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Der Israelit · 1893-01-05 · Heft 2 (5.1.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 2 (5.1.1893)
Date
1893-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIY. Jahrgang. J\b K Der Israelis Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 5 Januar 5653 (1893). Leitender Artikel. WMfriede und Judentum. f von Rabbiner Heinrich Galandauer in S ob orten (Böhmen). Erstes Kapitel. Der BZerth des Friedens. Wir leben heute in einer Zeit, von der man in Bezug auf den Weltfrieden mit unserem Patriarchen Jsak sprechen kann rvnn *p-in wo der Friede nur durch das Schwert lebt und geschützt wird. Die meisten Völker Europas stehen bis an die Zähne bewaffnet einander Hegerüber. Alles starrt in Waffen, Säbelgerassel und Schwkrtergeklirr sind die Friedensklänge, mit denen die Welt in Ruhe eingelullt wird. Der Militarismus, die Soldateska, die materielle Macht, die körperliche Stärke, die gewaltthätige Ueberlegenheit bilden die Bedingungen, durch die der Staat mit all seinen culturellen und civilisatorischen Errungenschaften gesichert wird, durch die die Kunst, die Wissenschaft, die sittliche und irdische Wohlfahrt in der Gesellschaft geschützt und liebevoll behütet werden. Welch ein Widerspruch! Welch ein Widersinn, das Lämmchen von dem Löwen beschützen zu lassen! Das sind so die Extreme der heutigen Zeit, in der man mit dem wüthendsten Rassenhaß die christliche Liebe am besten zu bethätigen vorgibt. Aber Extreme berühren bekanntlich einander, und so ist es recht erklärlich, daß das immerwährende Pochen auf die rohe Gewalt, das stete Hinweisen auf das Faustrecht das Extrem hervorbrachte, welches die Frucht der internationalen Friedensvcreine der Gegenwart zeitigte. Diese Friedensvereine haben den Zweck und das Ziel, daß die Fehden und Streitigkeiten der Völker und Staaten nicht wie bisher durch den mörderischen Kampf, durch Massenmord, der selbst im Siegesfalle unendlichen Jammer und unermeßliches Unglück im Gefolge hat, entschieden werden sollen, sondern daß nach Selbstentwaffnung der civilisirten Staaten künftighin internationale Schiedsgerichte mit der nöthigcn Autorität und Machtbefugniß ausgeftattet werden, welche die Aufgaoe haben unter den Völkern Recht zu sprechen und deren Machtspruch sich alle Staaten unbedingt zu beugen haben. Das hieße an Stelle der Gewalt die Gerechtigkeit, an Stelle der Grausamkeit die Menschlichkeit, an Stelle der körperlichen Kraft die Vernunft setzen. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, wäre die Sache ganz einleuchtend und die Einsetzung solcher Schiedsgerichte nur wünschenswert!). aber cs wi-d d-m entgegengehalten, daß der Krieg eine Natur nothwendigkeit fei, vor der die Stimme der Vernunft und des Gefühls verstummen muß. Kampf ist das Grundgesetz in der Natur, wodurch alles Bestehende sich entwickelt, wird, ist und dann zu anderem Sein übergeht. Dieser Kampf ist unablässig, ewig, unendlich, ohne den nichts Werdendes zu denken ist. Das Stärkere behauptet sich an Stelle des Schwachen und ordnet es sich unter, die Gewalt entscheidet und siegt in der Natur; mag das Schwache noch so sehr im Rechte sein, sie fragt nicht danach und schreitet über alles hinweg ihrem Ziele zu. Dieses Naturgrundgesetz waltet in allem Sein, in allem Existirenden und Bestehenden und folglich auch in dem Menschen und es ist unzertrennlich mit ihm verbunden, weßhalb auch nicht anzunehmen ist, das die Mächtigeren in ihrer großen Mehrzahl auf ihr Naturrecht je verzichten und den Schwachen freiwillig sich gleichstellen würden, und deßhalb wird der Krieg nie aufhören unter den Menschen und alle die entgegengesetzter Meinung sind, sind nur ideale Schwärmer, Phantasten, welche sich durch ihre Gefühle den klaren Eiublick in die Wirklichkeit trüben lassen; so wird im „Kriegslager" behauptet. Die Bibel denkt anders. Nach ihr ist der Mensch etwas mehr als »n ,nois ,Ovn, Stein, Ge-

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