Sinne des traditionellen Judenthums, sowie Ausbildung im Turnen, Schwimmen und sonstigen-Leibesübungen, die Knaben schon während ihrer Schulzeit, je nach Steigung und Veranlagung im Gartenbau und verschiedenen Handwerken zu unterweisen und ihren Kräften angemessen zu beschäftigen. Ohne auf die Kinder einen Zwang ausüben zu wollen, sämmtlich Handwerker und Gärtner zu werden, beabsichtigt man dennoch die ärmere Klasse vom Hausir- und Kleinhandel möglichst fern zu halten. Der Erbauer dieser Anstalt, Herr Alexander Moritz Simon hat sich seit Jahren bewährt, nicht nur als Mann, der ein warmes Herz und reges Jnteresie für gemeinnützige Unternehmungen hat, sondern als ein durchaus Praktischer Mann, der namentlich in den verschiedenen Zweigen des Gartenbaues erfahren ist und bereits in seiner eigenen sehr ausgedehnten Gärtnerei gute Erfolge erzielt hat, so daß einige seiner Produkte, unter andern Maiblumen, die besten ihrer Art weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt sind. Das von Herrn Simon behufs Errichtung dieser Erziehungsanstalt erworbene Terrain von ca. 70 Morgen ist gesund und schön belegen und hat einen für die verschiedenen Zweige der Gartencultur vorzüglich geeigneten Boden. Die Anstalt ist mittelst der Pferdebahn vom Centralbahnhof Hannover aus in einer halben Stunde zu erreichen. Trotzdem die Gebäude erst im September in Angriff genommen wurden, ist das Hauptgebäude bereits von außen verputzt mit Dach und Fenstern versehen, so daß auch selbst bei ungünstiger Witterung das Innere vollendet werden kann. Im Frühjahr wird das Haus fertig und trocken sein und die Eröffnung wird gleich nach Ostern stattfinden können. Der Garten, von dem vorläufig erst 30 Morgen zur Anpflanzung von Obstbäumen, Beerenobst, Maiblumen, Rosen und verschiedenen andern Pflanzen hergerichtet sind, wird in der ersten Zeit große Aufwendungen erfordern, in wenigen Jahren aber nach dem Urtheil von Sachverständigen gute Erträge und Ueberschüsse liefern. Den Ankauf des sehr werthvollen Terrains, den Bau der Gebäude, sowie die nicht unerheblichen Kosten der Instandsetzung des Gartens, Ankauf der Pflanzen jc. bestreitet Herr Simon ans eigenen Mitteln; bei Anschaffung des Inventars ist andern Menschenfreunden Gelegenheit gegeben, sich an diesem Werke zu betheiligen. Als Vergütung für sämmtliche Unterhaltungskosten der Zöglinge inclusive Schule, Bekleidung jc. wird anfänglich 400 Mark pro Jahr berechnet, obgleich in den ersten Jahren, wo der Garten noch keine Erträge liefert, die Kosten sich höher stellen werden. Die Mehrkosten wird Herr Simon aus seinen Mitteln bestreiten. In späteren Jahren, wo die Er- I träge des Gartens, die in Folge der zweckmäßigen Anlage I voraussichtlich bedeutend sein werden, dem Unternehmen zu Gute kommen, verringern sich die Unterhaltungskosten der Anstalt wesentlich. Es wird beabsichtigt alsdann nicht nur den Pensionspreis zu ermäßigen, sondern auch eine bestimmte Anzahl Zöglinge frei aufzunehmen. Diejenigen Gemeinden und Corporationen, welche von Anfang an das Unternehmen unterstützen, werden alsdann naturgemäß bevorzugt. Uebrigens ist der Pensionspreis von 400 Mark für alles, was den Zöglingen geboten wird, namentlich im Vergleich zu den Kosten anderer jüdischen Erziehungsanstalten, so niedrig bemessen, daß die Aufnahme als eine Begünstigung angesehen werden kann. Wir möchten daher allen denjenigen Gemeinden und Corporationen, welche nächsten Ostern gesunde und moralisch unverdorbene Knaben unterzubringen haben, rathen, sich frühzeitig an Herrn A. M. Simon, Hannover zu wenden. Pforzheim (Baden). In diesen Tagen wurde die nach den Plänen des Professors Levy in Karlsruhe mit einem Kostenaufwande von M. 180,000 erbaute Synagoge eingeweiht Bei der Feier waren die Regierung, die Spitzen der Staats- und städtischen Behörden, die Geistlichkeit aller Konfessionen und sonstige Körperschaften vertreten. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Schwarz aus Karlsruhe. Mustervorstände scheint die Gemeinde Gemmerich zu besitzen. Mit denselben hatte sich am 0 dss. die Strafkammer in Wiesbaden zu beschäftigen. Gumbel I., der mit dem Vorstand Löb H. nicht in Frieden lebt, stand am Sabbat „Segen" und benutzte dies heilige Amt dazu den Sohn des L. H>, Hermann H. nicht in der rechtmäßigen Reihe, sondern erst nach jüngerenMitgliedern aufzurufen. Hermann leistete nun dem Aufrufen nicht Folge, Guinbel I. schrie durch die Synagoge: „Wer nit raufgeht soll untergehn", worauf Vater und Sohn H. dem Gumbel I. zu Leibe rückten und es kam zu Thätlichkeiten. Die Sache endete mit der Verurtheilung des alten H. zu 2 Tagen Haft. — Haben denn diese Herrn gar keine Ahnung von der Heiligkeit des Ortes, daß sie es wagen können, den Gottesdienst zum Austrag ihrer Privaistreitigkeiten zu benützen? „Bedenke vor wem Du stehst," das sollte die Gemeinde Gemmerich künftig an ihre Synagogenthüre, deren Vorsteher aber sich in's Gedächtniß schreiben. Briefkasten der Redaetion. Von Herrn Rabbiner Dr. Caro in Lemberg werden wir ersucht, in Rücksicht aus seinen greisen Vater pp"“i ’"J pJffifOiJNbn mitzutheilen, daß der berüchtigte Leopold Caro mit dessen Familie in gar keiner, auch nicht weitläufiger Verwandtschaft steht. L. in F. Der Kreis Friedeberg hat 57,887 Einwohner, wovon 726 Katholiken und 704 Juden. Mnzetgen._ Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. «Scheitel-Fabrik^ 5 Frankfurt a. M. 0 i Hloöert Hümmel, f 5» Stets das Neueste, gut und billig, * schon von 6 M. an. Auswahlseng Hdüngen franco. (Nach dem Aus-« « lande nur gegen Nachnahme.) © f Pensionat und höhere Töchterschule Frftul. Jenny Lehmann, Hannover. 3 Rumaustrahe 3. Gründlicher Unterricht in allen Wissenschaften, Sprachen, Handarbeiten und Musik. Anleitung im Haushalte. Prospekte durch die Vorsteherin. (6733 9B -ö