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Der Israelit · 1893-01-12 · Heft 4 (12.1.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 4 (12.1.1893)
Date
1893-01-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Meile Beilage;u M 4 des „Jsrnelit“. Literarische Hlotiz. Herr Jsaac Hirsch in Hannover hat eine Broschüre unter dem Titel „Verträgt sich die Talmud-Moral mit dem deutschen Staatsbürger-Rechi?" herausgegeben. (Hannover, Mauz und Lange.) Dieselbe wendet sich an die Nichtjudcn Hannovers und fordert diese in eindringlicher und überzeugender Weise auf, sich von den judenverhetzenden Strömungen fernzuhalten. Ueber den Talmud äußert sich der Verfasser wie folgt: Die jüdische Bibel ist Gemeingut der Menschheit geworden; in jedem christlichen Hause ist sie zu finden. Der Talmud hingegen entzieht sich der allgemeinen Kenntniß. Selbst die Wortführer des antisemitischen Getriebes, welche ihn verlästern und in Wort und Schrift besudeln, haben schwerlich jemals ein Exemplar des Talmuds gesehen. Und eben weil sie dieses wissen, weil sie die Unbekanntschaft des Volkes mit diesem Werke bestimmt annehmen können, erdreisten sie sich, die entsetzlichsten Ungeheuerlichkeiten über den Talmud zu verbreiten und ihn mit einem Lügengespinnst abscheulichster Art zu umgeben. Auf dieses hinweisend, rufen sie in die Welt hinaus: seht, dieses furchtbare Buch ist die Religionsquelle der Juden! Und wie seine Religion, also der Jude! Wollte Gott, es wäre also — es hätte bereits ein jeder Jude die hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht, zu welcher ihn das hehre in seiner Religion ihm gewiesene Ideal erziehen und führen will! Wer aber darf sich rühmen, seinem Ideale nahe gekommen zu sein! Je hoher das geistige und sittliche Vermögen des Menschen, desto Häher seine Ideale, deren volle Verwirklichung nur sehr wenigen Auserkorenen unter den Staubgeborenen vergönnt ist. Ein Jeder hat aber die Aufgabe, das Ideal der Religion zum Ziele seines Strebens und Schaffens unverrückt vor Augen zu haben. Und so ist denn auch Gottlob das Leben des Juden von dem Geiste seiner Religion getragen, und es läßt sich allerdings in voller Wahrheit behaupten, daß der Talmud den Juden in seiner geistigen und sittlichen Entwicklung gestaltet hat von jeher bis zum heutigen Tage. Denn der Talmud enthält eben die ursprünglich der mündlichen Weitertradirung überlassene Erläuterung und Festsetzung des in dem Schriftwort des Pentateuchs kurz gefaßten Gesetzes, welches mit diesen Erläuterungen am Sinai von Gott dem Moses offenbart worden ist. Diese schriftliche Fixirung der mündlichen Ueberlieferung erfolgte, um solche vor Vergessenheit zu bewahren, die wegen der Ungunst des Geschickes der Juden befürchtet wurde. Ferner enthält der Talmud diejenigen Entscheidungen und Anordnungen der jüdischen Gesetzeslehrer, welche auf Grund des sinaitischen Gesetzes und zur Wahrung desselben getroffen waren und die gleiche Verbindlichkeit für die gewissenhafte Beobachtung wie das göttliche Gesetz besitzen. Dieser Theil des Talmuds, der halachische genannt, ist das Gesetz. In eigenartiger Fassung bringt er die Verhandlungen über die entsprechende Materie in dem Austausch der gegenseitigen Meinungen bis zur Schöpfung und Feststellung des maßgebenden Resultats zur Wiedergabe. Dieses Endergebnitz hat allgemeine religiöse Gesetzeskraft, die von demselben abweichenden Aussprüche natürlich nicht. Neben dem halachischen geht der agadische Theil ohne eine solche verbindliche Autorität als die Meinung Einzelner. Er verbreitet sich über die verschiedensten Gebiete der Wissenschaften, er enthält Gleichnisse, Sprüche, philosophische und moralische Betrachtungen und dergleichen mehr. Wir wünschen dem prächtigen Merkchen die allergrößte Verbreitung. Zeitungsnachrichten nud Gorrefpoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 7. Jan. Denjenigen, die Alles für baare Münze nehmen, steht eine hübsche Ueberraschung bevor. Wie ein hiesiges Blatt erfährt, ist einer Berliner Gravir- und Prägeanstalt der Auftrag ertheilt worden: 50,000 Ahlwardt-Münzen zu prägen. Ueber Zweck und Aussehen der Münze wird nichts Näheres mitgetheilt, für Vermuthungen steht also ein weiter Spielraum offen. Soll die Münze etwa ein Erkennungszeichen für die Mitglieder des D. A. B. werden, die z. B. beim Eintritt in „judenreine" Kneipen vorgezeigt werden muß? Oder soll sie eine Gedenkmünze werden, die wie ein Georgsthaler an der Uhrkette getragen wird? Es wäre ein sinniger Vorwurf, Ahlwardt als den Ritter St. Georg darzustellen, wie er den Drachen der Goldenen Internationale mit einer Judenflinte erschießt! Auf dem Revers aber könnte die Medaille das Bild — Lesstngs mit der Unterschrift tragen: „Thut nichts, der Jude wird verbrannt!" Auch als Stegesthaler würde das patriotische Anhängsel seinen Zweck erfüllen: auf dem Avers müßte die siegende Wahlziffer von Frtedeberg-Arnswalde prangen, die Kehrseite der Medaille aber wäre ein Relief, den „Sieg der Vernunft" darstellend. Wie aber die Münze auch ausfallen möge: alle Sammler werden eine große Freude haben, wenn sie dem holländischen Löwe- Thaler, der sehr selten ist, den urgermanischen Alhwardt-Thaler als Pendant beifügen können. Der große Mann, der ja schon lange als ein ausgeprägter — Kopf gilt, wird dann endlich erkennen, daß nicht die Juden es waren, die es auf ihn „gemünzt" haben, sondern seine eigenen Gesinnungsgenossen. Denn auch die Ahlwardt-Medaille ist nur ein Produkt des Geschäfts-Antisemitismus: diese Retter des Vaterlandes, die jede Woche für einen neuen „Fonds" fechten, sind eben große — Münzensammler! Vermischtes. Hannover, im Januar. Schon vor einiger Zeit haben wir in diesem Blatte darauf aufmerksam gemacht, daß beim Sool- und Schwefelbad Lummerbrunnen, unweit der Stadt Hannover, eine Erziehungsanstalt für jüdische Knaben er-

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