Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1893)
- Date
- 1893-01-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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67 sehr von der großen Welt bemerkt wurde, wie dasjenige, das sich auf dem Weltmärkte geltend macht. Auf diese Weise ist es zu erklären, daß im Großen und Ganzen die Fühlung zwischen dem Volk der kleinen Leute und der Juden aufhörte, die früher eine so innige gewesen, als beide noch unter demselben Joch politischer Unfreiheit seufzten. Die Juden sind dem arbeitenden Volke tatsächlich durch ihre wirthschaftliche Sonderstellung entfremdet worden. (Das ist nicht richtig. Red.) Sie sind als Unternehmer bei der Produktion, als Zwischenhändler beim Waaren-Cirkulations-Prozeß oder im Geldverkehr als Bankiers, Gelddarleiher, Agenten u. s. w. beschäftigt. Viele von ihnen wissen nicht, welche Aspirationen in der schwer arbeitenden Klasse nach Geltung ringen, welche Gedanken und Anschauungen die geistige Atmosphäre bilden, in der der Arbeiter lebt und schafft. Daher kommt auch das Mißtrauen, welches vielfach im niederen Volke gegen die Juden vorhanden ist. Das Mißtrauen gegen den Juden ist ursprünglich nicht größer, als das instinktive Mißtrauen gegen viele andere Gesellschaftsklassen; aber es wird genährt und gestärkt durch die antisemitische Verhetzung, die in unseren Tagen Riesendimensionen angenommen hat und mit der zunehmenden Verschlechterung der sozialen Lage immer zunehmen und immer anwachsen wird, bis der Antisemitismus zur reißenden Fluth geworden, die Alles hinwegspült, was sich ihr entgegenstellt. Das kann allerdings nur dann geschehen, wenn seitens der Bedrohten keine Dämme aufgeführt werden gegen die antisemitische Hochfluth. Solche Dämme aber können aufgeworfen werden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzeu. Deutschland. Mainz, 6. Jan. Der vielgeschmähte „mammonistische Geist" die „Feilheit der Gesinnung" bei den Antisemiten offenbart sich in folgendem Inserat, das wir der Nr. 1 des „Allg. Anz." für Druckereien (Klimsch u. Cie.) entnehmen: Verleger gesucht! In einer Stadt von ca. 30,000 Einwohnern, in der sich nur eine einzige und zwar liberale Zeitung befindet, wird ein Verleger oder Druckereibesitzer mit etwas Kapital gesucht, der die Begründung einer antisemitischen Zeitung ins Werk setzen will und kann. Die Stadt und Umgegend ist dieser Sache äusterst günstig gesinnt und wird Unterstützung zugesichert. Offerten unter 352 A. an die Expedition dieses Blattes erbeten. Geld kann man am Besten verdienen, wenn man Modeartikel fabricirt und so wird sich wohl auch ein Buchdrucker „mit etwas Kapital" finden, der dieser Gelegenheit zu liebe „überzeugter" Antisemit und über Nacht „Talmudgelehrter" wird. Berlin, 6. Januar. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung reproducirt an hervorragender Stelle einen Artikel der Kölnischen Zeitung gegen die Mitgliedschaft deutscher Juden oder Deutscher überhaupt an der Alliance Jsraelite, in welcher nicht aus antisemitischen, sondern aus allgemein politischen Gründen die Alliance bedenklich gefunden wird, weil die Franzosen in derselben überwiegen und auch in den von ihr geförderten Humanitären Unternehmungen, namentlich im Orient, der französische Einfluß prävalire und das Ganze schließlich den französischen Einfluß im Orient stärke. Die deutschen Mitglieder sollten die der Alliance gewährte Unterstützung lieber direct den deutschen Juden oder sonstigen Zwecken zuwenden, wo menschliches und religiöses Empfinden mit nationalem Bewußtsein nicht collidire. (Die deutschen Mitglieder des Central-Comits der Alliance Jsraelite sollten darauf dringen, daß in den von der Alliance errichteten und unterstützten Schulen im Orient die deutsche Sprache als Unterrichtsgegenstand ausgenommen werde. Red.) Xante«, 8. Jan. Herr Oberstaatsanwalt Hamm aus Köln und der Erste Staatsanwalt, Baumgard, sind der „Köln. Ztg." zufolge Hierselbst eingetroffen, um bezüglich des Knabenmordes weitere Untersuchungen vorzunehmen. Ueber das Ergebniß verlautet nichts Bestimmtes. Germersheim. Am 1. Januar d. I. versammelten sich mehrere isr. Religionslehrer behufs Gründung eines isr. Religionslehrervereins. Der Zweck des Vereins soll sein, den Hinterbliebenen der Religionslehrer, die nicht pensionsberechtigt sind, Unterstützung zu gewähren. Als jährlicher Beitrag wurde vorerst 6 Mk. und, als Jnserationsorgan der so sehr weit verbreitete „Israelit" bestimmt. Es ergeht deßhalb an alle Religionslehrer, welche Lust haben dem Verein beizutreten, die Bitte ihre werthe Adresse mittelst Postkarte dem provisorischen Vorsitzenden, Herrn Lehrer Ferdinand Ehrmann in Germersheim, Rheinpfalz, baldigst mitzutheilen. Statuten werden auf Verlangen gratis zugeschickt. Aus Eisenach. Unser wirkungsfreudiger Herr Lehrer H ei d ingsfeld hat in diesem Jahre am achten Chanukkaabend der hiesigen israel. Schuljugend und damit auch der hies. isr. Gemeinde, ein so schönes Chanukafest bereitet, daß dasselbe innerhalb der Gemeinde mehrere Tage die Unterhaltung beherrschte und überall nur Aeußerungen freudiger Anerkennung und Dankbarkeit laut wurden. Auf erfolgte Einladung hatte sich Abends 1/28 Uhr die