Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1893)
- Date
- 1893-01-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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»■; :! : i 32 Hamburg, 22. Dez. Ein Berliner Correspondent der Münchner „Allg. Zig." schrieb über die Stellung des Fürsten Bismark zur Jndenfrage u. A.: „Fürst Bismarck hat in Frankfurt mit dem alten Rothschild, in Berlin mit Herrn v. Bleichröder in sehr guten Beziehungen gestanden und der Letztere bewahrt dem Fürsten auch heute noch eine Ergebenheit und dankbare Anhänglichkeit, an welcher viele unsere „patriotischen" christlichen Landsleute sich ein Muster nehmen könnten. Er dürfte gleichfalls wissen, wie Fürst Bismark über die Bestrebungen des Antisemitismus denkt. „Tageblatt" und „Freis. Ztg." würden viel eher im Rechte sein, wenn sie dem Fürsten Bismark die Vaterschaft für die Stellung zuschrieben, welche die Juden heute gesetzlich und verfassungsrechtlich in Deutschland einnehmen. Fürst Bismark hat ihre Emancipation durch das Gesetz vom 3. Juli 1869, welches gegen seinen Willen nie zu Stande gekommen wäre, erst vollendet, wie er es gewesen ist, der in Artikel 3 der Reichsverfassung die Gleichberechtigung der Confessionen mit der verfassungsrechtl. Bürgschaft umgab." Soweit der Korrespondent der „Allg. Ztg." Die „Hamb. Nachr." bemerken dazu: „Wir halten das für zutreffend." O e ft e r. - U n g a r. Monarchie. Wien. (Ein gutes Wort.) Unter dieser Aufschrift berichtet die Deutsche Zeitung vom 3. ds. von hier: An einer Stelle von der man sich noch vor wenigen Monaten dessen nicht versehen hätte, wurde heute ein Wort gesprochen, das geeignet ist, die lebhafteste Befriedigung bei allen friedliebenden und klar denkenden Bürgern zu erwecken. Polizei-Präsident v. Stejskal, der gleich vom Anbeginn seiner Amtsführung deutlich erkennen ließ, daß die Leitung des Sicherheitswesens nun endlich doch festen, zielbewußten Händen anvertraut ist, hat bei Gelegenheit der Beeidigung der neuernannten Polizeibezirksärzte und Polizei-Assistenzärzte in einer Ansprache als eine seiner Hanptforderungen an dieselben die Kollegialität betont, jene Kollegialität, welche auf freundschaftlicher Gesinnung und wechselseitiger Achtung beruht. In ihr liege die einzige Schutzwehr gegen die Rivalitäten, wie sie sich in den heftigen Kämpfen auf politischem, nationalem, sozialem und leider auch religiösem Felde erheben und die allgemeine Wohlfahrt stören. Ist dieses Wort in dem vorliegenden Falle auch nur in einem engeren Kreise und in Bezug auf dienstliche Verhältnisse gesprochen, so ist es doch als Ausdruck der Gesinnung des Polizei-Präsidenten auch für die weitesten Kreise von großem Interesse, einerseits darum, weil die Kundgebung einer solchen Gesinnung an dieser Stelle vor dem Amtsantritte Herrn v. Stejskal's oft vergeblich erwartet nnd ersehnt wurde, andererseits auch deßhalb, weil erwartet werden'kann,'^daß bei den Machtbefugnissen, über die der Polizei-Präsident von Wien verfügt, sich diese Ansicht allen jenen Kreisen gegenüber, welche sich diese gemeinschädlkchen Verhetzungen auf „sozialem und religiösem Gebiete" zur Lebensaufgabe gemacht haben, nöthigenfalls auch in Thaten umsetzen wird. Rußland. Petersburg, 27. Dez. Den meisten in Petersburg thätigen jüdischen Advokaten wird demnächst, der „Polit. Corr." zufolge, die behördliche Weisung zugehen, ihre Berufstätigkeit lediglich in den Städten auszuüben, wo die Ansiedlung von Juden gesetzlich gestattet ist. Auch die Zahl der Apotheken in St. Petersburg, deren Besitzer Juden sind, soll erheblich vermindert werden. Aus Odessa wird der „Pol. Corr." geschrieben: Der Agent des Barons Hirsch, Freiberg traf in Simferopol ein, um die Auswanderung von 6000 Juden aus der Krim vorzubereiten. Die Behörden erhielten Befehl, die Vorarbeiten zu fördern. > Vermischtes. Fürth. Von der Vorstandschaft des Vereins „Gesellschaft der Freunde" erhalten wir folgende Zuschrift: Die in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 101 d. v. I. aufgenommene Notiz'betr. des Vereins Gesellschaft der Freunde entspricht nicht den thatsächlichen Verhältnissen. Der Verein wurde nicht von 15, sondern von 9 Personen, worunter 8 STG 'v>G, gegründet. Eine ausgesprochene orthodoxe Gemeinde, als solche existirt hier' überhaupt nicht, infolgedessen kann von maßgebenden orthodoxen etfen keine Rede sein, wohl aber gibt es hier maßgebende orthodoxe Persönlichkeiten, welchen die Gründer des^sVereins nicht nur nicht völlig fernstehen, sondern von solchen sicherlich als streng orthodox anerkannt werden dürsten. Die Thatsache, daß in ganz kurzer Zeit die Zahl der Mitglieder sich fast um das Dreifache, vergrößert und somit den vom Einsender angenommenen Höhepunkt längst überschritten hat, dürfte zur Genüge beweisen,Tdaßswohl das Verlangen nach Gründung eines solchen Vereins 'vorlag. Druckfehler-Berichtigung. In dem Aufsatz „Die heilige Sprache" S. 4, 1. Spalte muß es statt wo nimmt man aber die Tage her, wo nimmt man aber die Tropen her, heißen. Hamburg, 28. Dezember.'^Der Morstand^'des Israelitischen Stellenvermittlungs-Vereins in Hamburg hat in Hinblick auf das am 31. März 1893 zu Ende gehende Geschäftsjahr beschlossen, um den ssich meldenden^ Bewerbern die möglichste Erleichterung zu gewähren,^diejenigen Bewerber, welche sich in den nächsten 3 Monaten melden und den Mindestbeitrag von 3 M. entrichten,, ohne weitere Extrazahlung als Mitglieder für das Geschäftsjahr 1893/94 zu notiren und dementsprechende Mitgliedskarten auszustellen.